aus der Sendung vom Donnerstag, 2.2. | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Für hausgemachte Pasta braucht man gute Zutaten und Fingerspitzengefühl. Für alle, denen es an Zeit oder Kocherfahrung fehlt, gibt es die schnelle Alternative: Fertigpasta. Beliebt sind zum Beispiel Fleisch-Tortellini aus dem Kühlregal. Von außen sehen sie recht appetitlich aus, doch schmecken sie auch? Und woraus besteht die bräunliche Fleischfüllung? MARKTCHECK macht den Test.

In Supermärkten und Discountern kaufen wir zehn frische Tortellini-Produkte mit Fleischfüllung, die pro 100 Gramm zwischen 30 und 80 Cent kosten.
In einem italienischen Restaurant stellen wir den Geschmack der Fertig-Tortellini auf die Probe. Die drei Tester sind die Studentin Marlene Lösken, die ein Pasta-Fan ist, der Koch und Restaurantbesitzer Mario Iorillo und Michaela Schlich, die Ernährungswissenschaftlerin und Sensorikerin an der Uni Koblenz ist. Die Bewertungskriterien sind Geruch, Aussehen, Konsistenz und natürlich der Geschmack.
Nacheinander werden die zehn Tortellini-Proben streng nach Packungsangabe zubereitet. Meist reichen schon zwei Minuten im kochenden Wasser. Sobald die Tortellini fertig sind, wird serviert. Zu allen Proben füllen die Tester einen Bewertungsbogen aus und nachdem alles verkostet ist, gibt es das Fazit:
Zwar hat jeder Tester einen anderen Favoriten, doch insgesamt die beste Bewertung bekommen die mit am teuersten Fleisch-Tortelloni von Hilcona, dicht gefolgt von den preisgünstigen Eigenmarken von Kaufland und LIDL.
Die Proben lassen wir von der Diplom-Lebensmittelchemikern Dörte Gräßer in einem Labor in Ludwigshafen auf ihre Qualität überprüfen. Dafür zerlegt sie zuerst einmal die kleinen Teigringe. So lässt sich das Verhältnis von Nudel und Füllung bestimmen. Im Anschluss kommt die Feinarbeit, denn wir wollen wissen, wie viel hochwertiges Fleisch in der Füllung steckt.
Während die Tortelloni von Hilcona geschmacklich punkten konnten, gibt es bei der Gewichtsanalyse eine kleine Unstimmigkeit. Auf der Verpackung ist die Füllung mit 25 Prozent angegeben, doch Dörte Gräßer konnte nur 22 Prozent ermitteln. Zur Sicherheit hat sie die Analyse wiederholt - das Ergebnis war das Gleiche.
MARKTCHECK hat bei Hilcona nachgefragt, wie es sein kann, dass weniger Füllung vorhanden ist, als auf der Verpackung angegeben. Die Firma begründet das damit, dass es sich bei Fleisch-Tortelloni um ein Naturprodukt handele, bei dem während der Lagerung der Teigwaren teilweise Feuchtigkeit aus der Füllung in den Teig übergehe. Dadurch reduziere sich der Füllungsanteil während der Lagerung.
Kleine Abweichungen mag der Kunde verzeihen, doch wie steht's um die Fleischqualität? Enthalten die Proben tatsächlich Knorpel oder billiges Restfleisch? Das erkennt Dörte Gräßer an bestimmten Eiweißstoffen und kommt zu einem erfreulichen Ergebnis: Es konnten keine erhöhten Anteile an minderwertigem Fleisch wie Sehnen, Knorpel und Ähnliches festgestellt werden. Das heißt, der Verbraucher bekommt relativ gutes Fleisch in den Tortellini.
Aber viel ist es ohnehin nicht: Im Schnitt macht das Fleisch gerade mal ein Drittel der Füllung aus. Der Rest besteht meist aus Grieß oder Paniermehl, Gewürzen und Salz, Öl, Karotten, Zwiebeln oder anderem Gemüse.
Letzte Änderung am: 02.02.2012, 21.00 Uhr