Bitte warten...

SENDETERMIN Di, 20.10.2015 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Online-Shopping Preistricks zu Lasten der Kunden

MARKTCHECK deckt auf

An der Tankstelle kennt man das Spiel ja seit langem: Preisschwankungen. Morgens teurer als abends, unter der Woche günstiger als am Wochenende. Solche Preissprünge gibt es auch zunehmend im Internet. Bei Amazon zum Beispiel kostete eine hochwertige Fotokamera mal 1700 Euro, kurze Zeit später nur noch 700! Kein Einzelfall. MARKTCHECK hat bei verschiedenen Onlineshops etliche Beispiele gefunden und zudem festgestellt, dass nicht nur das Wann eine Rolle spielt, sondern auch, ob der Kunde mit einem PC oder iPad im Internet einkauft. MARKTCHECK deckt auf.

Um das Video abspielen zu können, benötigen Sie Javascript. Bitte aktivieren Sie dies in Ihrem Browser.

Das sogenannte Dynamic Pricing, also eine dynamische Preisgestaltung, ist im Internet allgegenwärtig. Kaum ein Kunde kennt diese Art der Preisgestaltung, aber fast alle größeren Online-Händler nutzen sie. Dynamic Pricing liegt ein Algorithmus zugrunde, bei dem Kundencharakteristika, Wettbewerbsverhalten und sonstige Faktoren wie beispielsweise das Wetter angeschaut werden. Es wird untersucht, wie diese Charakteristika auf die Zahlungsbereitschaft und den damit erzielbaren Preis wirken.

Beispiele:

  • Wenn ein Kunde öfter auf den Websites eines Unternehmens war, wird ein höheres Interesse vorausgesetzt und dadurch kann ein höherer Preis verlangt werden.
  • Steigt die Nachfrage für ein Produkt, geht der Preis hoch, bei sinkender Nachfrage geht der Preis nach unten.

Besonders aktiv in Sachen dynamische Preisgestaltung ist Amazon. Der Onlineriese hat schon vor Jahren begonnen, Kundendaten für seine Preisbildung zu nutzen.


1. Kriterium für eine Dynamik: Tages – und Wochenzeit

Beispiel iPhone 6 bei Amazon: Wir überprüfen bei Amazon den Preis für das iPhone 6. Zunächst kostet es 729 Euro, eine Stunde später nur noch 626 Euro.

Eine Studie belegt: Das war kein Zufallstreffer! Mitarbeiter der Preismonitoring-Firma Minderest haben über einen Zeitraum von drei Tagen die Preise bei Amazon analysiert. Das Ergebnis: Bei der Spiegelreflexkamera D610 von Nikon hat sich der Preis innerhalb von 36 Stunden mehrfach deutlich verändert: höchster Preis knapp 1.690 Euro, niedrigster Preis 700 Euro.

Beispiel Digitalkamera Canon SX700 HS bei Amazon: Nicht nur die Preisunterscheide sind unglaublich, bei der Canon SX700 HS war vor allem die Anzahl der Preiswechsel rekordverdächtig: innerhalb von drei Tagen wechselte der Preis 275 Mal.

Beispiel Waschmaschine von Bauknecht bei Neckermann: Bei Neckermann veränderte sich der Preis für die Waschmaschine WA Plus 744 von Bauknecht in einer Stunde um zwanzig Euro von 379 Euro auf 399 Euro.

  • Hinweis: Vor allem zwischen acht und zwölf Uhr am Vormittag und abends ab zwanzig Uhr schwankten die Preise besonders häufig.

2. Kriterium für eine Dynamik: Gerätewahl

Beim Kampf um die Kunden setzen Onlinehändler aber noch mehr ein. Nicht nur Tageszeit und Wochentag spielen bei den Preisen eine Rolle, es kommt auch darauf an, ob per PC, Apple-Gerät oder anderen Smartphones Produkte aufgerufen werden.

Beispiel Waschmaschine von Bauknecht: Bei der Waschmaschine WA Plus 744 von Bauknecht wird - vom PC aus aufgerufen - bei Amazon ein Preis von 429 Euro angezeigt, zur gleichen Zeit kostet sie vom iPad aus aufgerufen zehn Euro mehr.

Amazon teilt hierzu mit:
"Es trifft nicht zu, dass das verwendete Endgerät Einfluss auf den Produktpreis hat."

3. Kriterium für eine Dynamik: Der Weg in den Online-Shop

Und noch einen Fallstrick haben wir entdeckt: Es kommt also auch darauf an, über welchen Weg der Kunde in den Onlineshop gelangt.

Beispiel Kontaktlinsen beim Onlineoptiker lensbest: Auf der Suche nach Kontaktlinsen über google landen wir unter anderem beim Onlineoptiker lensbest. Der Preis für die von uns ausgesuchten Linsen beträgt 29,99 Euro. Gleichzeitig wirbt lensbest bei google. Wer auf die Anzeige klickt, landet ebenfalls in dem Onlineshop. Über diesen Weg kosten die gleichen Kontaktlinsen aber nur einundzwanzig Euro, also neun Euro weniger.

Diese Preisspielchen sind für die Kunden ärgerlich, juristisch aber zulässig: Die Preisangabenverordnung (PAngV) schreibt nicht vor, dass die Preise für jedermann gleich, oder die Preise längere Zeit stabil sein müssen.

Fazit: Die Zeit der festen Preise im Internet ist vorbei. Wer nicht zu viel zahlen möchte, muss sich in Zukunft anstrengen und vor allem mehr Zeit fürs Vergleichen aufbringen.

Tipps für den Online-Einkauf

  • Vergleichen Sie die Preise: Es lohnt sich dabei, unterschiedliche Portale mit unterschiedlichen Geräten zu unterschiedlichen Tageszeiten aufzurufen.
  • Bei dem Weg über ein Smartphone oder Tablet ist es hilfreich, zwischendurch auf die Desktop-Version umzuschalten. Dafür müssen Sie den sogenannten User Agent des verwendeten Internet-Browsers auf Desktop umstellen. Wir das funktioniert, ist von Browser zu Browser und auch je nach Gerät unterschiedlich. Anleitungen dazu finden Sie im Netz und inzwischen gibt es auch Apps dazu.
  • Entfernen Sie regelmäßig Ihre Cookies.
  • Alternativ helfen auch sogenannte Cookie-Blocker oder Software wie "Do Not Track", damit die Händler nicht an die für sie wünschenswerten Informationen kommen.

Aktuell im SWR