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Leif trifft ...

SENDETERMIN Mi, 12.10.2016 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Leif trifft ... Arme Rentner - kein Wohlstand mehr im Ruhestand?

Ein Film von Thomas Leif

Die Lage ist eigentlich absurd: Obwohl erst vor einigen Wochen die größte Rentenerhöhung seit Jahren auf den Weg gebracht wurde, wird um die Rente erbittert gestritten. Denn immer drängender stellt sich die Frage: Wie soll die Lücke geschlossen werden, die sich in unseren Altersversorgungssystemen auftut? Immer mehr Menschen werden künftig immer länger Rente beziehen – umgekehrt werden aber immer weniger Beitragszahler deren Ruhestand finanzieren können. Wie also diese Lücke schließen?

Michael Valentin im Gespräch mit Thomas Leif

Michael Valentin (69) war als selbständiger Ingenieur wohlhabend. Nach einer schweren Krebserkrankung ...

Der Streit um die Konzepte und Reformpläne ist in vollem Gange: Bleibt es bei den beschlossenen langfristigen Rentenkürzungen? Oder müssen alle länger arbeiten - bis 69, wie jüngst die Bundesbank vorgeschlagen hat? Oder jenseits der 80 - ein Szenario, das Ulrich Grillo, der Chef des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), durchaus für denkbar hält. Könnte eine verpflichtende Rentenversicherung für alle, eine sogenannte Bürgerversicherung, die Lösung sein? Sollte man die Riester-Rente auslaufen lassen und stattdessen die Betriebsrenten stärken? Es sind eine Menge Fragen zu beantworten.

Tatsache ist: Besonders Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen werden im Alter kaum genug zum Leben haben, falls sie allein auf ihre Rente angewiesen sind. Vielfach wird sich ihre Rente gar auf Hartz-IV-Niveau bewegen. Politiker und Sozialverbände schlagen Alarm, das Thema birgt gewaltigen sozialen Sprengstoff – besonders im Vorfeld zur Bundestagswahl im nächsten Jahr. Das Horrorszenario von Massenarmut im Alter macht die Runde. Dabei gehen die Fronten im Streit der Meinungen und Konzepte quer durch ganz unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen: Unternehmerverbände gegen Gewerkschafter, Konservative gegen Linke, Junge gegen Alte.

Rentenpolitik - quo vadis?

Kaum ein anderes politisches Thema bewegt die Menschen in Deutschland derzeit stärker als die künftige Entwicklung der Renten. Nahezu täglich kommen neue Warnungen von Wirtschaftsvertretern und Politikern, dass die Arbeitnehmer künftig wesentlich länger bis zum Rentenbeginn arbeiten müssen, höhere Versicherungs-Beiträge zahlen und eine deutlich geringere Rente erhalten sollen. Heute liegt das Rentenniveau, das definiert, wie hoch die Altersbezüge eines Durchschnittsverdieners mit 45 Beitragsjahren im Verhältnis zum jeweils aktuellen Durchschnittslohn sind, bei knapp 48 Prozent. Beschlossen ist bereits, dass dieses Niveau bis 2030 auf nur noch 43 Prozent sinken darf.

Thomas Leif im Gespräch mit BMW-Mitarbeiter im Werk

Große Unternehmen wie BMW ...

Gegen diesen Trend in Richtung "Armutsrenten" wenden sich die Vorsitzenden von SPD und CSU. Sigmar Gabriel und Horst Seehofer fordern das aktuelle Rentenniveau zu stabilisieren und sogar wieder auszubauen. Unterstützt werden sie dabei von den Gewerkschaften und Sozialverbänden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) will verhindern, dass selbst große Teile der Normalverdiener mit dem weiteren Absinken des Rentenniveaus in die Altersarmut abrutschen. Die Rentenpolitik soll mit einer im September startenden Kampagne "zum bestimmenden Thema im Bundestagswahlkampf 2017" gemacht werden. Eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit lehnen die Arbeitnehmervertreter strikt ab, zumal schon heute nur noch jeder sechste 64-Jährige sozialversicherungspflichtig beschäftigt sei. Trotz der bereits beschlossenen schrittweisen Verlängerung der Arbeitszeit bis zum 67. Lebensjahr wollen immer mehr Arbeitnehmer u.a. auf der Grundlage von Betriebsvereinbarungen früher in Rente.

Arbeitgeber und unternehmensnahe Institute streben mit ihren Forderungen dagegen einen ganz anderen Rentenkurs an. Mitte August forderte sogar die Deutsche Bundesbank, die Verlängerung der Lebensarbeitszeit auf 69 Jahre auszudehnen, in Etappen bis 2060. Das Institut der deutschen Wirtschaft und Industrieverbände gehen noch weiter. Sie rechnen vor, dass der Rentenbeginn schon bald erst mit 70 oder sogar 80 Jahre erfolgen könne. Der Grund: Die Deutschen werden immer älter – ihre Lebenserwartung steigt jedes Jahr um drei Monate und gleichzeitig fehlt der Nachwuchs auf Grund der geringen Geburtenzahlen. Die Folgen, so die Mahner, dürften nicht länger verdrängt werden. Männer beziehen heute knapp 19 Jahre Rente, Frauen fast 23 Jahre. Noch vor zehn Jahren waren es drei bzw. zwei Jahre weniger.

Thomas Leif besucht Betroffene, Versicherer und poltische Akteure

Den Streit um die Rente hat SWR-Autor Thomas Leif zum Anlass für eine Deutschlandreise genommen. In der Reihe "Leif trifft ..." fragt er, ob der Weg in die Armutsrente für viele wirklich vorgezeichnet ist und warum die Zahl der Bezieher der Grundsicherung ("Hartz IV für Rentner") massiv steigt? Gerade hier ist die Dunkelziffer der betagten Bezieher hoch und die Scham, darüber in der Öffentlichkeit zu sprechen, groß. Betroffene Rentner und Rentnerinnen, Alleinerziehende und Erwerbsminderungs-Rentner kommen zu Wort und erklären, wie sie mit weniger als zehn Euro am Tag über die Runden kommen.

Der Autor besucht die Lobby der Versicherungsindustrie, um herauszufinden, wie die von vielen Politikern zunächst als zusätzliche zweite private Säule eingeführte und nun meist als gescheitert angesehene Riester-Rente noch gerettet werden kann? Etwa 2.000 Anbieter verkaufen rund 4.300 verschiedene Riester-Produkte, erreichen damit aber nicht die Arbeitnehmer, die ohnehin eine sehr geringe Rente zu erwarten haben.

Thomas Leif vor Bundestag

Und was geschieht hinter den Kulissen der Politik und des von Arbeitsministerin Andrea Nahles nicht öffentlichen "Rentendialogs", mit dem sie die gegensätzlichen Interessenvertreter auf eine Konsenslinie bringen will? Ein schier aussichtsloses Unterfangen. Denn interne Protokolle belegen, dass jede Veränderung in der Rentenpolitik - von der avisierten Angleichung der Ostrenten, dem angekündigten Ausbau der Betriebsrenten oder der nochmaligen Verbesserung der Mütterrente - stets auch Nachteile hatte. Sie belasten die Rentenversicherung oder den Staatshaushalt meist mit zweistelligen Milliardenbeträgen, bringen Vorteile für jeweils einen Teil der Rentnergeneration und Nachteile für die Jungen. Die heutigen Beitragszahler und künftigen Rentner stehen dem deutschen Rentensystem auf Grund der demografischen Herausforderungen, so aktuelle Umfragen, ohnehin skeptisch gegenüber. Dazu kommt, dass bereits im Jahr 2020 die Bundeszuschüsse zur Rentenkasse die Marke von 100 Milliarden Euro übersteigen werden.

Leif trifft die Rentner-Republik - und geht in der 45-minütigen Dokumentation der Quadratur des Kreises in einer von widerstreitenden Interessen geprägten Rentenpolitik auf den Grund. In der Öffentlichkeit oft verdrängte Fakten und Zusammenhänge werden ausgeleuchtet und die Folgen geklärt. Prof. Franz Ruland, der als langjähriger Chef der Rentenversicherung auch als "Rentenpapst" bezeichnet wird, sagt bilanzierend gegenüber dem SWR: "Es ist unvermeidlich, dass die Beiträge steigen werden; es ist unvermeidlich, dass das Rentenniveau sinken wird. Deshalb wird auch der Bundeszuschuss für die Renten ansteigen."

Sendung am

Mi, 12.10.2016 | 20:15 Uhr

SWR Fernsehen

weitere Sendetermine

Do, 13.10.2016 | 3:25 Uhr | SWR Fernsehen

Im Programm

Ängste gehören zum Leben. Doch was, wenn sie außer Kontrolle geraten und beginnen, das Leben zu bestimmen? Über das „Leben mit der Angst“ sprechen Herbert Feuerstein und weitere Gäste diese Woche bei Michael Steinbrecher im NACHTCAFÉ. Die Sorge um Menschen, die wir lieben, die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes oder die Furcht vor Krankheiten und dem Tod – in unserem modernen Leben gibt es immer wieder Situationen, die uns Angst machen. Menschen, die unter Ängsten leiden und einen Weg gefunden haben, damit umzugehen äußern sich in der Sendung.

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