aus der Sendung vom Donnerstag, 28.7.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Premium-Käse, Gourmet-Garnelen oder Feinkost-Parmaschinken bieten jetzt auch Discounter an. Ist das nur ein billiger Werbetrick? Sind statt feiner Kost Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker enthalten?

Wir untersuchen Stichproben aus Supermärkten und von Discountern. Doch schon bei den Zutaten stellt sich heraus: In fast allen untersuchten Produkten sind zahlreiche Zusatzstoffe enthalten. In einer Steinpilzsuppe von Aldi findet sich etwa zugesetztes Aroma. Trotzdem steht auf der Verpackung Gourmet. Das gleiche gilt auch für Kalbsragout und Seelachs.
Auch in der Suppe "Feine Kost" von Penny werden wir fündig. Sie enthält den Geschmacksverstärker Natriumglutamat. Den finden wir auch in Kaviar.
Besonders häufig enthalten Produkte Hefeextrakt. Darin ist Glutamat enthalten, ein Geschmacksverstärker.

Die Verbraucherzentrale verurteilt die chemischen Zusatzstoffe in Feinkostprodukten. Denn sie werden besonders qualitativ hochwertig beworben, obwohl sie Stoffe enthalten, die künstlich beigefügt wurden. Bei manchen Menschen können sie Allergien, ein Taubheitsgefühl im Nacken auslösen oder auch zu Übergewicht führen.
Die Hersteller argumentieren dagegen mit den rechtlichen Bestimmungen, die ihr Vorgehen zulassen.
Wir finden noch viele weitere Produkte mit Zusatzstoffen: Zum Beispiel Natriumbenzoat, ein Konservierungsmittel, das im Verdacht steht Allergien und andere Krankheiten auszulösen. Es ist in einer Caviarcreme von Netto enthalten.

Außerdem wird "Citronensäure" häufig eingesetzt, etwa in einem Alaska Seelachsfilet. Doch echte Zitronen hat diese Säure nie gesehen, denn sie wird meist aus Schimmelpilzen gewonnen. Das ist nicht gerade das, was man sich unter Feinkost vorstellt.
Auch Mövenpick mogelt bei einer bestimmten Erdbeersorte: der Senga Sengana. Sie sei "eine Königin unter den Erdbeeren", so der Hersteller. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine Standardsorte, die auch in vielen anderen Marmeladen verwendet wird, etwa bei "Ja!", Zentis und anderen Schwartau Produkten.
Die Marmelade von Mövenpick enthält 55 Prozent dieser Erdbeeren. Bei den anderen Produkten sind mit 50 Prozent fast genauso viele davon im Glas. Exklusiv ist lediglich der Preis. Die Mövenpick Konfitüre kostet pro Kilo 8,80 Euro, die "Schwartau Extra" 5,70 Euro und die von "Ja!" sogar nur 1,98 Euro. Damit ist die Mövenpick Marmelade um 340 Prozent teurer als die von "Ja!".
Nicht jede Senga Sengana Erdbeere sei gleich, argumentiert Mövenpick. Es würden nur "hochwertige Produkte aus ausgewählten Regionen" eingesetzt.
Bei Rewe werden Louisiana Flusskrebse unter dem Label "Feine Welt" verkauft. Die Internet-Werbung preist die Flusskrebse als anspruchsvolle Tiere an, die auf gute Wasserqualität angewiesen sind. Die Realität sieht anders aus. Der Louisiana Flusskrebs ist der mit Abstand meist produzierte Süßwasserkrebs der Welt, besonders anspruchslos und robust.
Rewe gibt in unserer Anfrage zu, dass der Verbraucher "nicht die Flusskrebse, sondern das exotische ganzheitliche Geschmackserlebnis" kauft.

Ähnlich wird beim Kaviar von Feinkost Dittmann getrickst. Die Verpackung schreibt groß "Deutscher Kaviar" und nur klein darunter "aus Seehasenrogen". Das Problem ist, dass Seehasenrogen in Natur gelb bis rosa aussieht. Damit er für den Verbraucher appetitlicher aussieht, wird er schwarz gefärbt.
Damit werden die Kunden getäuscht. Denn es handelt sich lediglich um ein kaviarähnliches Produkt. Echter Kaviar kommt vom Stör. Der ist auch deutlich aromatischer, aber leider auch teurer. 100 Gramm Störkaviar kosten 278,- Euro. Die gleiche Menge Seehasenrogen dagegen nur 3,80 Euro.
Feinkost Dittmann rechtfertigt sich mit der Begründung, dass man Feinkost produzieren wolle, "die für möglichst jeden erschwinglich ist".
Auch beim Garnelenring von Penny handelt es sich eigentlich nicht um ein Gourmetprodukt. Die enthaltenen Vannamei Garnelen sind die günstigsten ihrer Art. Im rohen Zustand sind sie rötlich. Besser sind Black Tiger Garnelen, die roh dunkelblau oder fast schwarz aussehen.

Penny weist auf das Preis-Leistungs-Verhältnis hin, mit dem sie überzeugen wollen. Doch die Verpackung transportiert Hochwertigkeit durch reduzierte Farben, viel Schwarz, Weiß und Gold. Eine klassische Vorgehensweise, um den exklusiven Inhalt zu bewerben.
Es lohnt sich also bei Feinkost- oder Gourmetprodukten auf die Zutaten zu achten.
Letzte Änderung am: 28.07.2011, 21.00 Uhr