MARKTCHECK-Finanzcoach
aus der Sendung vom Donnerstag, 3.11.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Experten sind sich einig: Zusätzliche Altersvorsorge ist wichtig, will man im Alter nicht erheblich zurückstecken. Mit einer privaten Renten- oder Lebensversicherung wollen viele Deutsche sich und ihre Familie im Alter extra absichern. Doch häufig geht der Plan schief. Im Studio erklärt MARKTCHECK-Finanzcoach Barbara Sternberger-Frey warum und worauf man bei Altersvorsorgeverträgen achten sollte.

Wer mit einer privaten Rentenversicherung fürs Alter vorsorgt, glaubt meist, auch seine Familie abgesichert zu haben. Doch das ist nicht unbedingt der Fall. Das musste auch Georg F. erkennen, als im April 2011 plötzlich seine Frau plötzlich und unerwartet mit gerade 50 Jahren verstirbt. In die Trauer mischt sich inzwischen jedoch auch Wut über ein Versicherungsunternehmen.
Im Jahr 1998 hat Elke F. 20.000,- DM, also rund 10.300,- Euro, in eine private Rentenversicherung bei der Zurich-Versicherung einbezahlt. Laut Vertrag hätte sie ab ihrem sechszigsten Lebensjahr eine monatliche Rentenzahlung bekommen.
Anfang des Jahres 2011 schickt die Zurich-Versicherung einen aktuellen Stand des Vertrages. darin heißt es unter anderem, dass sie bei einer vorzeitigen Kündigung knapp 18.000,- Euro erhalten würde, garantiert. Nur einen Monat später stirbt Elke F. Ihr Mann teilt der Versicherung den Tod mit und bittet um Auszahlung der garantierten Summe.
Doch statt der erwarteten 18.000 Euro, zahlt die Zuricher nur rund 11.000. Begründung: Bei Tod des Versicherten gibt es weniger als wenn er zu Lebzeiten kündigt.

Barbara Sternberger-Frey erklärt, dass es bei einer solchen Vertragsform tatsächlich im Todesfall weniger Geld gibt als bei einer vorzeitigen Kündigung. In der abgeschlossenen lebenslangen Altersrente ist der Todesfallschutz nicht automatisch eingeschlossen. Vereinbart war eine Beitragsrückgewähr. Damit werden nur die eingezahlten Beiträge zurückerstattet, aber nicht das bereits angesammelte Kapital aus den Zinsen.
Bei der privaten Rentenversicherung mit Beitragsrückgewähr schließt der Versicherte im Prinzip eine Wette auf sein langes Leben ab und nicht auf den Todesfall. Um Hinterbliebene zu versorgen, muss das im Vertrag zusätzlich vereinbart werden. Möglich ist das beispielsweise mit einer Vereinbarung über die Auszahlung des Vertragsguthabens. Diese Todesfallleistung ist aber ein zusätzlich versichertes Risiko und man würde weniger Altersrente bekommen.
Die Expertin empfiehlt dennoch die Vereinbarung über die Rückzahlung des Vertragsguthabens, wenn Hinterbliebene zu versorgen sind. Nach Vertragsschluss kann man eine solche Änderung kaum noch durchführen. Man würde aber einen neuen, anders kalkulierten Vertrag erhalten. Ob im Todesfall eine Beitragsrückgewähr oder die Auszahlung des Vertragsguthabens vereinbart wird, muss also schon beim Abschluss der privaten Rentenversicherungspolice beachtet werden.
Zum Ende des Jahres 2011 werben die Lebensversicherer besonders intensiv. Man solle schnell noch abschließen, da mit Beginn des Jahres 2012 der so genannte Garantiezins von 2,25 auf 1,75 Prozent sinkt. Doch so entscheidend ist dieser Garantiezins gar nicht.
Vielen Kunden ist nicht bewusst, dass es den Garantiezins nur für einen Teil der eingezahlten Beiträge gibt, nämlich auf das, was nach Abzug der Provisionen, Verwaltungs- und Anlagekosten übrig bleibt. Finanzexperten schätzen, dass von 100,- Euro Prämie manchmal nur 65,- Euro tatsächlich angespart werden.
Bei einem Unternehmen mit einem hohen Kostenanteil können die Kunden also viel Geld verlieren. Beispiel: Ein 30-jähriger Mann zahlt monatlich 100,- Euro in eine Kapital-Lebensversicherung ein. Wenn er mit 65 Jahren in Rente geht, erhält er von der Asstel garantiert 56.200,- Euro ausbezahlt. Die LV 1871 hingegen garantiert nur 46.300,- Euro, also fast 10.000,- Euro weniger.
Hinzu kommt, dass die Unternehmen das Geld ihrer Kunden unterschiedlich erfolgreich an den Finanzmärkten anlegen. Damit fallen die erwirtschafteten Gewinne mehr oder weniger hoch aus.
Nach einer Untersuchung des Analysehauses Morgen & Morgen gab es in der Vergangenheit besonders gute Leistungen beispielsweise bei der Allianz, der Debeka und der Europa-Versicherung. Doch künftig werden viele Versicherer unter Druck geraten, warnt der Versicherungsexperte Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Die Folgen der Griechenland-Krise schlagen auch auf die Versicherungen durch. Der Experte erklärt, dass die deutschen Lebensversicherer einen Großteil der Kundengelder in Staatsanleihen anlegen müssen. dazu sind sie gesetzlich verpflichtet. Sie dürfen nur einen kleinen Teil in Aktien oder Investmentfonds anlegen. Der Großteil ist in festverzinslichen Wertpapieren angelegt. Das heißt, hier trifft es die Versicherer besonders stark.
Der Garantiezins ist also nicht das entscheidende Argument und niemand sollte sich davon blenden lassen. Wichtiger ist die Ertragsstärke des Unternehmens Die Expertin rät, eine Kapital-Lebensversicherung nur abzuschließen, wenn man unbedingt einen solchen Vertrag braucht. Als Geldanlage ist sie auch mit dem bisherigen Garantiezins nicht lohnend. Außerdem wird sich die Finanzkrise auf die Ertragslage der Versicherungen und Banken auswirken. Die Expertin glaubt aber nicht, dass Lebensversicherer wegen der Krise in Konkurs gehen werden.

Auch bereits vor längerer Zeit abgeschlossene Policen werden kaum gefährdet sein. Ähnlich der Einlagensicherung der Banken gibt es auch bei den Versicherungen einen Sicherungsfonds, der die garantierten Leistungen absichert.
Aus älteren Verträgen sollte man auch nicht aussteigen. meist haben sie noch einen höheren Garantiezins und damit eine gute Verzinsung. Wer aber glaubt, seine Lebensversicherung war ein Fehlgriff, kann die Situation zum Anlass nehmen, seinen Vertrag nochmals sehr genau zu überprüfen. Oft kann es schon sinnvoll sein, den Vertrag beitragsfrei zu stellen.
Trotz schmelzender Überschüsse der Lebensversicherer versprechen Versicherungsvertreter noch immer riesige Renditen bei den Kapital-Lebens- und Rentenversicherungen. Finanzexperten haben deshalb Tester losgeschickt, um bei insgesamt 63 Beratungsterminen bei Versicherungsagenturen und Banken die Renditeversprechen zu überprüfen. Ihre Ergebnisse repräsentieren fast 80 Prozent des gesamten Marktes.
Die Rendite einer Lebensversicherung liegt derzeit nach Abzug aller Kosten häufig unter 4 Prozent. Geworben wird mit anderen Zahlen. Versprochen werden aber, angeblich vorsichtig, mindestens 6 Prozent. Total überhöhte Renditeversprechen: Die anderen Tester machen ähnliche Erfahrungen - und sollen bei fast der Hälfte aller Beratungsgespräche auch noch Zusatzversicherungen abschließen, nach denen sie nie gefragt haben. Testperson Roman B. sagt nach einem Beratungsgespräch, dass er sich nicht gut beraten fühlt. Das Renditeversprechen lag bei 6 Prozent. Er wollte eigentlich nur eine Lebensversicherung, aber sie haben ihm eine Berufsunfähigkeitsversicherung zusätzlich angeboten. Die geht natürlich von den Beiträgen wieder weg und bleibt ihm nicht fürs Alter.
Schlechte Beratung, falsche Renditen. Wir wollen noch genauer wissen, wie die Kunden über den Tisch gezogen werden und begleiten eine der Testpersonen mit versteckter Kamera zu ihrem Termin mit einem Versicherungsagenten. Was sie hier erlebt, grenzt an Betrug. 6 Prozent Rendite soll eine Lebensversicherung kombiniert mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung bringen, garantiert, so der Versicherungsagent. Das ist schlicht und einfach gelogen. Genauso wie die Behauptung, eine Laufzeit bis 67 Jahre sei optimal. Die für die Kundin günstigere Version bis 60 Jahre mit Option auf Verlängerung lehnt er kategorisch ab. Eine Begründung bleibt er schuldig. Fakt ist jedenfalls, dass er nicht die Interessen der Kundin, sondern vielmehr seine Provision im Auge hat.
Die klassische Lebensversicherung ist längst kein Selbstläufer mehr. Der Druck in der Versicherungsbranche scheint derzeit wirklich groß zu sein, denn eine objektive und faire Beratung war zumindest bei diesem Test eher die Ausnahme. Wegen des anhaltend niedrigen Zinsniveaus und der Schuldenkrise in der Europäischen Union rechnen die Finanzexperten für die Zukunft mit weiter sinkenden Renditen. Umso alarmierender ist das Ergebnis der Untersuchung. Marion Köbler, Unabhängige Versicherungsberaterin, erklärt, dass sich in den Gesprächen gezeigt hat, dass immer noch mit Renditen geworben und gerechnet wird, die bislang schon nicht erreicht wurden und mit Sicherheit auch in Zukunft - unter dem Anlagenotstand, der bei den Versicherungen aktuell herrscht - nicht erreicht werden. Das heißt, es wird für das Alter mit falschen Zahlen gerechnet. Teilweise erschreckend sei, dass diese Zahlen auch noch als Garantiezahlen verkauft würden.
Das ernüchternde Ergebnis: Drei Viertel aller Versicherungsvermittler gingen mit deutlich überhöhten Renditeversprechen auf Kundenfang - zum Teil mit 6 Prozent und mehr. Anders ausgedrückt: Nur jeder vierte Agent berät seine Kunden korrekt. Ebenfalls kaum zu glauben: Meistens wurden die Renditen im Gespräch als garantiert dargestellt.
MARKTCHECK-Finanzcoach Barbara Sternberger-Frey ist von einem solchen Ergebnis ebenfalls entsetzt und findet die Renditeversprechen von 6 Prozent unseriös. Kein Versicherer für klassische Lebens- und Rentenversicherungen kann solche Werte am Kapitalmarkt erwirtschaften.
Kunden ist deshalb unbedingt zu empfehlen, sich solche Versprechen vom Vermittler in das Beratungsprotokoll schreiben zu lassen. Dann hat man etwas in der Hand, um später wegen Falschberatung vorgehen zu können.
Auch nach Ansicht von Barbara Sternberger-Frey kann die Rendite eines guten Versicherers höchstens noch bei 4 bis 4,5 Prozent liegen. Die Überschussverzinsung wird im Jahr 2012 aber möglicherweise auch unter 4 Prozent sinken.
Wer noch eine Kapital-Lebensversicherung abschließen möchte, sollte unbedingt auf die garantierte Leistung achten. Nur die ist sicher und dabei spielen die Kosten der Versicherungsgesellschaft eine große Rolle. Alles andere sind unverbindliche Versprechen.
Bei der Altersvorsorge müssen zwei Punkte getrennt berücksichtigt werden. Die Ansparphase bis zum Rentenbeginn ist ein Sparvorgang, bei dem jede Sparanlage genutzt werden kann. Ab dem Rentenbeginn muss man sich eine lebenslange Rente einkaufen. In der Ansparphase gibt es eine breite Palette von Möglichkeiten, auch mit und ohne staatliche Förderung. Man muss sich nicht langfristig an einen Versicherer binden.
Letzte Änderung am: 03.11.2011, 21.00 Uhr