aus der Sendung vom Donnerstag, 6.10.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
In der Wirtschaft gibt es die Konjunktur-Barometer. Und die prognostizieren zur Zeit eine Schlechtwetterfront. Das Barometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) beispielsweise - seit Monaten fällt es, zuletzt um 5,7 Punkte. Oder der IFO-Geschäftsklimaindex - minus 6,4 Punkte seit Jahresbeginn. Auch die Konjunkturprognose des IWF für das nächste Jahr wurde um 0,7 Punkte abgesenkt.
Aber sind die Aussichten wirklich so schlecht oder werden sie schlechtgeredet? Antworten soll die Suche nach dem Abschwung bei verschiedenen Unternehmen geben.
Egal ob Kosmetik, Kleidung oder Elektronik - die Einzelhandelsgeschäfte sind gut besucht. Wir fragen bei einer großen deutschen Kaufhauskette nach. Dort ist man mit dem Umsatz sehr zufrieden und ist auch für die Zukunft optimistisch. Von Krise hier keine Spur! Den Privatkonsum hat die schlechte Stimmung also noch nicht erreicht. Aber wie sieht es aus mit der Industrie?
In der letzten Krise war der Maschinenbau besonders betroffen. Wir machen eine Stippvisite beim mittelständischen Betrieb Friedrich Lütze GmbH. Er fertigt für die Auto-Branche und die Bahn. Dort meldet man volle Auftragsbücher und keine Anzeichen für eine Krise.
Als nächstes fragen wir bei der Firma EMAG - einem der größten Werkzeugmaschinenbauer Deutschlands. Wenn das Geschäft hier gut läuft, heißt das: Die Unternehmen investieren weiter. Auch dort sind die Auftragsbücher voll. Beim Maschinenbau herrscht also heile Welt.

Wir gehen weiter zur Chemie-Branche. Steht die Krise vor der Tür, merkt man es dort immer zuerst. Die Entwicklung der Branche gilt als Vorbote für die gesamte Konjunktur. Auch dort meldet man Positives: Der Bundesverband der chemischen Industrie hat ein Umsatzplus von 10 Prozent für das Gesamtjahr 2011 errechnet.
Aber woher kommen dann die miesen Prognosen?
Wir fragen nach beim einem der bekanntesten Wirtschaftsforschungs-Institute - dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Dessen düstere Prognose: In sechs bis neun Monaten geht es abwärts. Das beruht auf der Einschätzung von etwa 300 Finanzmarktanalysten, die ihre Ansichten zur Konjunktur und zur Konjunkturentwicklung geben. Obwohl nicht klar ist, ob genaue Daten, Zahlen, Fakten dahinterstecken, sei die Einschätzung der Analysten als Prognose einzustufen, so das ZEW.
Und auf jeden Fall verlassen sich die Märkte darauf. Das kann gefährlich werden: Denn 90 Prozent der Wirtschaft sind Psychologie, sagt der Wirtschaftspsychologe Winfried Neun. Er befürchtet, dass die deutsche Wirtschaft mit der schlechten Stimmung eine selbsterfüllende Prophezeiung entwickeln könnte. Die Prognosen beeinflussen die Entscheidungen der Unternehmer und so wird aus Krisenstimmung eine reale Krise. Noch ist von einem Abschwung in der Praxis jedoch nichts zu spüren.
Letzte Änderung am: 06.10.2011, 21.00 Uhr