MARKTCHECK klärt auf
aus der Sendung vom Donnerstag, 10.11.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Sparen bei der Kfz-Versicherung - das möchte jeder. Aber ganz so einfach ist das nicht. Denn Vergleichsportale im Internet spucken nicht zwingend das günstigste Angebot aus, weil sie gar nicht alle Versicherungen berücksichtigen. Das kritisieren Verbraucherschützer und fordern mehr Transparenz. Was dahinter steckt, und wie man sich im Prämien-Wirrwarr zurechtfindet: MARKTCHECK klärt auf.

Versicherungsvergleichsportale heißen Check 24, Transparo, Finanzscout oder Toptarif: Alle versprechen eine günstige Kfz-Versicherung in nur wenigen Minuten zu finden. Und immer mehr Verbraucher nutzen diese Portale auf der Suche nach einer neuen Kfz-Versicherung. Platzhirsch unter den Anbietern ist das Portal "Check 24". Nach eigenen Angaben mit einem Marktanteil von über 50 Prozent bei den Kfz-Versicherungsvergleichen. Das Portal verspricht, den günstigsten Anbieter unter 200 Tarifen zu finden. Was der Verbraucher aber nicht erfährt: Es gibt viel mehr Tarife am Markt.
Hintergrund: Von insgesamt fast 100 Versicherungsunternehmen berücksichtigt das Portal nur etwas über die Hälfte für den Preisvergleich. Denn gelistet werden in der Regel nur die Angebote, für die das Portal Provisionen kassieren kann. Auf dieser Basis arbeiten fast alle Anbieter. Und das funktioniert so:
Ein Verbraucher lässt einen Tarifvergleich durchführen. Schließt er nach dem Check über das Portal eine Versicherung ab, muss das Unternehmen für die Vertragsvermittlung an das Vergleichsportal eine Provision zahlen. Sie beträgt zwischen 60,- und 100,- Euro. Für die Portale ist das ein Riesengeschäft. Allein Check 24 hat im vergangenen Jahr 450.000 Kfz-Versicherungen vermittelt.
Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnt: Versicherungen, die besonders viel Provisionen zahlen, könnten bevorzugt werden. Das könne man nicht ausschließen. Die Vergleichsportale werden von Versicherungsvermittlern und nicht vom Verbraucherschutz betrieben. Sie seien deshalb sicherlich nicht unabhängig.
Neu im Internet: Transparo. Seit September 2011 buhlt das Portal um die Verbraucher. Auch bei Transparo gehen längst nicht alle Anbieter in die Berechnungen mit ein. Nur etwa 180 der über 300 Tarife werden von dem Portal erfasst. Hinter Transparo steht das Unternehmen Aspect-Online mit Sitz in Augsburg. Im Juni 2011 haben drei Versicherer das Vergleichsportal aufgekauft: Branchenprimus HUK-Coburg, HDI Direkt und die WGV. Mit über 75 Prozent halten sie die Mehrheit an Aspect-Online. Dass die Unabhängigkeit dabei auf der Strecke bleiben kann, weist man bei Aspekt-Online weit von sich. Die Neutralität von transparo sei gewährleistet, weil es eine Vereinbarung mit den beteiligten Versicherern gebe, dass sie sich nicht in das operative Geschäft aktiv einmischen.
Trotz aller Beteuerungen sind Verbraucherschützer wie Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz skeptisch. Eine Homepage, die von mehreren Versicherern betrieben wird, lege nahe, dass der Bock zum Gärtner gemacht wird. Die Versicherer haben ein natürliches Interesse ihre eigenen Versicherungen zu verkaufen und nicht die der Konkurrenz.
Auch Deutschlands großer Kfz-Versicherer - die Allianz - zweifelt und stellt ihre Tarife Transparo nicht zur Verfügung. Die Unabhängigkeit des Portals könne man derzeit nicht abschätzen, heißt es.
Für Verbraucher gilt jedenfalls, dass man sich auf ein Portal allein nicht verlassen kann.
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Letzte Änderung am: 14.10.2011, 23.25 Uhr