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Fernsehen im SWR

Tätowierung in Tahiti Südseeträume auf der Haut

Sendung vom Sonntag, 6.6.2004 | 17.15 Uhr | SWR Fernsehen

"Es ist wie ein Stich oder eine Malerei, die auf deinem Körper und in deine Seele eingraviert ist. Das ist stark."

Dieses Gefühl trieb Chimé dazu, sich von Freunden tätowieren zu lassen und selbst Tätowierer zu werden. Das Gefühl ist stark, überwältigend, fesselnd. Chimé kann nicht anders, als sein Leben auf der Haut darzustellen.

Dies ist ein Film über Tätowierung: Aber die Geschichte geht tiefer als die mit Tinte in die Haut gezeichneten Muster. In dieser Dokumentation suchen Walter Tauber und sein Kamerateam nach den Träumen der Tahitianer. Sie zeigen, wie Chimé und sein Kollege Purotu im Urlaubsparadies Moorea die Tradition ihrer Ahnen pflegen. Sie dringen mit dem Künstler und Seefahrer Tunui Salmon tief ins Hinterland der Halbinsel Tahiti-Iti ein, auf der Suche nach Spuren der alten Zivilisation, die auf dieser Inselwelt bis nach Hawaii und Rapa Nui (Osterinsel) einst blühte. Und sie tauchen in der Lagune eines winzigen Atolls der Tuamoto-Kette ins tief blaue Wasser, um zu dokumentieren, wie drei junge Tahitianer, die wie ihre Vorfahren tätowiert sind, die berühmten schwarzen Perlen züchten. Als "demis" - Halbblut - stehen sie für das moderne Tahiti, das nach einer eigenen Identität sucht.

Unlöschbare kulturelle Botschaften

Tahiti Tätowieren

Tätowierungskünstler auf Tahiti

Die Tätowierung in der Südsee wurde im 18. Jahrhundert von Seefahrern aus Europa wiederentdeckt, nach Frankreich und England gebracht und dort für kurze Zeit bewundert. In Tahiti verschwand sie vollkommen, ausgemerzt von den protestantischen Missionaren. Als einzige Spur blieben die Aufzeichnungen von Forschern wie Karl von den Steinen oder Adam Johann von Krustenstern. Diese Arbeiten erlaubten es, die "koloniale Schuld" Europas wenigstens teilweise wiedergutzumachen. Denn nach 150 Jahren kehrte die Tätowierung plötzlich wieder zurück und eroberte die Inseln Polynesiens mit unerklärlicher Geschwindigkeit. Die alten Muster werden wieder verwendet, auch wenn deren Bedeutung nicht immer klar ist.

Tunui Salmon ist einer der Wenigen, die heute Tradition und Geschichte gut kennen. Er ist direkter Abkömmling des großen Seefahrers Hiro und der späteren Könige von Tahiti. Er entschlüsselt die komplexe Religion und Gesellschaft seiner Vorfahren. Tunui lebt in einem einsamen Tal von Tahiti-Iti, der Halbinsel im Südosten Tahitis. Hier zeigt er dem Fernsehteam einen schwer erreichbaren Marae (Tempel) und, versteckt im Urwald, alte in den Stein gehauene Gravuren. Das alte Polynesien besaß keine Schrift, doch die Steinzeichnungen übermittelten wie die Tätowierungen unlöschbare kulturelle Botschaften.

Die Herkunft auf der Haut

Auf Moorea besuchte der Filmautor zwei der besten Tätowierer, die heute in Polynesien arbeiten: Purotu und Chimé. Auch sie waren bildende Künstler, Purotu war einst Schüler Tunui Salmons an der Akademie. Und Chimé hat sich mit seinen geschwungenen Mustern in der Tradition des Marquesas-Archipels international einen Namen gemacht. Sie tätowieren für die Kamera Purotus Bruder Nui in der traditionellen Art des alten Tatau, mit dem aus einem Wildschwein-Zahn gehauenen Kamm und einer aus ölhaltigen Nüssen gewonnenen Tinte. Auch dies ein Ritual für die Ahnen, das einst von den Franzosen verboten wurde, aber von der heutigen, weitgehend autonomen Regierung wieder toleriert wird.

Was einst eine vom Kollektiv verordnete Sitte war, ist heute Ausdruck sowohl des individuellen Geschmacks als auch der Suche nach einer über den Einzelnen hinausgehenden Ordnung. Wenige kennen die Tradition ihrer Ahnen wirklich, den meisten genügt das diffuse Gefühl der Zugehörigkeit. Der Film erzählt Geschichten von Menschen, die ihre Herkunft, zumindest einen wichtigen Teil davon, auf der Haut tragen.

Ein Film von Walter Tauber

Letzte Änderung am: 11.06.2008, 10.08 Uhr

Tätowierung in Tahiti

Sendezeit Sonntags um 17.15 Uhr

im SWR Fernsehen