aus der Sendung vom Donnerstag, 26.1. | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Nicht nur zur Fastnachtszeit möchten sich manche kleinen Mädchen schminken wie die Großen. Die Spielzeugindustrie bietet dafür zahlreiche Produkte. Doch wie sicher sind die Schminksets für Kinder und eignen sich die Inhaltsstoffe für die zarte Kinderhaut?
Kinderschminksets mit Lidschatten, Lippenstift und Rouge im Kleinformat gibt es von verschiedenen Herstellern. Wir haben Sets im Einzelhandel und Internet gekauft und unter die Lupe genommen:
| Steffi Love Schmink-Set | 3,99 Euro |
| Princess Coralie Schmink-Set | 6,99 Euro |
| Barbie Schmink-Set | 7,99 Euro |
| Beauty-Set Prinzessin Lillifee | 9,95 Euro |

Zwei kleine Mädchen probieren für MARKTCHECK die Schminksets aus und zeigen sich gleich markenbewusst. Barbie und Prinzessin Lillifee kommen bei ihnen besonders gut an. Doch das pinke Glitzerpuder von Lillifee ist lose und die Kleckerei damit vorprogrammiert.
Während die Mädchen sich schminken, nimmt ihre Mutter die Verpackungen unter die Lupe. Ihr Eindruck: Vom Preis-Leistungsverhältnis ist das Barbie-Set am besten, denn hier steckt scheinbar viel drin.
Die Sets wurden alle in Asien und nicht in Deutschland hergestellt. Außer bei Prinzessin Lillifee ist das auch auf den Packungen vermerkt. Das Lillifee-Set stammt aus der Edition „Die Spiegelburg“ vom Coppenrath-Verlag. Doch wo wurde es produziert?
Auf der Internetseite des Verlags findet sich der Hinweis, dass bei der Herstellung von Spielzeug der Aspekt "Sicherheit für Kinder" selbstverständlich eine besondere Bedeutung habe. Man arbeite daher ausschließlich mit Partnern zusammen, die das Vertrauen genießen, nach Vorgaben arbeiten und mit anerkannten Testinstituten kooperieren. Erst auf telefonische Nachfrage beim Verlag erfahren wir, dass auch das Lillifee-Set in Asien produziert wurde.
Die Verpackungen von Steffi Love, Princess Coralie und Prinzessin Lillifee haben Altersempfehlungen und einen Warnhinweis auf verschluckbare Kleinteile deutlich sichtbar auf der Verpackung aufgedruckt. Bei Barbie gibt es keine Altersangabe, dafür jedoch den Hinweis, dass es sich nicht um ein Spielzeug handele, sondern das Set echte Kosmetik enthalte. Unerfahrenen Anwendern wird die elterliche Aufsicht empfohlen. Außerdem wird gewarnt, dass wie bei allen Kosmetika bei einzelnen Anwendern und in seltenen Fällen Hautreizungen auftreten können.

Solche Warnungen sind ein Grund, die Schmink-Sets im Labor prüfen zu lassen. Sie fallen unter die Kosmetik-Richtlinie. Spezielle Vorgaben für Kinderkosmetik gibt es nicht. Im Labor werden die Kosmetika auf Weichmacher, allergene Duftstoffe, Schwermetalle und Formaldehyd getestet, Stoffe, die Kontaktallergien auslösen können.
Natascha Ruh, staatlich geprüfte Lebensmittelchemikerin, erklärt, dass die Kinder in jungen Jahren sensibilisiert würden. Der Erstkontakt mit Kosmetika sei meist unproblematisch und die Kinder würden nichts bemerken. Erst wenn etwa drei Jahre später möglicherweise höhere Dosierungen verwendet werden, könne es zu Allergien kommen: Die Augen tränen oder Ausschlag entsteht. Nur die Symptome solcher Allergien könne man heilen, nicht die Allergien selbst.
Das Ergebnis des Labortests ist erschreckend. Grenzwerte werden zwar nicht überschritten, aber trotzdem sind einige Inhaltsstoffe bedenklich. So findet die Chemikerin beispielsweise im Set von Prinzessin Lillifee Formaldehyd, das im Verdacht steht, Krebs auszulösen. Die Chemikerin erklärt, dass die Mengen nicht so gering, sondern schon nennenswert seien. In Kinderkosmetika sollte darauf verzichtet werden.
Beim Set von Barbie wurden allergene Duftstoffe gefunden, außerdem Blei und Nickel. Alles lag in sehr geringen Mengen vor, aber die Kombination lässt das Set in der Bewertung auf den vorletzten Platz rutschen.
Bei Steffi Love und Princess Coralie, wurden ebenfalls Blei und Nickel gefunden, aber in so geringen Mengen, dass es nach Ansicht der Expertin noch akzeptabel sei.
Die Mädchen finden das Barbie-Set sehr gut, da es gut verschließbar ist und mehr Schminke als die anderen Sets enthält. Das Prinzessin Lillifee-Set fällt bei den Mädchen durch. Sie finden zwar den Lippenstift gut, aber Nagellack und Bürste nicht.
Ihre Mutter staunt über das schwache Abschneiden der teuren Marken, da sie wahrscheinlich eher Kinder und Eltern anlocken.
Sieger ist am Ende das preiswerte Set von Steffi Love: unbedenklich und das preisgünstigste in unserer Stichprobe. Klarer Verlierer: Das Prinzessin Lillifee-Beauty-Set, da es mit Formaldehyd belastet und teuer ist.
Immerhin: Auf Nachfrage verspricht uns der Coppenrath Verlag, das Prinzessin Lillifee Schminkset bei der Neuproduktion zu verbessern.
Der Lizenzgeber des Barbie-Schminksets, Mattel, erklärt, das Barbie Schminkset sei sowieso aus anderen Gründen bereits vom Markt genommen. Man wolle nun sicherstellen, dass keine Restbestände mehr verkauft würden.
Letzte Änderung am: 26.01.2012, 21.00 Uhr