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Alles nur Einbildung? Frühjahrsmüdigkeit

Die Natur erwacht zu neuem Leben, während viele Menschen im Frühling einfach nur müde werden. Wie kann das sein? Gibt es das Phänomen Frühjahrsmüdigkeit überhaupt wirklich?

Eine Frau liegt im Gras neben blühenden Krokussen und gähnt.

Mit dem Temperaturwechsel kommt die Müdigkeit.

Krokusse sprießen, Vögel zwitschern, die Sonne scheint endlich wieder wärmer. Und wir? Wir sind frühjahrsmüde. Aber was ist wirklich dran an der Frühjahrsmüdigkeit?

Fragen an Werner Eckert, SWR Umwelt und Ernährung

Gibt es das überhaupt - Frühjahrsmüdigkeit?

Immerhin die Hälfte der Menschen in Deutschland klagt über die Müdigkeit zum Frühlingsanfang. Das heißt, komplett eingebildet ist das Phänomen sicherlich nicht. Aber: Weil es auch keine richtige Krankheit ist, gibt es kaum Studien zu dem Thema. Glücklicherweise aber jede Menge mögliche Erklärungen. Die Frühjahrsmüdigkeit ist wohl etwas ähnliches wie der Wurmvorsatz des Winterschlafs.

Im langen, dunklen Winter produziert der Körper viel von dem Schlafhormon Melatonin. Das war über Jahrzehntausende auch gut so. Abwarten und Schnee-Trinken - das einzige, was die Höhlenmenschen tun konnten. Schlafen - eine Energiesparmaßnahme. Umgekehrt ist der Wachmacher Serotonin im Winter im wahrsten Sinne unterbelichtet. Denn der wird durch direktes Licht in die Augen gesteuert. Genau davon gibt es im Frühjahr wieder mehr. Und deshalb beginnt sich die Hormonlage anzupassen. Alles im Körper muss sich erst wieder auf Sommer einstellen. Aber das dauert!

Gibt es neben der Hormonumstellung noch andere Gründe?

Ein Paar beim Frühlingsspaziergang.

Ein Frühlingsspaziergang kann helfen.

Auch jenseits der Hormone stellt sich manches um: Wenn es wärmer wird, weiten sich die Adern, der Blutdruck sinkt. Das macht ebenfalls schlapp. Die Mediziner sehen da ein ganzes Bündel an möglichen Ursachen: Die Eisenspeicher im Körper leeren sich über den Winter - bei jungen Frauen am stärksten. Eisen ist aber wichtig, damit die Muskeln und das Gehirn genügend Sauerstoff für ihre Arbeit kriegen.

Und dann ist es oft noch so, dass wir gegen Ende des Winters noch mal eine dicke Erkältung oder sogar eine Grippe bekommen. Auch deren Nachwirkungen verstärken die Frühjahrsmüdigkeit.

Der Rat der Mediziner: Reißt Euch am Riemen! Statt jammernd in den Seilen zu hängen, raus an die frische Luft, Bewegung und den Blick der Sonne entgegen!


Online: Inga Vennemann

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