Wiederholung in 3sat am 14.06.09 um 10.15 Uhr
Sendung vom Samstag, 6.6.2009 | 0.00 Uhr | SWR Fernsehen
"Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann." Das ist das berühmte Diktum des ehemaligen Verfassungsrichters Ernst-Wolfgang Böckenförde.
Deutschland ist ein Sonderfall. 1945, am Ende des 2. Weltkriegs, hatten die deutsche Mythen all ihre Attraktivität verloren. Am Anfang der Bundesrepublik stand ein "Nie wieder". Der Holocaust, die Ermordung der europäischen Juden, das war der besondere Gründungsmythos der Bundesrepublik. Und dann gab es noch Deutsche Mark und Wirtschaftswunder. Wohlstand, statt Mythos.
Hat die Wiedervereinigung daran etwas verändert? Bietet die friedliche deutsche Revolution ein positives Leitbild - auch für die Wessis? Jenseits der alten düsteren Kriegs- und Untergangsgesänge der Nibelungen, der antirömischen Affekte der Varusschlacht, der lähmenden Kyffhäuserphantasien um Friedrich Barbarossa. Und wie schaut es bei anderen Nationen aus? Gibt es denn überhaupt demokratische Mythen? Friedliche, tolerante? Oder steckt in ihnen nicht immer Abgrenzung, Selbstbehauptung - letztlich Krieg.
Um darüber zu diskutieren, hat Thea Dorn illustre Gäste eingeladen:
Herfried Münkler, Gewinner des diesjährigen Preises der Leipziger Buchmesse, hat mit "Die Deutschen und ihre Mythen" ein Standardwerk geschrieben. Der streitbare Politologe erzählt die Geschichte der deutschen Mythen von der Varusschlacht bis in die Gegenwart.
Jens Hacke hat zusammen mit Herfried Münkler Aufsätze über "Politische Mythen und kollektive Selbstbilder nach 1989" versammelt. Gibt es ein neues Bedürfnis nach einer gemeinsamen Idee? Und was soll man machen, wenn es die nicht gibt? Eine Werbeagentur beauftragen?
Jan Fleischhauer ist Spiegel-Journalist. In seinem aktuellen Buch: "Unter Linken. Von einem, der aus Versehen konservativ wurde." erzählt er von linken Mythen, aber auch von linker Mythenfeindlichkeit, von den Schwierigkeiten der Linken mit der deutschen Einheit und mit dem gemeinen Volk, dem doch alle ihre Sehnsüchte gelten.
Ulrich Schacht hat es Mitte der 90er Jahre zu einiger Berühmtheit gebracht als Herausgeber der umstrittenen und viel diskutierten Anthologie: "Die selbstbewußte Nation". Er hat das Unrecht in der DDR am eigenen Leib erfahren, die Bundesrepublik in ihrer Freiheitlichkeit emphatisch gewürdigt und für die Wiedervereinigung geschrieben, als sie noch nicht auf der Tagesordnung stand.
Letzte Änderung am: 21.04.2009, 17.12 Uhr