SENDETERMIN So, 20.5.2012 | 17.15 Uhr

Länder - Menschen - Abenteuer

Malediven - Perlen im Indischen Ozean

Ein Film von Markus Henssler

Die Malediven - Symbol für die Sehnsucht vieler Menschen nach exotischer Südseeromantik. Einer türkis-schimmernden Perlenkette gleich erstrecken sich 1196 Inseln mitten im Indischen Ozean über eine Meeresfläche von der Größe Portugals. Knapp eine Million Touristen zieht es jährlich in diese paradiesische Traumkulisse.

Block auf Meer von Hotelstrand aus

Streng getrennt ist die Luxuswelt der Reichen von den Inseln der Einheimischen.

Doch während sich die meist wohlhabenden Gäste aus aller Welt in rund hundert Luxusressorts verwöhnen lassen, lebt die einheimische Bevölkerung getrennt von den Touristen auf eigenen Inseln unter einfachsten Bedingungen. Die Malediven sind inzwischen voller Widersprüche aus Tradition und Moderne, Alkoholverbot und Cocktailgelagen, Naturschutz und Umweltbelastung. Der Inselstaat steht vor seinen größten Herausforderungen.


Die 22-jährige Sama lebt sehr gerne in beiden Welten. Sie arbeitet in einem der weltweit teuersten Fünf-Sterne-Hotels als Kindergärtnerin. Samas Heimatinsel Kamadhoo ist nur einen Kilometer entfernt. Jeden Nachmittag fährt sie mit dem Wassertaxi des Hotels nach Hause zu ihren Eltern. Ihr Vater ist schwer krank und benötigt dringend eine Nierentransplantation. Ihren gesamten monatlichen Lohn von 250 Dollar spart Sama für die teure Operation.


Für die Touristen in den sündhaft teuren Luxusressorts wie dem "Conrad Rangali" im Ari-Atoll wird sich nach Meinung des deutschen Hotelmanagers Carsten Schieck trotz aller Widersprüche nichts ändern. Alkohol- und Wellnessverbote - von streng islamischen Politikern immer wieder gefordert - lassen sich nicht durchsetzen. Zu groß ist der Profit, die Malediven leben zu 95 Prozent von den Einkünften aus dem Tourismus.

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Malediven - Perlen im Indischen Ozean

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Taucher und Schnorchler kommen auf den Malediven auf ihre Kosten. Dank der Korallenriffe sind die Malediven ein Tauchparadies.

Taucher und Schnorchler kommen auf den Malediven auf ihre Kosten. Dank der Korallenriffe sind die Malediven ein Tauchparadies.

Die alte traditionelle Fangmethode ohne Netz ist besonders nachhaltig, die Thunfischbestände sind nicht überfischt. In Deutschland wird Thunfisch von den Malediven deshalb fast ausschließlich als Ökoware in Delikatessläden verkauft.

Das Wetterphänomen „El Nino“ zerstörte durch einen extremen Temperaturanstieg des Meerwassers auf den Malediven über 90% aller Korallen in weniger als 5 Metern Tiefe. Gesunde Korallenbänke sind für die Malediven überlebensnotwendig.

130.000 Menschen drängen sich in der Hauptstadt Male auf gerade mal zwei Quadratkilometern.

Weit weg von den teuren Bungalows in Samas Ressort wird täglich der Touristenmüll entsorgt. Vierzig Tonnen Abfälle landen jeden Tag auf der Müllinsel Thilafushi – einer ehemaligen goldgelben Sandbank mitten im türkisblauen Meer.

Alle Walhaie auf den Malediven sind männliche Jungtiere. Im Durchschnitt sind die Tiere hier 6 bis 6,5 Meter lang. Wo die weiblichen und die ausgewachsenen Tiere sind, ist ein großes Rätsel.

Die jüngere Generation steht vor einer ungewissen Zukunft. Lehrerin Leesha macht sich vor allem Sorgen um die innenpolitische Entwicklung in ihrem Land.

Das exklusive 5-Sterne-Ressort auf der Insel Landaa Giravaaru zählt zu den teuersten Hotels der Malediven. Ein einzelner dieser Wasserbungalows kostet bis zu 5.000 US-Dollar die Nacht.

Jährlich kommt eine Million Touristen auf die Malediven. Beliebt sind u.a. Hochzeiten am Strand oder Unterwasser.

Noch sind Touristen- und Einheimischen-Inseln streng getrennt. Das Leben auf der Insel Kamadhoo unterliegt den Gesetzen des Islam, der auf den Malediven Staatsreligion ist.

Die Malediven sind ein sehr niedriges Land, der höchste Punkt ist vielleicht ein Meter über dem Meeresspiegel.

Jeden Tag bis in die Nacht hinein pulsiert in der Hauptstadt das Leben. Touristen verirren sich nur selten hierher.

Die Hauptstadt Malé ist die am dichtesten besiedelte Stadt der Welt. Ein Schmelztiegel mitten im Meer. 130.000 Menschen drängen sich hier auf zwei Quadratkilometern.

Volksnah präsentierte sich Präsident Nasheed stets bei seinen wöchentlichen Ausflügen auf die verstreuten Inseln des Landes. Im Februar 2012 musste er seinen Rücktritt erklären

Nur in den Luxusresorts der Touristen darf Alkohol ausgeschenkt werden. Auf allen anderen Inseln herrscht strenges Alkoholverbot.

Seit vier Jahren arbeitet die junge Sama als Kindergärtnerin in einem der teuersten Luxusresorts der Malediven. Mit ihrem Verdienst will sie eine Spenderniere für ihren kranken Vater kaufen.

Im Ari-Atoll finden sich zahlreiche der teuersten Luxusressorts, wie das Conrad-Rangali. Wasserbungalows kosten hier bis zu 12.000 US-Dollar die Nacht.

Alle 6 Monate fährt die Meeresbiologin Shafiya Naeem aufs Meer hinaus, um den Zustand und die Qualität ausgewählter Korallenbänke zu kontrollieren.

Der Schutz der Korallenriffe ist für die Malediven überlebensnotwendig. Nur gesunde Korallen können bei einem Anstieg des Meeresspiegels mitwachsen und den Inseln weiterhin den nötigen Schutz vor dem offenen Meer bieten. Über 1000 künstliche Korallengerüste wurden bereits im Meer verpflanzt.

Die Malediven – türkis-blaue Perlen mitten im Indischen Ozean. Symbol für die Sehnsucht vieler Menschen nach exotischer Südseeromantik.

Auf vielen der Inseln denkt die Regierung nicht an die Umwelt, wenn sie mit dem Bau für neue Ressorts oder einen Hafen beginnt.
Später stellen sie plötzlich fest, dass die Inseln weggespült werden.

Die Demokratie auf den Malediven ist noch fragil. Anfang des Jahres gab der erste gewählte Präsident seinen Rücktritt bekannt. Noch ist unklar, wie sich die politische Zukunft gestaltet.

Knapp einen Meter liegen die 1196 Inseln im Durchschnitt über dem Meeresspiegel. Steigt das Wasser in Folge der globalen Klimaerwärmung weiter an, könnten die Malediven als eines der ersten Länder der Welt im Meer versinken. Noch sieht Meeresbiologin Shafiya Naeem dieser Bedrohung gelassen entgegen, denn ein Großteil der Korallenbänke an den Riffen ist gesund und wächst mit dem ansteigenden Meeresspiegel.

"Die Riffe sind die natürlichen Schutzbarrieren unseres Landes. Ohne sie sind wir den Wellen des offenen Meeres hilflos ausgeliefert." Deswegen arbeitet sie zusammen mit anderen Forschern im Baa-Atoll an der Züchtung besonders widerstandsfähiger Korallen.

Stand: 04.05.2012, 23.13 Uhr