Wiederholung am 6. November 2011 ab 10:15 Uhr auf 3sat
Sendung vom Donnerstag, 3.11.2011 | 23.45 Uhr | SWR Fernsehen
Er ist ein Universalgelehrter, ein Bestsellerautor, ein Alleswisser - der große Umberto Eco.

Umberto Eco
Mit "Der Name der Rose" hat er unser Interesse am Mittelalter geweckt und gezeigt, dass es auch im sprichwörtlich dunklen Mittelalter Fackelträger des Lichts und der Aufklärung gab.
In seinem neuen Roman "Der Friedhof in Prag" widmet er sich einer der undurchsichtigsten und wirkmächtigsten Fälschungen der Geschichte. Die Protokolle der Weisen von Zion, ein übles antisemitisches Machwerk, das trotz der Lügenhaftigkeit einen Siegeszug der schlimmsten Sorte antrat. Egal, ob es stimmt: es nützt. Das war die Devise der anti-jüdischen Hetzer vom 19. Jahrhundert und ist es bis heute.
Umberto Eco erfindet sich den Fälscher. Er heißt Simone Simonini, aber ganz genau weiß man das auch nicht. Sein Großvater hatte schon die Französische Revolution als jüdische Verschwörung gedeutet, jetzt macht sich der Enkel auf, die Weltherrschaftspläne der Juden zu entlarven. Er plagiert, er fälscht, er greift auf die Unterhaltungsromane seiner Zeit zurück und durchtränkt sie mit seinem maßlosen Hass.
Eco taucht tief ins dunkle 19. Jahrhundert hinab, zu Geheimgesellschaften, die keiner genau kennt, Verschwörungen, über die allenfalls Gerüchte existieren, ein Jahrhundert der großen Pläne, der utopischen Projekte und ihrer düsteren Kehrseite: Denunziation, Verfolgung, Wahn. Wie niemand sonst kennt Umberto Eco die Pamphlete, die Flugschriften, die Sekten, Bruderschaften, Zirkel.
Felicitas von Lovenberg hat den universalgelehrten Romancier eingeladen in "Literatur im Foyer".
Letzte Änderung am: 10.10.2011, 09.46 Uhr