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Fernsehen im SWR

Ärztepfusch Patienten kämpfen um ihr Recht

aus der Sendung vom Donnerstag, 27.10.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen

Experten schätzen, dass etwa 40.000 Menschen jährlich Opfer von Behandlungsfehlern werden. Viele leiden ein Leben lang darunter. Doch nur ein Drittel wird tatsächlich als Fehler der Ärzte anerkannt. Für die Betroffenen bedeutet das meist einen jahrelangen Kampf um ihr Recht und eine Entschädigung.

Röntgenbilder

Monika S. und ihr Mann gingen gern aus, tanzen und feiern. Doch seit einer Knieoperation kann sie nur noch an Krücken laufen, da zwei Nerven in Bein und Hüfte schwer geschädigt sind, ohne Aussicht auf Heilung.

Langer Leidensweg

Jahrelang hatte Monika S. Schmerzen im Knie. Mehrere Operationen brachten keinen Erfolg. Schließlich entschied sich die 50-jährige Frau mit ihrem Orthopäden für eine Knieprothese. Sie hoffte, dadurch wieder schmerzfrei zu sein und ihre Aktivitäten wieder aufnehmen zu können.
Monika S. wird von ihrem Orthopäden in einer Klinik bei Mainz operiert. Da sie unter einer Nickel-Allergie leidet, bekommt sie eine Spezialprothese. Die Patientin liegt bereits unter Narkose auf dem Operationstisch. Dann aber wird beim Auspacken das Implantat unsteril, angeblich durch ein Versehen. Ihr Orthopäde bricht die Operation ab.
Doch eine Ersatzprothese ist in der Klinik nicht vorrätig. Eine neue wird bestellt, direkt beim Hersteller im Schwarzwald. Von alledem bekommt die Patientin nichts mit. Erst als sie zu sich kommt, bemerkt sie, dass sie ihr Bein und ihren Fuß nicht spürt. Das Bein bleibt die ganze Zeit betäubt. Lange Zeit ist unklar, wann die Ersatzprothese eintrifft.

Da ihre Beine nah beieinander liegen, bemerkt Monika S. jedoch, dass es warm und feucht wird. Sie schlägt die Decke zurück und sieht, dass der gesamte Verband am Bein durchgeblutet ist. Die Krankenschwester verweist nur auf den Arzt, der die Patientin informieren würde.

Ergebnis mit Folgen

Monika S. rechnet bereits mit dem Schlimmsten. Es dauert Stunden, bis der Arzt ihr erklärt, dass die Operation noch nicht abgeschlossen werden konnte. Nach langen Stunden des Wartens wird die Prothese endlich geliefert und die Operation beendet.
Es folgt jedoch der nächste Schock für die Patientin, denn sie hat kein Gefühl mehr im linken Bein. Der Arzt beschwichtigt und beschwichtigt, dass die Nerven nicht beschädigt sein können. Aber auch nach drei Wochen Reha-Behandlung bessert sich der Zustand nicht.

MARKTCHECK fragt bei dem Orthopäden und der Klinik nach. Man bedauere den Vorfall. Wie die Prothese unsteril werden konnte, erklärt man nicht genauer. Zur fehlenden Ersatzprothese teilt man mit, dass bei Standardimplantaten mehrere Sätze im Lager vorgehalten würden. Von der Sonderprothese sei allerdings nur ein Satz vorhanden.

Ihren Beruf als Verwaltungsangestellte kann Monika S. nicht mehr ausüben. Mit Krankengymnastik trainiert sie ihr Bein so gut wie möglich und sucht sich einen neuen Orthopäden. Der ist über die Folgen der Knieoperation entsetzt. Er erklärt, dass er ein solches Ausmaß zum ersten Mal gesehen habe. Er geht davon aus, dass die Teillähmung des Beins die entscheidenden Funktionen so stark beeinträchtigt, das ein Laufen ohne Hilfsmittel nicht mehr möglich sein wird. Monika S. wird damit für immer auf Krücken angewiesen sein.

Sie sieht die Ursache für die Lähmung in einem Behandlungsfehler. Die Klinik und ihr früherer Orthopäde bestreiten das, und erklären: "Die Wahrnehmung von Frau S., der Nerv habe dadurch Schaden genommen, dass man ihn den ganzen Nachmittag betäubt gehalten habe, . . . ist zwar nachvollziehbar, aber entspricht nicht den Tatsachen."

Doch Monika S. gibt nicht auf. Sie nimmt sich eine Rechtsanwältin und lässt ein medizinisches Gutachten erstellen. Sie will wenigstens die Wahrheit erfahren und um ein angemessenes Schmerzensgeld kämpfen.

Ärztepfusch

MARKTCHECK,  27.10.2011 | 5:10 min

Letzte Änderung am: 27.10.2011, 21.00 Uhr

Ärztepfusch

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