Sendung vom Sonntag, 26.9.2010 | 17.15 Uhr | SWR Fernsehen
Paschmina, die kostbare Wolle aus Ziegenhaar ist das wertvollste Gut der Changpa Nomaden. Sie leben in 4000 Metern Höhe im Kaschmirgebirge. Doch reich werden sie mit ihrer Ware nicht. Nur noch wenige stellen sich dem harten Leben, die Jungen träumen vom Leben in der Stadt.
Das Nomadenvolk der Changpa lebt abgeschieden auf kargen, über 4000 Meter hohen Hochebenen im Südosten von Ladakh, der von Indien annektierten Gebirgsregion in Kaschmir. Eine Landschaft, in der die Luft dünn und der Wind eisig ist, wo das Vieh weit ziehen muss, um einem geizigen Boden zum Fressen etwas abzugewinnen.
Die unwirtliche Gegend birgt einen besonderen Schatz: Nur in großen Höhen und extrem kalten Wintern wächst den ´Chang ra´ Ziegen eine Art Unterkleid unter dem Fell. Im Frühsommer wird diese allerfeinste Wolle herausgekämmt, gesäubert und als das kostbare Paschmina in der Hauptstadt verkauft.
Auch wenn die Changpa das Endprodukt - die teuren Kaschmirpullover und Schals westlicher Luxus-Labels - nie selbst zu Gesicht bekommen, ist für sie Paschmina das ´Gold des Changthang´.
Einst waren sie als Räuber gefürchtet, sie verfügten über Reichtum, riesige Herden und kostbaren Schmuck. Heute nimmt die Zahl der Changpa-Zelte in den Hochtälern von Jahr zu Jahr ab. Immer mehr Junge wandern ab in die Stadt, wo ein modernes, angenehmeres Leben lockt; Die Alten, die zurückbleiben, können sich kaum noch selbst versorgen. Tradierte Überlebensstrategien wie etwa die Polyandrie, die Vielmännerei - zwei oder sogar mehrere Brüder teilen sich eine einzige Ehefrau - werden kaum noch praktiziert oder sind sogar verboten.
Der Film erzählt die Geschichte des neunzehnjährigen Nomadensohnes Norbu, der seine Braut, die junge Tashi, aus der ladakhischen Hauptstadt Leh zu seiner Großfamilie in den Changthang entführt hat. Brautraub ist nichts Ungewöhnliches unter den Changpa, allerdings verlangt die Sitte nach einer Entschuldigung beim Vater der Braut.
In zwei Jahren soll Norbu das Zelt seines Vaters im Changthang übernehmen, bis dahin das Nomadenhandwerk erlernen. Aber der Junge, der in der Stadt aufwuchs, kann sich in den kräftezehrenden Alltag der Gebirgsnomaden nicht mehr eingliedern. Die einsame Landschaft, das raue Klima, die harte Arbeit, das Leben im Zelt – das alles ist zuviel für ihn und seine Braut.
Ein Film von Thomas Wartmann
Letzte Änderung am: 21.07.2009, 16.35 Uhr