aus der Sendung vom Donnerstag, 12.1. | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Rund neun Millionen Menschen sind hierzulande ausschließlich privat krankenversichert. Was den Privatpatienten gehörig auf den Magen schlägt, sind die horrenden Prämienerhöhungen, die vor allem ältere Versicherte treffen. MARKTCHECK untersucht die Alternativen.

Werner F. ist geschockt. 739,05 Euro soll er künftig für seine private Krankenversicherung an die Gothaer zahlen. Ende November erhöhen sich seine Krankenversicherungsbeiträge von rund 590,- Euro auf knapp 740,- Euro. Das bedeutet einen Aufschlag von über 25 Prozent. Nach 33 Jahren Mitgliedschaft und hoher Selbstbeteiligung hätte das Werner F. nie erwartet.
Kein Einzelfall. Bei den Verbraucherzentralen ist die Beitragsexplosion der privaten Krankenversicherungen ein Dauerbrenner. Grund für die Beitragssteigerungen, so die Versicherer, seien die überproportional steigenden Gesundheitskosten. Auf Nachfrage von MARKTCHECK lässt der Verband der privaten Krankenversicherungen wissen:
"So nahmen die Versicherungsleistungen 2010 um 3,8 Prozent zu, während die Preissteigerung bei 1,1 Prozent lag. Dies wirkt sich zwangsläufig auf die Versicherungsbeiträge aus."
3,8 Prozent Erhöhung wären ja vielleicht noch erträglich. Tatsächlich steigen die Beiträge oft viel stärker. Und das liegt daran, dass der Status Privatpatient kein Selbstläufer mehr ist. Den privaten Krankenversicherungen mangelt es an Neukunden, vor allem die jungen, gesunden bleiben aus. Die Strategie: Alte Tarife werden geschlossen und neue Billigtarife sollen Neukunden locken.
In die geschlossenen Tarife werden keine Neukunden mehr aufgenommen. Diese vergreisen regelrecht. Dann explodieren die Kosten und damit die Beiträge. Was viele Versicherte nicht wissen: Sie haben das Recht, in jeden anderen Tarif des Versicherers zu wechseln, am besten natürlich in einen günstigeren Tarif mit vergleichbaren Leistungen. Die bis dahin erworbenen Rechte und Altersrückstellungen werden beim Wechsel innerhalb des PKV-Unternehmens mitgenommen.
Deshalb empfiehlt Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: "… jedem, der zu viel zahlt, den Tarif zu wechseln. Weil man es dadurch schaffen kann, in einen Tarif mit jungen Leuten zu kommen und dadurch viel Geld sparen kann."
Klingt einfach, ist es aber nicht. Das zeigt der Fall von Guido W. Er will einen Tarifwechsel beantragen, um Beiträge zu sparen und sucht erstmals Anfang 2010 das Gespräch mit seinem Berater der DKV. Dieser lässt ihn wissen:
"Grundsätzlich ist eine Tarifumwandlung für Sie möglich, nur bei einer Höherversicherung kann es aufgrund von Vorerkrankungen zu Risikozuschlägen, oder einer Ablehnung kommen. In Ihrem Fall (...) zu einer Ablehnung."
Erst als Guido W. seinen Versicherungsberater über die Gesetzeslage aufklärt, wird ihm ein neues Angebot unterbreitet. Dass den Versicherten beim Wechsel Steine in den Weg gelegt werden, kommt öfter vor.
Den Verbraucherzentralen liegen Unterlagen vor, nach denen Kunden sogar falsche Tarife angeboten wurden. Als Hintergrund wird vermutet, dass die Unternehmen befürchten, dass durch den Wechsel günstige Tarife teurer werden und die Konkurrenzfähigkeit leidet.
Doch der Kampf gegen die vermeintlichen Windmühlen lohnt sich. Guido W. hat inzwischen den Tarif, den er immer haben wollte. Auch Werner F. hat sich Angebote der Gothaer eingeholt und hofft, mit einem neuen Tarif zu sparen.
Letzte Änderung am: 12.01.2012, 21.00 Uhr