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Eine Krankenschwester mit Mundschutz geht durch die Notaufnahme eines Krankenhauses.

SENDETERMIN Do, 20.4.2017 | 18:45 Uhr | SWR Fernsehen RP

Streit um die Abklärungspauschale Haben überfüllte Notaufnahmen ein Ende?

Notaufnahmen - sie gelten als chronisch überlastet. Oftmals am Wochenende treibt es Patienten ins Krankenhaus, die eigentlich dort nichts zu suchen haben. Eine neue Regelung soll jetzt Abhilfe schaffen.

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Ein kurzer Check soll klären, ob die Patienten mit ihren Beschwerden überhaupt richtig sind oder eine ambulante Hilfe reichen würde.

Bei Risiken und Nebenwirkungen zahlt die Abklärungspauschale?

Bundesweite Daten und Studien haben nach Angaben der Kassenärztliche Bundesvereinigung KBV ergeben, dass zehn Prozent der Patienten, die eine Notaufnahme aufsuchen, keine dringliche Diagnostik und Therapie benötigen. Daher habe sich die KBV für eine Abklärungspauschale entschieden. Für diesen Check zahlt sie tagsüber eine Pauschale pro Patient von 4,74 Euro. In der Nacht und am Wochenende sind es sogar 8,42 Euro. Hier gilt allerdings: Die Pauschale greift nur, wenn kein Rezept, keine Untersuchung und kein Medikament nötig ist.

Das Problem: Ein Arzt muss die Beschwerden jedes Patienten ernst nehmen. Dazu gehört eine Diagnostik. Laut neuer Regelung soll das in wenigen Minuten geschafft sein. Das könne laut bei einem leichten Schnupfen auch stimmen - bei komplizierten Fällen aber nicht, bemängelt Andreas Bartels, Präsident der Deutschen Praxisklinikgesellschaft.

Dr. Patrick Frey

Patrick Frey, Geschäftsführer des Katholischen Klinikums Mainz

Ist die neue Regelung also kein wirksames Instrument? "Nein, nicht wirklich!", sagt auch Patrick Frey, Geschäftsführer des Katholischen Klinikums Mainz (KKM). "Wir werden das gleiche tun, wie vorher", so Frey. Wenn die Leute in der Notaufnahme ankämen, sei es ihre Pflicht, sie zu behandeln. Ärzte bräuchten sicherlich 15 Minuten, um zu erklären, dass der Patient mit seinen Beschwerden vielleicht falsch sei. Zeit, die sie nicht hätten. Also auf Aufklärung verzichten? "Generell haben wir die Aufgabe, Aufklärungsarbeit zu leisten, damit Patienten wissen, wo sie am Besten aufgehoben sind", sagt Frey. Wie und wo die Notaufnahme diese Arbeit leisten soll, sei allerdings unklar.

Fokus auf Ausbau von Bereitschaftspraxen

Andreas Bartels

Andreas Bartels, Präsident der Deutschen Praxisklinikgesellschaft

Gerade an Feiertagen hat die Bereitschafsdienstzentrale in Mainz 60 bis 70 Patienten an einem Vormittag zu versorgen. Das Miteinander dort funktioniere einwandfrei. Die Anmeldung des Katholischen Klinikums verteile die Patienten gut. Und auch die Notaufnahme könne gut einschätzen, ob der Bereitschaftsdienst zuständig sei oder es sich doch um einen Notfall handele, sagt Andreas Bartels. Doch trotzdem ist er, wie viele andere, für eine andere Lösung. Für ihn wäre der Ausbau von Bereitschaftspraxen eine sinnvollere Schlussfolgerung. Auch eine gemeinsame Aufnahme wäre eine Überlegung für ihn. Aber auch 24-Stunden-Praxen seien für ihn eine Option. Aber Fakt ist, zur Zeit dürfen Bereitschaftspraxen nur außerhalb der Sprechzeiten geöffnet haben. Das bremse das Ganze aus, ergänzt Bartels.

In der Notaufnahme des KKM wurden nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr mehr als 3.000 Patienten behandelt. Nur etwa zehn Prozent seien Notfälle gewesen, sagte der Leiter der Notaufnahme, Torsten Schmitt. Die anderen sollten eigentlich eine der 48 Bereitschaftspraxen in Rheinland-Pfalz aufsuchen. Oder zu einem Hausarzt gehen.

Zwei Nummern für den Notfall:
Die 112 für den Rettungsdienst bei lebensbedrohlichen Notfällen -
die 116 117 für die Ärztliche Bereitschaftsdienstzentrale.

Für Patrick Frey steht fest: "Wir müssen unsere Aufklärungskampagne erweitern. Wann gehst man in die Notaufnahme? Wann geht man in eine Bereitschaftspraxis?" Auch Bartels ist dafür, dass mehr informiert wird. Die meisten würden nicht mal die Zentrale Nummer '116 117' kennen, erzählt er. Der Patient wird über die vorwahlfreie Rufnummer an den jeweiligen Bereitschaftsdienst in seiner Region weitergeleitet.

 

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