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Fernsehen im SWR

Barauszahlung Unbefugte räumen Konto

MARKTCHECK-Reporter

aus der Sendung vom Donnerstag, 20.10.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen

Ein Sparbuch scheint eigentlich eine sichere Sache, denn Bargeld gibt es nur gegen Vorlage des kleinen Papierheftchens. Tatsächlich existieren aber noch andere Wege das Guthaben abzuräumen. Wenn jedoch Unbefugte ohne Einverständnis fast 10.000,- Euro abheben können, dann ist das ein Fall für unseren MARKTCHECK-Reporter Axel Sonneborn.

Eine Frau im Gespräch mit Axel Sonneborn

Helga L. aus Bad Zurzach in der Schweiz, nahe der deutschen Grenze, ist Geschäftsfrau und hat auch ein Konto in Deutschland bei der Commerzbank in Rheinfelden. Dort hat sie für ihr deutsches Patenkind außerdem ein Sparkonto angelegt. Anfang des Jahres lautete das Guthaben auf gut 9.500,- Euro. Doch im Frühjahr dann der Schock: Plötzlich war das Sparbuch leer. Jemand hatte das Geld auf das Girokonto umgebucht und dann abgehoben - alles ohne, dass Helga L. davon wusste.

Telefonische Umbuchung?

Sofort erkundigt sie sich bei der Commerzbank in Rheinfelden und fragt, wer den Auftrag erteilt hat. Es habe jemand angerufen, an den Namen könne man sich nicht erinnern, aber daraufhin sei das Geld auf das Girokonto umgebucht worden. Dort war es nicht lange, denn noch am gleichen Tag wurde das Geld von einem Pärchen in München abgehoben. Ein unglaublicher Vorgang. Da ruft eine wildfremde Person bei der Commerzbank an. Und der Bankangestellte bucht daraufhin das gesamte Guthaben auf das Girokonto um. Ohne nachzufragen, ohne misstrauisch zu werden.

Trick trotz gelöschter Vollmacht

Offensichtlich war den Tätern klar, dass sie nur mit Hilfe dieser Umbuchung an das Geld kommen können. Und auch bei der Auszahlung in München wird niemand stutzig. Anscheinend hat das Pärchen eine Vollmacht vorgelegt. Es gab tatsächlich einmal eine Vollmacht für dieses Konto. Helga L. hatte sie jedoch im Februar 1996 gelöscht. Die Commerzbank will das aber nicht glauben.

Eine fast aussichtslose Situation für Helga L. Sie ist sich sicher, die Vollmachten widerrufen zu haben, doch sie kann es nicht beweisen. Denn von der Bank hat sie damals keine Bestätigung bekommen und mittlerweile sind 15 Jahre vergangen.

Nützliche Vollmacht mit Folgen

Es gibt viele gute Gründe einer Vertrauensperson eine Bankvollmacht zu erteilen, denn im Ernstfall haben weder der Ehepartner noch die Kinder Zugriff auf ein Konto. Doch eine Vollmacht ist immer auch ein Risiko. Denn der Bevollmächtigte hat weitreichende Möglichkeiten. So eine Vollmacht umfasst in der Regel nicht nur das Spar- oder das Girokonto, sondern manchmal auch das Wertpapierdepot.

Die Bank überprüft meist nicht, warum die Vollmacht vorgelegt wird. Deshalb sollte man wirklich nur jemand bevollmächtigen, dem man sehr vertraut. Und man sollte seine Vollmachten regelmäßig überprüfen und im Zweifel auch widerrufen.

Bank fühlt sich unschuldig

Die Umstände der Vollmacht kann Helga L. hier nicht mehr aufklären. Doch unabhängig davon wäre der immense Schaden von knapp 10.000,- Euro nicht entstanden, wenn der Bankangestellte nicht fahrlässig das Geld allein aufgrund eines Anrufes umgebucht hätte. Für Helga L. ungeheuerlich. Sie fühlt sich als Opfer eines Betrugs, der durch die Bank erst möglich wurde.

Sie beschwert sich bei den Bankfilialen in Rheinfelden und München und wendet sich auch schriftlich an die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt. Doch ohne Ergebnis. Nach mehreren Nachfragen erhält sie einen lapidaren Dreizeiler. Die Bank sei nicht schuld und "die Umbuchung war nicht schadensursächlich".

Fragwürdiger Umgang mit Sparkonten

MARKTCHECK fordert eine Stellungnahme von der zuständigen Commerzbank. Aber weder in Rheinfelden noch in der Zentrale ist man zu einem Interview bereit. Man wolle über Kundenbeziehungen keine Auskunft erteilen, heißt es. Das war aber gar nicht unser eigentliches Ziel. Wir wollten wissen, wie die Commerzbank mit Sparkonten umgeht, denn ein Sparbuch gilt als besonders sicher. Es ist ein sogenanntes Inhaberpapier, das bedeutet, die Bank darf Geld nur an den ausgeben, der ein Sparbuch oder eine vergleichbare Sparurkunde vorlegt. Wie die Commerzbank dann hier telefonisch umbuchen konnte, ist äußerst fragwürdig.

Nachdem wir uns eingeschaltet haben, reagiert die Commerzbank dann doch und will sich mit Helga L. einigen. Zwei Herren bieten ihr an, 7.500,- Euro zurückzuzahlen. Dafür soll sie eine Vereinbarung unterschreiben. Helga L. vermutet, dass sie nicht weiter mit dem SWR zusammenarbeiten soll. Sie lehnt eine Unterschrift ab und erhält dann schließlich auch ohne Bedingungen den angebotenen Teil Ihres Geldes zurück.

Letzte Änderung am: 18.10.2011, 15.32 Uhr

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