aus der Sendung vom Freitag, 13.1. | 18.55 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Hähnchenfleisch, gut und günstig? Die erschreckende Wahrheit schmeckt so gar nicht. In zehn von zwanzig Geflügel-Proben fand der Bund für Umwelt- und Naturschutz bei Lebensmitteluntersuchungen gefährliche Keime. Die Ursachen sind bekannt.
Wenig Raum, Stress, Hygieneprobleme: in Mastbetrieben leiden die Hühner – sie sind häufig krank. Ohne medizinische Hilfsmittel funktioniert diese Art der Tierhaltung nicht. Deshalb bekommen sie Antibiotika - zur Vorbeugung von Krankheiten und als Wachstumsbeschleuniger. Doch die massenhafte Anwendung von Antibiotika ist gefährlich. Im Lauf der Zeit bilden die Hühner multiresistente Keime aus, gegen die Antibiotika nichts mehr nützen.
Die resistenten Krankheitserreger können durch das Fleisch in die Küche gelangen. Der Mensch infiziert sich, Krankheiten können lebensbedrohlich werden, und Antibiotika bleiben wirkungslos. Schätzungen zu Folge, sterben jährlich mehr als 15.000 Menschen an Infektionen mit multiresistenten Erregern.
Ist das der wahre Preis der Discountangebote? Klar ist, nur durch Massentierhaltung in Mastbetrieben sind die „Knüllerpreise“ möglich. Und so entscheidet letztendlich der Verbraucher über die Aufzucht und die Qualität des Produktes!
Geflügelhaltung geht auch anders. In Rheinland-Pfalz gibt es fast keinen Mastbetrieb mit Massentierhaltung. In ökologischen Betrieben dürfen zwar auch Antibiotika verabreicht werden, doch das passiert nicht regelmäßig, sondern nur in Ausnahmefällen.
Häufig ist in Öko-Betrieben der Einsatz von Medikamenten auch nicht so dringend. Durch die bessere Haltung sind die Tiere weniger krank. Die Betriebe nehmen sich zusätzlich mehr Zeit für die Aufzucht. Im Schnitt vergehen 85 Tage bis zur Schlachtung, fast doppelt so viel Zeit wie in den Riesenbetrieben.
Der Mehraufwand spiegelt sich im Preis: Ein Biohähnchen kostet rund 10 Euro, eins aus der Massentierhaltung rund 3 Euro.
Letzte Änderung am: 12.01.2012, 10.21 Uhr