aus der Sendung vom Donnerstag, 21.7.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Ein leckeres Eis zwischendurch, wer kann da schon widerstehen? Doch nicht immer hält die Eiscreme, was sie verspricht. Oft werden Emulgatoren, Aromastoffe und Pflanzenfett beigemischt. Aber wer genau hinschaut, kann sich unbesorgt durch den Sommer schlemmen.

Schon vor etwa viertausend Jahren verwöhnten sich die Chinesen mit der kalten Delikatesse Speiseeis. Inzwischen hat sich die Rezeptur etwas verändert, aber die Leidenschaft für das süße Vergnügen ist ungetrübt. Durchschnittlich rund acht Liter Eis verspeist heutzutage jeder Deutsche im Jahr. Wegen seiner kühlen Leidenschaft muss sich niemand besonders vor dem Dickwerden fürchten, besonders dann nicht, wenn man sich an Fruchteis beziehungsweise Fruchtsorbet hält. Fruchtsorbet besteht aus Fruchtsaft und -mark, Wasser, Traubenzucker und Zucker - und sonst nichts!
Unterwegs wird leckeres Eis im Becher oder in der Waffel, mit Sahne oder ohne angeboten. Da kommt Sommerlaune auf. Manche Eisdielen bieten bis zu 60 Sorten Eis an - da hat man die Qual der Wahl. In der Eisdiele kostet die Kugel etwa 1,- Euro. Im Supermarkt bekommt man für den gleichen Preis ein ganzes Paket. MARKTCHECK will wissen, wo die Unterschiede liegen.

Damit Eis im Supermarkt so billig sein kann, wie es ist, hat sich in die Industrie einiges einfallen lassen. Ein Beispiel: Im Eis wird teures Milchfett häufig durch billiges Pflanzenfett ersetzt; Kokos- oder Palmfett zum Beispiel. Es steckt sogar in teurem Markeneis von Langnese oder Möwenpick. Die Hersteller sagen: Das Eis wird dadurch cremiger und besser. Verbraucherschützer dagegen kritisieren das Pflanzenfett als Täuschung. Die Hersteller, sagen sie, wollen nur billiger produzieren und mehr verdienen,
Ein anderer Trick bei der Eisherstellung sind Aromastoffe. So ersetzt chemisches Erdbeer-Aroma immer öfter die frischen Früchte, Vanillin die Vanille-Schoten. Und weil Vanillin eigentlich ein Abfallprodukt der Papierherstellung ist, ist das natürlich viel billiger.

Traditionelle Eishersteller, die "Gelatieri" machen das anders. Wie, lernen sie zum Beispiel in Mannheim in einer speziellen Ausbildung. Dort wird Eis ohne Zusatzstoffe traditionell hergestellt. Zwei Jahre dauert die Ausbildung zum Speiseeis-Hersteller.
Echte Vanille-Schoten sind die wichtigste Zutat für traditionelles Vanilleeis. Abgesehen davon kommt gar nicht so viel hinein. Zucker, Eier, und jede Menge Milch. Ein Vanille-Eis, das mit echter Vanille gemacht ist, erkennt man übrigens an schwarzen Punkten im Eis. Sie kommen von der Vanilleschote, wenn sie fehlen, stammt der Vanillegeschmack wohl von Aromastoffen. Klar ist auf jeden Fall: Traditionelles Eis-Machen ist ein echtes Handwerk.
Der Geschmacksvergleich bringt es an den Tag: Der Unterschied ist riesig. Das Supermarkt-Eis zerfällt wie Schaum im Mund, das Handwerkseis bleibt cremig. Einer der Gründe: Im traditionellen Eis haben Emulgatoren und künstliche Aromen nichts zu suchen, so der Berufsschullehrer für Speiseeisherstellung.
Emulgatoren sind zwar nicht giftig, sondern sie sind in vielen Fertigprodukten enthalten, aber bei Speiseeis binden sie vor allem Luft. Das bedeutet, ein Liter Supermarkteis sind etwa 550 Gramm. Ein Liter traditionelles Eis wiegt dagegen 800 bis 850 Gramm.
Künstliche Aromastoffe sind bei der traditionellen Speiseeisherstellung ebenfalls verpönt. Im Regelfall ist das Eis in einer Eisdiele traditionell hergestellt, aber es gibt Ausnahmen. Im Zweifel sollte man fragen, ob beispielsweise echte Erdbeeren oder Aroma verwendet wurde.

Trotz der Aromen oder Zusatzstoffe: Die Deutschen lieben Eis aus der Packung. Sie essen viel mehr zu Hause als in der Eisdiele. Rund acht Liter Eis pro Jahr kommen zusammen. Die Europameister im Eisessen sind allerdings die Skandinavier. Sie essen fast doppelt so viel Eis.
Die deutschen Geschmacks-Favoriten sind eher langweilig. Vanille, Schokolade, Nuss, Erdbeere. Dabei wächst die Sortenvielfalt von Jahr zu Jahr. Die Auswahl ist schier unbegrenzt! Und nicht nur die Vielfalt der Geschmacksrichtungen ist riesig, sondern auch die Bezeichnungen, die auf dem Eis stehen.
Bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erfahren wir mehr über die Unterschiede und die Tricks der Hersteller. Bei Milchspeiseeis müssen mindestens 70 Prozent Milch enthalten sein. Auch für Fruchteis ist ein Mindestanteil von 20 Prozent an Früchten vorgeschrieben. Aber vieles andere sind herstellereigene Begriffskreationen. Das ist auch zulässig, weil die Speise-Eis-Verordnung seit 2007 nicht mehr gilt.
Das heißt, wenn zum Beispiel Eis-Dessert oder einfach nur Speise-Eis auf der Verpackung steht, muss nichts Spezielles drin sein. Der Verbraucher muss damit rechnen, dass untypische Fette verwendet werden, wie beispielsweise Pflanzenfette. Bei Milcheis darf nur Milchfett enthalten sein. Ist auf der Packung eine Erdbeere abgebildet, müssen auch echte Erdbeeren drin sein. Auf der Zutatenliste steht, wie hoch der Erdbeergehalt tatsächlich ist.
In der Eisdiele müssen die Inhaltsstoffe nicht deklariert sein. Da müsste der Kunde das Thekenhandbuch verlangen oder er fragt den Eis-Konditor selbst, was er für ein Eis anbietet. Und am wichtigsten ist natürlich in den Eisdielen, dass man auf die Hygiene achtet. Eislöffel zum Portionieren sollten unter fließendem Wasser abgespült werden idealerweise werden sie in Gefäßen mit durchlaufendem kaltem Trinkwasser aufbewahrt, den sogenannten Portioniererspülen. Sie sollten auf keinen Fall in einem Gefäß mit stehendem Wasser lagern. Oder es sollten in jeder Eissorte spezielle Löffel liegen.
Ganz viel Luft, Emulgatoren, Aromastoffe und Pflanzenfett - wer bei Speiseeis auf gute Inhaltsstoffe wert legt, der muss beim Einkaufen die Zutatenliste studieren.
Für folgende Speiseeis-Bezeichnungen gibt es Vorgaben für die Inhaltsstoffe: Kremeis, Rahmeis, Milcheis und Eiskrem müssen bestimmte Mengen Milchfett oder Milch enthalten, Eiskrem zum Beispiel 10 Prozent Milchfett. Für Fruchtsorbet, Fruchteis, Fruchteiskrem gibt es Vorgaben für den Fruchtanteil, bei Fruchteis müssen mindestens 10 bis 20 Prozent Früchte enthalten sein. Wassereis und Softeis sind eigene Sorten. Genaue Prozentangaben und weitere Informationen finden Sie beim Lebensmittelportal was-wir-essen.de.

Das Eis wird grundsätzlich zuletzt gekauft, damit es nicht vorzeitig auftaut. Die Tiefkühltruhen im Handel sind mit Stapelmarkierungen an den Innenwänden ausgestattet. Nur Ware, die darunter liegt, ist auch sicher kühl genug für den Weg nach Hause. Ideal, wenn das Geschäft Kühlboxen verleiht. In der Regel kostet das nur Pfand. Wer es nicht weit nach Hause hat, kann sich alternativ sein Eis an der Kasse in Zeitungspapier einschlagen. Auch das bietet einen gewissen Schutz vor dem Auftauen. Viele Supermärkte verkaufen auch Isoliertaschen. Sie sind besser als Zeitung. Die Aufbewahrungszeit hängt von der Leistung des Gefrierschranks ab. Grundsätzlich gilt: Eis nie in der Nähe von stark riechenden Lebensmitteln lagern.
Spielend leichtes Portionieren erreicht man mit einem kleinen Kniff: Der Becher für die Eiszange wird einfach mit heißem Wasser gefüllt, um das Servierbesteck anzuwärmen. Damit das Eis seinen vollen Geschmack entfaltet, sollte es etwa fünf bis zehn Minuten vor dem Verzehr aus dem Gefrierschrank genommen werden. Eiszangen sind praktisch, müssen aber nicht sein. Mit etwas Übung lassen sich schicke Eislocken auch mit einem einfachen Esslöffel vom Becher ziehen.
Eis-Rezepte: Machen Sie es selbst!
Wer sich ein bisschen Zeit nimmt, kann selbst Eis herstellen. Da weiß man ganz genau, welche Zutaten enthalten sind. Hier einige leckere Rezepte. [mehr]
Letzte Änderung am: 21.07.2011, 21.00 Uhr