Sendung vom Sonntag, 29.1. | 17.15 Uhr | SWR Fernsehen
Auf den Hochalmen Südtirols leben und wirtschaften viele Menschen noch so wie seit Jahrhunderten. Die Autorin Lisa Eder hat sich in der archaischen Welt des Schnalstals umgesehen.

Hermann Müller, Bergbauer
Dort vollzieht sich seit Generationen immer Mitte Juni dasselbe Ritual: der Schafauftrieb vom Schnalstal über den Alpenhauptkamm nach Österreich. Fortunat Gurschler ist als Schäfer für rund 2.000 Tiere verantwortlich, die ihm mehrere Züchter anvertraut haben. Der Weg zu den Sommerweiden führt über den 3.000 Meter hohen Hochjoch-Gletscher, dort verläuft seit 1919 die Grenze zwischen Nord- und Südtirol, zwischen Österreich und Italien.
Der Treck ist unter normalen Umständen unbedenklich. Erst schlechtes Wetter macht ihn zur Gefahr. So erfroren 1979 zweihundert Schafe nach einem Temperatursturz. Den ganzen Sommer bleiben die Schafe im Ötztal, bevor es im September wieder nach Hause geht.
Hermann Müller ist 68 Jahre alt. Seit er denken kann lebt er auf dem Saxalb-Hof. Woanders hinzugehen, ist ihm nie in den Sinn gekommen - obwohl der Hof wegen der extremen Berglage schwer zu bewirtschaften ist. Selbst für Spezialmaschinen sind die Hänge zu steil.
Zwei Stunden zu Fuß ist es von hier ins nächste Dorf. Eine Zufahrtsstraße gibt es nicht. Das würde Hermann Müller auch nichts nützen, denn er hat keinen Führerschein. Der Hof der Familie existiert schon seit 1358.
Als Hermann Müller noch ein Kind war, lebten noch sehr viele Menschen auf der Alm. Er war eines von zehn Kindern und neben den Eltern und den Großeltern ernährte das Land auch noch drei Knechte und eine Magd. Heute ist Hermann Müller allein und die Zeit der Hochalmhöfe neigt sich dem Ende zu. Lisa Eder beschreibt mit eindringlichen Bildern eine Welt, die es schon in wenigen Jahren nicht mehr geben wird.
Ein Film von Lisa Eder
Letzte Änderung am: 27.01.2012, 11.52 Uhr