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Als ihn die Nachricht erreichte, hat sich Winfried Lachauer "unbändig gefreut": Der mit 1.500 Euro dotierte Medienpreis der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat in der Sparte Fernsehen, mit der sein Film "Wo ist Heimat?" geehrt wurde, sei auch eine Auszeichnung für sein Kamerateam und die Protagonisten.

Filmautor Winfried Lachauer
Redakteurin Michaela Funk hatte den Filmautor über den Preis für seinen Film "Wo ist Heimat? - Wie Vertriebene das Land prägten" am 10. Oktober sofort benachrichtigen wollen. Doch das ging leider nicht, weil Lachauer schon wieder bei einem anderen Dreh war. "So eifrig ist er, ein richtiger Schaffer", erinnert sich Funk an die Ereignisse an ihrem 50. Geburtstag zurück. Die Auszeichnung für die Produktion, die vor fast genau einem Jahr in der Reihe "Landesschau unterwegs" im SWR Fernsehen BW ausgestrahlt wurde, nimmt Winfried Lachauer am Samstag, den 3. November in Bonn entgegen.
Beitrag war Herzensangelegenheit
Als Winfried Lachauer wusste, dass sein Beitrag mit einer Projektförderung des Regierungsbeauftragten für Kultur und Medien prämiert wurde, war er überglücklich. Denn der Vertriebenenfilm sei durch die biografische Nähe für ihn, wie auch für den Kameramann, die Cutterin Jutta Gutschmitt und die Protagonisten, eine "Herzensangelegenheit" gewesen. Und so war Lachauer, wie er sagt, als ihn die Nachricht vom Gewinn der Auszeichnung erreichte, "bei aller journalistischen Distanz in diesem Moment emotional sehr bewegt".
Der Kulturrat würdigte die Produktion als "leisen wie bewegenden Film", der die Härten des Neubeginns und die Mühen der Integration der Vertriebenen in Westdeutschland, im konkreten Fall in Ellwangen, an Einzelschicksalen darstellt. Tatsächlich spielt Lachauers Film im Landkreis Aalen, der 1945 mehr Vertriebene aufgenommen hat als jeder andere Landkreis in Baden-Württemberg. Auf ungefähr 82.000 Einwohner kamen 34.000 Neuankömmlinge. Aus dem Sudetenland, aus Schlesien, aus Pommern, aus Ungarn oder Rumänien. Alle hatten ihre Heimat verloren. Und alle standen vor der selben Herausforderung, in der Fremde eine neue Heimat zu finden.
Ökumenische Trauung undenkbar
Und so bekommt der Zuschauer Einblicke, in eine Zeit, in der vieles heute Selbstverständliche damals nicht ohne weiteres möglich war. Eine ökumenische Trauung beispielsweise war in den 50er-Jahren undenkbar. Es galt das Diktat, wonach sich ein Katholischer und eine Evangelische nur katholisch trauen lassen konnten. Fußend auf diesem ehernen Gesetz ahnt der Zuschauer, was es wohl bedeutet haben mag, wenn ein katholisch Vertriebener in einer katholischen Hochburg wie Ellwangen ausgerechnet eine Einheimische und obendrein protestantische Frau heiratet.
Bei der Recherche fand Winfried Lachauer nicht nur zahllose einstige Vertriebene, die viel zu erzählen hatten. Er stieß auch auf für ihn berührende Überschneidungen zu seinem eigenen Leben. Beispielsweise bei den Benediktinermönchen. Im Film wurden sie aus Braunau, der Heimat eines Protagonisten, vertrieben und kamen nach Rohr in Bayern. Dort - und hier schließt sich der biografische Kreis - bildeten etliche von ihnen, darunter Pater Gabriel, Lachauers Bruder aus.
Preisverleihung in Bonn
Winfried Lachauer will den Preis am 3. November in Bonn nur mit Redakteurin Michaela Funk entgegennehmen. Denn auch sie habe ihren Anteil am Erfolg des Films gehabt, der nach acht Jahren Pause nun an den SWR geht. Wenn Funk und Lachauer an diesem Samstag mit dem InterCity durch die Loreley zur Preisverleihung nach Bonn brausen, dann wird der gebürtige Bayer auch ein Versprechen einlösen. Gemeinsam mit Michaela Funk wolle er mit zwei "Flascherln" auf sein erfolgreiches Werk anstoßen - eins auf dem Hin- und eins auf dem Rückweg.
Zur Person Winfried Lachauer
Winfried Lachauer, studierter Germanist, Politologe und Sinologe, arbeitet seit 1979 als Theaterregisseur, unter anderem lange am Mannheimer Nationaltheater, und ist seit 1995 als Filmautor für den SWR tätig.
Autor: Simon Veeser, SWR
Letzte Änderung am: 08.12.2008, 14.54 Uhr