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Europa, Asien Mit Rentiernomaden über den Ural

Sendung vom Sonntag, 2.12.2012 | 17.15 Uhr | SWR Fernsehen

Die baumlose Tundra am Polarkreis ist weit und einsam. Einige Männer treiben eine riesige Rentierherde zusammen. Mit dem Lasso fangen sie hunderte Tiere ein. Zur selben Zeit bahnt sich ein Kettenmobil seinen Weg durch die Sümpfe Sibiriens.

2 Kinder liegen auf Astbündel

Nomadenkinder

Es fährt in den Ural. Über den Bergen hängt seit Tagen schlechtes Wetter. Hubschrauber können nicht fliegen und so ist der Fahrer im Auftrag der Schulverwaltung drei Tage und Nächte unterwegs, um die Kinder von Nomaden- Familien abzuholen.


Die beiden Familien, zu denen das Kettenmobil unterwegs ist, gehören zum Volk der Komi. Mit ihren 5.000 Tieren haben sie den Sommer in den weiten Tälern des Urals verbracht. Sie leben am Polarkreis, im Ural, an der Grenze zwischen Europa und Asien. Die Region ist etwa so groß wie Deutschland und Frankreich zusammen. Nur fünfhunderttausend Menschen leben hier und ebenso viele Rentiere. In wenigen Tagen werden Alexej, Wassili und ihre Familien sich auf den Weg machen.

Sie ziehen- wie jedes Jahr- mit der Herde über die Berge des Ural, von Europa nach Asien. 400 Transporttiere ziehen ihre 50 Schlitten. Auf ihnen ist alles, was sie besitzen. Die Männer und ihre Familien folgen den Wegen ihrer Väter, Großväter und Ur-Großväter. Sie alle waren Rentierzüchter, Sie alle sind gezogen, jahrein, jahraus. Ein Leben lang. Sie kennen nur dieses Leben. Es ist ein archaisches Leben unter dem weiten, freien Himmel, abhängig allein vom Wohlergehen der Tiere und dem ewigen Kreislauf der Natur.

Bevor der strenge sibirische Winter hereinbricht, müssen die Nomaden den Ural überquert haben. Doch in diesem Jahr kommt der Schnee früher als erwartet und so stehen Menschen und Tiere am Beginn einer langen, beschwerlichen Reise. Die große Herde ist immer auf der Suche nach Futter und zieht voran. Die Familien mit ihren Schlitten folgen ihr. Abends wird gerastet. Die Tschums, die Zelte der Komi- Nomaden, werden aufgebaut. Es wird Feuer gemacht und gekocht. Am nächsten Morgen müssen die Tschums wieder abgebaut werden und die Karawane macht sich wieder auf den Weg.

Über zwei Monate sind sie unterwegs, um 200 Kilometer zurückzulegen. Anfang Dezember erreichen sie einen winzigen Ort hinter dem Ural, wo ein Teil ihrer Tiere geschlachtet wird. Nachdem diese Arbeit getan ist, ziehen sie in wochenlanger Reise noch einmal 200 Kilometer weiter. Dann erst erreichen sie ihre Winterquartiere in den Wäldern der Taiga. Hier finden die Tiere genug Futter, hier gibt es Holz für den Bau neuer Schlitten, hier werden die Rentier- Nomaden einige Wochen bleiben und sich ausruhen. Im April, noch bevor der Schnee schmilzt, werden die Familien sich wieder auf den Weg machen. Sie werden die Berge des Ural überqueren und- wie in jedem Jahr- ihre Zelte wieder auf den Sommerweiden in Europa aufstellen.

Ein Film von Andreas Voigt

Letzte Änderung am: 17.12.2008, 18.16 Uhr