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Meinung 20.9.2013 Die Wahlkampf-Show geht nun zu Ende

Hans Gerzlich, Kabarettist, über Spaßhaben mit Wahlkämpfern

Gregor Gysi, Rainer Brüderle und Jürgen Trittin vor dem TV-Dreikampf im Studio der ARD in Berlin

Gregor Gysi, Rainer Brüderle und Jürgen Trittin vor dem TV-Dreikampf im Studio der ARD in Berlin

Haben Sie auch schon die Spekulatius, die Dominosteine und die Lebkuchenherzen in den Supermärkten bemerkt? Klar, denn bald ist Weihnachten - nur noch gut drei Monate!
Und ein bisschen wie mit Weihnachten ist es auch mit den Bundestagswahlen: Am Anfang freut man sich noch drauf, aber dann ist man doch auch froh, wenn endlich die allgegenwärtigen Grinsegesichter wieder aus dem Straßenbild verschwinden; Anne Will, Günter Jauch und Maybritt Illner sich endlich wieder mit Themen wie "Uli Hoeneß - Triple ja, Knast nein", "Flughafen Berlin nicht mehr nötig - Amis besiedeln den Mars" oder "Leben auf Pump - ich hab' ein Kunstherz" widmen können; und die Zeit der TV-Duelle und Wahlkampf-Shows vorbei ist. Am Sonntag dann, endlich.

Während die Union mit Angela Merkel zwar wahrlich keine Zirkuspferd in die Manege geschickt hat, sondern eher Typ "Robert Lemke" - ruhig, besonnen, und für jeden etwas im Gepäck, Stichwort: "Welches Schweinderl hätten 's denn gern?" - schickte die SPD den Wim Thoelke der deutschen Politik ins Rennen: Risikooo!

Erst fliegen seine für einen Sozialisten recht kapitalistischen Redner-Honorare auf, dann spricht er den Ostdeutschen ab, sich für Europa begeistern zu können, behauptet, als Kanzler verdiene man zu wenig und posaunt lauthals heraus, dass er keine Flasche Wein für 5€ kaufen würde - zu billig. Und zum großen Showfinale macht er noch eine typische Handbewegung in Form des erhobenen Mittelfingers auf dem Titelblatt der Süddeutschen Zeitung. Da hätte er schon Harald Juhnke heißen müssen, damit die Zuschauer... äh... das Wahlvolk ihm auch noch so was durchgehen ließe.

A propos "Harald Juhnke": Rainer Brüderle blamiert sich beim Tabu-Spielen vor aller Wahl-Öffentlichkeit und duelliert sich mit Gregor Gysi und Jürgen Trittin in einem Studio, das seine Anleihen bei "Jeopardy" kaum verleugnen kann: Drei Ratepulte mit drei Kandidaten - nur dass es bei Jeopardy am Schluss nie drei Verlierer gab.

Die Kanzlerin führte ihre Wahlshow hingegen völlig souverän und sagte... nichts. Lies Steinbrück einfach sich selbst Knüppel zwischen die Beine werfen - wenn Sigmar Gabriel gerade mal keine Zeit hatte - und präsentierte bei der Hot-Button-Runde dieses Frage-und-keine-Antwort-Spiels, irrtümlich als TV-Duell angekündigt, ihre Schland-Kette aus dem Bundestags-Andenken-Shop. Steinbrück griff hingegen mit "Hätte, hätte, Fahradkette" wieder mal verbal daneben. Kette war ja schon ganz ok, aber die Schland-Kette von Frau Merkel wärs gewesen, Herr Steinbrück!

Und wer wird nun Bundeskanzler? Wissen wir nicht. Wenn es allerdings nach den Blitzumfrageergebnissen geht, hat einer ganz klar die Nase. Der Sieger des TV-Duells zwischen Merkel und Steinbrück: Showprofi Stefan Raab!

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