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3:14 min

Fernsehen im SWR

Gefährliche Keime Schwere Erkrankungen in Kliniken

aus der Sendung vom Donnerstag, 17.11.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen

Immer wieder gibt es Fälle von besonders schweren Erkrankungen in deutschen Kliniken, die durch so genannte multiresistente Keime hervorgerufen werden. Gerade erst sind in einem Bremer Krankenhaus drei frühgeborene Babys verstorben. Experten schätzen, dass es in Deutschland mindestens 600.000 Fälle pro Jahr gibt und nicht alle gehen gut aus.

Grafik: Erreger-Dichte des ESBL-Erregers

Vor seiner Operation in der Heidelberger Uni-Klinik hatte Anton F. das Gefühl, in einer guten Klinik behandelt zu werden. Doch aus acht Tagen Aufenthalt werden insgesamt 25, denn er hat sich mit gefährlichen Krankenhauskeimen infiziert.

Entlassung trotz Schmerzen

Auch eine Woche nach der Operation eines Geschwürs hat Anton F. noch Schmerzen beim Wasserlassen und Blut im Urin. Trotzdem wird er entlassen und mit einer Kanüle im Bauch nach Hause geschickt. Schon im Zug muss er die Zähne wegen der starken Schmerzen zusammenbeißen.

Trotz Antibiotika bekommt er nur wenige Tage später hohes Fieber und die Schmerzen werden unerträglich. Er bricht zusammen. Seine Frau ruft den Notarzt. Anton F. wird mit Blaulicht ins Stuttgarter Diakonie Krankenhaus gebracht. Diagnose: Eine gefährliche Harnwegsinfektion. Er bekommt weitere Antibiotika und wird nach einer Woche entlassen. Doch kurz danach gehen die Schmerzen wieder los. Wieder muss der Notarzt gerufen werden. Die Diagnose diesmal: Nebenhodenentzündung, wieder eine Woche stationärer Klinikaufenthalt.

Nach weiteren drei Wochen wird Anton F. zum dritten Mal mit großen Schmerzen eingeliefert. Nach weiteren Tests findet man endlich die Ursache. Er hat sich den Krankenhauskeim ESBL eingefangen. Genau der Keim, der durch den Tod der drei Bremer Frühchen in die Schlagzeilen kam. Anton F. kommt auf eine Isolierstation.

Tückischer Keim

Der ESBL-Keim ist tückisch, denn er ist extrem resistent gegen Antibiotika. Prof. Petra Gastmeier vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin an der Berliner Charité erklärt auch, dass der Keim oft ein Zeichen mangelnder Hygiene im Krankenhaus sei. Bei Beobachtungsstudien in sehr vielen Krankenhäusern wurde festgestellt, dass nur bei 50 Prozent der Tätigkeiten, bei denen eine Händedesinfektion erforderlich ist, diese auch durchgeführt wird, so die Expertin. Dadurch können die Erreger immer wieder übertragen werden.
Der ESBL-Keim ist auf dem Vormarsch. Seit Jahren lässt sich der Keim immer häufiger in Krankenhäusern nachweisen.

ESBL-Keime

Letzte Chance

Anton F. bekommt neue, noch stärkere Antibiotika gegen die Keime. Die letzte Hoffnung, meint sein Arzt. Wirke das Mittel nicht, müsse eine radikale Operation, eine Resektion, vorgenommen werden.
Doch die Therapie schlägt an und nach einigen Wochen ist er den Keim endlich los. Anton F. will nun wissen, wie und wo er sich angesteckt hat und schreibt an die Heidelberger Klinik. Die lässt sich jedoch Zeit und antwortet erst nach sechs Monaten und mehreren Anfragen. Die drei klaren Fragen von Anton F. werden aber nicht beantwortet.

Auch auf Nachfrage von MARKTCHECK hält sich die Klinik bedeckt, verspricht aber, der Sache nachzugehen.

Der Fachanwalt für Medizinrecht Martin Reinboth vertritt viele Hygieneopfer. Er erklärt, dass betroffene Patienten nur bei ganz klarer Beweislage eine Chance haben. Wenn ein Arzt beispielsweise ohne sich die Hände zu desinfizieren einen Krankenhausraum betritt, vielleicht noch telefoniert und dann eine Wunde anfasst und versorgt, sind dies Fälle, in denen der Rechtsanwalt den Patienten helfen konnte und Ersatzansprüche wegen Infektion im Krankenhaus realisieren konnte.
Ob Anton F. der Uni-Klinik Heidelberg so konkrete Hygienemängel nachweisen kann, ist aber fraglich. Immerhin geht es ihm gesundheitlich wieder besser. Neben dem ESBL-Keim ist er nach einer Strahlenbehandlung auch das Prostata-Geschwür los und hofft, nicht so schnell wieder in ein Krankenhaus zu müssen.

Gefährliche Keime

MARKTCHECK,  17.11.2011 | 5:34 min

Letzte Änderung am: 17.11.2011, 21.00 Uhr

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