aus der Sendung vom Donnerstag, 1.12.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Auch der schönste Urlaub geht zu Ende. Doch wenn die Rückreise mit einer schweren Verletzung endet, bleiben statt der Erinnerungen nur schmerzhafte Folgen. Streitigkeiten mit dem Reiseveranstalter und der Versicherung kommen möglicherweise noch dazu.

Achim E. muss regelmäßig Übungen für seine Rückenmuskulatur machen. Sport, wie Radfahren oder Laufen, was er immer gern machte, sind nicht mehr möglich. Danach wacht er immer nachts mit starken Rückenschmerzen auf. Zusätzlich muss er jede Woche zum Physiotherapeuten.
Alles begann auf der Heimreise aus dem Urlaub auf der Insel Formentera. Das Hotel für den einwöchigen Aufenthalt fand die Familie im Katalog von Alltours. Am Tag der Rückreise wird Achim E. mit seiner Frau und seiner Tochter am Hotel vom Alltours-Bus abgeholt. Der Bus wäre schon zu spät angekommen und während der Fahrt schien es der Fahrer eilig zu haben, berichtet die Familie. Achim E. findet, dass der Bus viel zu schnell fährt.
Zunächst ist die Familie allein im Bus. Plötzlich kommt direkt nach einer Kurve eine Kuppe. Der Busfahrer bremst nicht ab, meint die Familie. Beim Überfahren der Kuppe schleudert sie aus den Sitzen des Busses. Achim E. und seine Tochter kommen dabei wahrscheinlich unglücklich auf. Sofort nach dem Aufprall hat Achim E. sehr starke Rückenschmerzen, hört seine Tochter noch schreien und verliert das Bewusstsein.
Trotz Hilferufen fährt der Busfahrer einfach weiter, so die Familie. Erst beim nächsten planmäßigen Stopp kann ein Rettungswagen alarmiert werden. In einer Klinik auf Formentera geben die Ärzte Entwarnung: Nur eine Rückenprellung bei Achim E.
Am nächsten Tag fliegen sie nach Hause. Doch in Deutschland folgt der Schock: Achim E. und seine Tochter haben sich beide einen Brustwirbel gebrochen. Bei dem Wirbelbruch handelt es sich sogar um einen so genannten Kompressionsbruch, der wahrscheinlich einen dauerhaften Schaden hinterlässt. Sechs Wochen ist Achim E. krank geschrieben.
Er wendet sich an Alltours und fordert Schmerzensgeld. Der Reiseveranstalter weigert sich jedoch und verweist an seine Versicherung, die Axa. Auch die sieht keinen Grund zu handeln und teilt mit, dass der Fahrer behauptet, nicht zu schnell gefahren zu sein. Zudem habe der Bus Sicherheitsgurte gehabt. Man könne nicht nachvollziehen, wie sich die behaupteten Verletzungen bei einem derartigen Transport ohne Fremdeinwirkung realisiert haben könnten, so die Versicherung.
Achim E. fühlt sich als Betrüger hingestellt, wenn bezweifelt wird, dass die Verletzungen so im Bus passiert sein könnten. Die behaupteten Gurte gab es im Bus gar nicht, so Achim E.
So steht Aussage gegen Aussage. Wichtig ist es in solchen Fällen Beweise zu haben, beispielsweise durch Fotos. Daran hat die Familie in der Aufregung jedoch nicht gedacht. Aber sie haben Zeugen. Das Pärchen, welches direkt nach dem Unfall zugestiegen ist, bestätigt schriftlich, dass an den Sitzen keine Sicherheitsgurte vorhanden waren.
Achim E. schickt diese Zeugenaussage an Alltours, vergeblich. Es erfolgt keine Reaktion. Für das Reiseunternehmen scheint der Fall erledigt.
Auf Nachfrage von MARKTCHECK, warum sich Alltours trotz dieser Zeugenaussage nicht weiter um den Vorfall kümmert, teilt man mit, dass die Information vorläge, dass der Bus mit Gurten ausgestattet ist. Wie es zu den unterschiedlichen Aussagen kommt, könne man nicht erklären.
Für den Rechtsanwalt, der Achim E. vertritt, ist ein solches Verhalten typisch, wenn es um Schadenersatzansprüche geht. Er berichtet, dass sich in den letzten Jahren beobachten lässt, dass Versicherungsunternehmen versuchen, Kosten zu sparen. Das wirke sich auch in der Schadensregulierung aus.
Der Rechtsanwalt bereitet eine Klage gegen Alltours vor. Besonders schlimm für Achim E. ist, dass die Folgen des Wirbelbruchs noch nicht genau absehbar sind. Erst nach einem Jahr kann das eine weitere Untersuchung klären.
Letzte Änderung am: 01.12.2011, 21.00 Uhr