Der Vorkoster
aus der Sendung vom Donnerstag, 4.8.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Björn Freitag ist Sternekoch. Und wenn er etwas nicht mag, dann sind es schlechte Lebensmittel. Für uns macht er den Vorkoster. Er probiert Lebensmittel, deckt Missstände auf und zeigt uns, was hinter den Kulissen der Lebensmittelindustrie passiert.

Heute im Visier: das DLG-Prüfzeichen. Dabei handelt es sich um ein Siegel der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), das Produkte, die von den Herstellern freiwillig eingereicht werden, vor allem nach Geschmackskriterien untersucht. Genau hier liegt laut Sabine Kleinert von der Verbraucherzentrale auch das Problem des Siegels: Geschmack ist subjektiv. Nur weil es den Prüfern schmeckt, muss es mir als Verbraucher noch lange nicht schmecken.
Björn Freitag macht sich auf den Weg nach Berlin, um an einer Prüfung der DLG teilzunehmen. Die DLG testet jedes Jahr rund 24.000 Lebensmittel. Heute wird frisches Huhn bewertet. Getestet wird in diesem Fall von mehreren Prüfern und einem wissenschaftlichen Leiter, wie das rohe Produkt aussieht, ob es frisch riecht und schmeckt und wie die Konsistenz des zubereiteten Produkts ist.
Mit Hilfe eines Fragebogens fällen die Prüfer ihr Urteil. Punktabzüge kann es etwa für ein unansehnliches Gesamtbild, mangelhafter Fleischauswahl, zu hohen Fettanteil oder Knochenbruch geben. Die Hersteller bleiben für die Prüfer anonym.
Aber genügt eine solche Stichprobe, um das Produkt auf Dauer beurteilen zu können? Björn Freitag will die DLG-Prüfer auf die Probe stellen. Er hat acht Hühnerfrikassees eingekauft - mit einer Preisspanne von rund 3,- bis 18,- Euro pro Kilo. Die Prüfer wissen nicht, welches Produkt ihnen vorgesetzt wird. Und sie wissen auch nicht, dass eines der Gerichte im Vorjahr DLG-Gold prämiert wurde.

Von einem guten Hühnerfrikassee erwarten die Prüfer, dass es Hühnerfleisch und Gemüse enthält, dass es eine Soße gibt und dass das Produkt wohlschmeckend ist. Bewertet werden die Gerichte mit Schulnoten. Keines der Produkte überzeugt die Prüfer wirklich. Mal ist das Fleisch zu trocken, die Soße zu fest oder der Spargel ungenießbar. Zudem sehen einige Gerichte unappetitlich aus.
Überraschend schlecht schneidet das Frikassee ab, das von der DLG im Vorjahr mit Gold prämiert wurde, es erhält eine glatte fünf - und das bei einem Einkaufspreis von über 13,- Euro pro Kilo. Woran es liegt, ist den Prüfern unklar, die DLG mache nur Stichproben, es sei kein Zeichen für kontinuierliche Qualität.
Auf das DLG-Siegel ist also kein Verlass. Die Siegel gelten für zwei Jahre - regelmäßige Nachprüfungen finden nicht statt.
In der Stichprobe kann kein Produkt überzeugen. Bleibt also nur, sein Frikassee selbst zu machen. Björn Freitag verrät, wie es geht. Alle Zutaten zusammen kosten etwa sieben Euro. Und nach rund 2 ¼ Stunden Garzeit ist das Frikassee fertig, ganz ohne Prüfsiegel, dafür aber extrem lecker.

Rezept: Björn Freitags Hühnerfrikassee
Zutaten: 1 Suppenhuhn, 2 Liter Wasser, 200 ml Sahne, 1 Zitrone, 1 Schuss Tabasco, 5 Stangen grüner Spargel, 100 g grüne Erbsen, 1 Bund Suppengrün, 100 g Parmesankäse, 1 Bund Petersilie gehackt, 80 g Butter, 40 g Mehl, Salz, Pfeffer, Zitronensaft, Muskatnuss
Zubereitung: Für den Geschmack ist es wichtig, dass die Brühe langsam angesetzt wird. Daher das kalte Huhn in kaltes Wasser geben und bei kleiner Hitze langsam aufkochen. Das Auskochen des Huhns dauert etwa zwei Stunden. Inzwischen das Suppengrün, bestehend aus Karotten, Sellerie und Lauch, putzen, kleinschneide und mit in den Topf geben.
Für die Soße macht Sternekoch Björn Freitag eine klassische Mehlschwitze. Butter in einem Topf leicht anbräunen, das Mehl darin anschwitzen, dann mit Sahne und etwa 500 ml Brühe auffüllen. Als frische Würze ein Spritzer Zitronensaft, geriebene Zitronenschale und ein paar Tropfen Tabasco dazugeben. Die Flüssigkeit reduzieren lassen. Das Suppenhuhn aus der Brühe heben.
Das Huhn ist gar, wenn sich das Fleisch ganz leicht vom Knochen löst. Für das Frikassee eignet sich besonders das zarte Brustfleisch. Die Haut entfernen und das Fleisch in kleine Stücke schneiden. Zur Soße kommen geschälter und geschnittener Spargel und die Erbsen. Zum Schluss das Fleisch dazugeben. Dann mit Petersilie, Salz und Pfeffer würzen. Als besondere Note Parmesan darüber reiben, untermischen und servieren. Guten Appetit!
Letzte Änderung am: 04.08.2011, 21.00 Uhr