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Optikerketten im Test Sehtest im Laden als Augenarzt-Alternative?

aus der Sendung vom Donnerstag, 12.1. | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen

Optiker-Fachgeschäfte gibt's an jeder Ecke. Kein Wunder: Jeder dritte Deutsche sieht nicht scharf. Und seit die Krankenkassen fast nichts mehr zur Brille beisteuern, sparen sich viele Verbraucher den Weg zum Augenarzt und gehen gleich zum Optiker. Denn dort ist die so genannte Sehschärfenbestimmung - das A und O beim Brillenkauf - beim Kauf in der Regel inklusive. Aber wie zuverlässig ist der Sehtest im Laden? Und was kostet der Service, wenn der Kunde nichts kauft? MARKTCHECK hat drei bundesweite Optiker-Ketten in Mannheim und Karlsruhe unter die Lupe genommen.

Messungen mit Fingerspitzengefühl und Erfahrung nötig

Die elektronische Riesenbrille kennt jeder, der schon mal beim Augenarzt oder Optiker war - der sogenannte Phoropter. Doch nicht nur auf die Elektronik, sondern auch auf das Können des Optikers kommt es bei den Messungen an. Das weiß auch Optikerin Michaela Brozek. Sie hat Fingerspitzengefühl und die nötige Erfahrung. Ist das in Optiker-Fachgeschäften immer garantiert? Das wollen wir mit ihr überprüfen.

Optikerketten unter der Lupe

Wir recherchieren im Internet nach Optikerketten, die bundesweit Filialen haben. Drei Ketten wollen wir jeweils in Mannheim und Karlsruhe checken: Die Branchenriesen Apollo und Fielmann, sowie die kleinere Optikerkette Krass.
Dafür muss Michaela zunächst zum Augenarzt. Dr. Stephan Kaut ermittelt die Referenzwerte für unseren Test. Liegen die Optiker daneben, ist die Brille unbrauchbar.

Werbeangebote statt genauer Messungen?

Unsere erste Station: eine Apollo-Filiale in Karlsruhe. Wir treten als normale Kunden auf und drehen mit versteckter Kamera.
Der Optiker setzt Michaela zunächst an den sogenannten Autorefraktor. Dieses Gerät misst die Sehschärfe vollautomatisch, aber nur grob. Das dient eigentlich nur zur Orientierung. Auf die exakte Messung aber verzichtet der Optiker hier und macht uns lieber seine Gestelle schmackhaft: Bei jedem Gestell, das über 100,- Euro liegt, gebe es 50,- Euro Rabatt, wirbt er. Wir reagieren überrascht, wollen wissen, ob der Vortest für die korrekte Brillenstärke reicht? Man räumt ein, dass man bei eiligen Kunden schon mal mit 90 Prozent zufrieden sei. Erstaunlich, zumal Gefahr besteht, dass ohne subjektiven Test die Brillenstärke nicht stimmt.

Brillengeschäft

Vortest allein reicht nicht zur Brillenwahl

Ist das in Apollo Filialen etwa üblich? Wir fragen bei der Zentrale nach und die argumentiert: "Grundsätzlich möchten wir betonen, dass gemäß den auf unseren Unternehmensstandards basierenden hohen Qualitätsansprüchen (...) es nicht ausreichend ist, allein mittels Autorefraktion eine Brillenglasbestimmung vorzunehmen."
In der Filiale aber bekommen wir den genauen Test erst auf Nachdruck und auch nicht fehlerfrei: Der ausgewählte Lesezusatz war zu stark. Knapp 18,- Euro müssen wir für diesen Service hinblättern: Das sei bei Apollo so üblich, wenn man nichts kauft, heißt es.
Komisch, dass wir bei Apollo in Mannheim den Augentest kostenlos kriegen. Auch hier ist das Ergebnis nicht befriedigend, die Gläser wären für Michaela am Ende erneut zu stark, wodurch sich die Eingewöhnungsphase und Verträglichkeit für den Brillenträger erschwert.

Im Zweifel zum Augenarzt

Sind wir bei der Optiker-Kette Krass besser dran? Den Sehtest kann man hier wie bei den übrigen Anbietern auch online machen. Eine Spielerei, die den Test im Laden aber nicht ersetzen kann. Zunächst nach Karlsruhe. Die Optikerin nimmt sich zwar viel Zeit, misst aber mehrmals falsch, weil sie mit Michaelas Augen Probleme hat und schließlich kapituliert sie sogar: Sie verweist an den Augenarzt.
Immerhin dreht uns die Angestellte auf Basis dieser Fehlmessung keine Brille an. Als Optikerin weiß Michaela, was die Fehlmessung für sie bedeutet hätte. Eine falsche Brille würde Schwindelgefühle hervorrufen und die Brille wird dann nicht getragen.
In Mannheim kommt der Krass-Optiker mit der Messtechnik zwar besser klar. Aber auch hier wären die Gläser wieder zu stark. Ärgerlich: Weil wir keine Brille kaufen, rückt der Verkäufer die Augenwerte nicht heraus.

Sehtest immer häufiger beim Optiker

Dritter Kandidat: der Branchenprimus Fielmann. In der Karlsruher Filiale ist viel los, wir müssen eine halbe Stunde warten, bis wir dran sind. Bald erfahren wir auch warum:
Die Augenärzte schickten ihre Patienten inzwischen für den Sehtest zum Optiker, die machen das kaum noch selbst - oder die Kunden bezahlen 20,- Euro für die Messung, während sie bei Fielmann kostenlos ist, so der Fielmann-Verkäufer.

Vorbildlich: Mehrfache Messkontrollen und intensives Nachfragen

Der Test ist nicht nur gratis, sondern auch kompetent: In keiner anderen Filiale nimmt man sich so viel Zeit. Die Optikerin vor Ort stellt die richtigen Fragen und sichert sich mit der Messbrille mehrfach ab.
Auch Fielmann in Mannheim überzeugt. Dort ist eine Mitarbeiterin sogar ausschließlich für Sehtests zuständig. Sie ist auch die einzige, die nach Michaelas körperlichem Zustand fragt nach Medikamenten und Erkrankungen wie Blutdruck, Diabetes oder Schilddrüse. Die können die Sehstärke nämlich ein wenig schwanken lassen.
Das Ergebnis überzeugt uns auch hier und Michaela findet es gut, dass man ihr im Anschluss keine Gestelle aufdrängen will.

Fazit unserer Stichproben

Fielmann überzeugt als einzige Kette. Die Optiker waren kompetent, der Sehtest zuverlässig. Apollo schneidet schlechter ab. Die Messungen waren teilweise ungenau und der Service kostete in einer Filiale auch noch Geld.
Schlusslicht: Krass. Fehlmessungen und dann enthält man uns einmal auch noch die Ergebnisse der Augenwerte vor.
Wir präsentieren die Resultate Augenarzt Stefan Kaut. Er kritisiert, dass Brillengläser bei Optikern häufig zu stark ausfallen. Aus seiner Sicht ein echter Mangel.
Für Brillenkäufer heißt das: Beim Sehtest sollte man Optikern nicht blind vertrauen und im Zweifel eine zweite Meinung einholen, bevor man mit der neuen Brille den Durchblick verliert.

Die optimale Brille: Sind teure besser als billige?

Den Durchblick verlieren kann man auch bei dem Riesenangebot an Brillen. Günstige Angebote mit Null Zuzahlung verlocken, aber gleichzeitig verunsichern sie auch: Sind sie qualitativ wirklich in Ordnung und was ist mit Brillen aus dem Supermarkt? Kann eine Brille für 6,- Euro mit dem ursprünglichen traditionellen Optikerhandwerk mithalten?
Sehhilfen waren früher Kunstwerke des Brillenmacherstandes: voller Raffinessen, nicht selten Symbole für Schönheit, für große Geldbeutel, für den besonderen Geschmack.
Heute sind Brillen funktionale Massenware, bei der es um günstige Preise geht. Im riesigen Angebot das Richtige finden, ist kein Kinderspiel.

Fassung muss zum Gesicht und zum Glas passen

Als Faustregel gilt: Runde Gesichter sind mit kantigen Fassungen besser dran, kantigen Gesichtern steht Rundes besser. Aussehen alleine macht aber noch keine gute Brille. Sie muss auch passen.
Auch beim Glas gilt: Nicht jedes passt in jede Fassung. Deshalb sollte man zunächst prüfen, welche Gläser man braucht. Solche aus Kunststoff sind bruchfest und leichter als Mineralglas, aber auch nicht immer kratzfest. Wichtig: Eine Entspiegelung kostet extra, ist aber unverzichtbar. Nur sie sorgt für ausreichende Kontrastschärfe, ohne sie wird es vor allem nachts beim Autofahren gefährlich.

Vorsicht beim Brillenkauf im Internet

Aber muss es das Modell aus dem Fachhandel sein? Brillen gibt es auch und häufig günstiger im Internet. Experten warnen: Das Online-Shopping ist kompliziert und ohne Beratung ist die Wunsch-Brille im Zweifel unbrauchbar, etwa wenn es um die Gläser geht. Der Zentralverband der Augenoptiker schätzt, dass einige der im Internet gekauften Brillen wieder zurückgeschickt werden, weil sie nicht passen.

Billige Lesehilfen nur für kurze Zeit verwenden

Langt nicht auch die Fertigbrille von der Stange? Modelle für unter 10,- Euro liegen voll im Trend. Aber: Die Lesehilfen sind keine Alternative, wenn man was Dauerhaftes sucht. Echten Durchblick bringen sie selten. Der Augenoptiker-Verband mahnt zur Vorsicht. Die Augen könnten einseitig belastet werden und man könnte Kopfschmerzen bekommen. Einfache Lesehilfen seien nur Behelf für kurze Zeit.
Also lieber das Schnäppchen aus dem Fachhandel? Fassungen gratis, Brillen zum Nulltarif, das klingt nach geldwerten Vorteilen. Allerdings gibt es bei solchen Offerten meist nur einfachste Standardware. Veredelungen kosten extra. Das macht Billigheimer zur Augenwischerei.

Eine kaputte Brille

Richtige Brillenpflege

Damit die Brille lange hält, sollte man sie reinigen. Papiertaschentücher sind Gift, weil sie Schmutzpartikel ins Glas reiben. Besser: ein Wasserbad, zum Beispiel mit einem Schuss Geschirrspüler. Fürs Trockenreiben sind weiche Microfaser-Tücher optimal, aber auch Seidenkrawatten oder Toilettenpapier kann man benutzen.

Übrigens: Bei richtig teuren Brillen könnte man an eine Versicherung für rund 6,- Euro pro Monat denken. Denn die Fassung kann bekanntlich ja jeder mal verlieren. Aber schauen Sie genau auf die Versicherungsbedingungen. Vollen Ersatz für ein Gestell gibt es beispielsweise nur selten.



Optikerketten im Test

MARKTCHECK,  12.1.2012 | 11:18 min

Letzte Änderung am: 18.01.2012, 17.08 Uhr

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MARKTCHECK-Reporter Axel Sonneborn
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