aus der Sendung vom Donnerstag, 25.8.2011 | 18.55 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Wichtige Vorsorgeuntersuchungen, wie das Hautkrebsscreening, die professionelle Zahnreinigung oder die Kosten für einen Krankenhausaufenthalt im Ausland, werden von den gesetzlichen Krankenkassen entweder gar nicht, oder nur zu einem kleinen Teil bezahlt. Grund für viele Versicherte eine Zusatzversicherung abzuschließen. Zur Zeit zahlen die Deutschen rund 6 Milliarden Euro für rund 21 Millionen Zusatzversicherungsverträge.
Doch nicht jede zusätzliche Police ist wirklich sinnvoll: " Nur Risiken, deren Eintritt ein finanzielles Desaster hervorrufen können, sollte man versichern", sagt Versicherungsexperte Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Dazu gehören ganz klar die Zahnzusatzversicherung, aber auch die noch wenig bekannten Pflegezusatzversicherungen.
In der Landesschau Rheinland-Pfalz zeigen wir, was diese Zusatzversicherungen leisten und worauf man beim Abschluss achten muss.
Informationen zu unserer Sendung von unserem Experten Michael Wortberg:
Das eigene Leben gestalten, dazu gehört auch die finanzielle Vorsorge. Das Angebot an Versicherungen ist riesig, und ob wir wollen oder nicht, für manche müssen wir auch zahlen: Für die gesetzliche Rentenversicherung, die Krankversicherung oder die Pflegeversicherung zum Beispiel. Doch die Leistungen aus den Kassen Versicherungen reichen oft nicht aus, wenn man zum Beispiel zum Zahnarzt, ins Krankenhaus oder ins Pflegeheim muss und eine gute Versorgung will.
Welche Zusatzversicherungen sind wichtig?
Im Prinzip lohnen sich die Zusatzversicherungen, bei Kosten, die man aus eigener Tasche nicht so schnell bezahlen kann; z.B. bei Krankheit im Ausland, bei teuren Zahnersatz oder auch bei der Pflege.
Zahnzusatzversicherungen
Das ist wohl den meisten bekannt, beim Zahnarzt wird’s schnell teuer. Früher oder später trifft es jeden: Der Zahn ist kaputt, der Ersatz soll gut sitzen und natürlich aussehen. Für Implantate, Inlays oder Kronen zahlt die Kasse wenig bis gar nichts dazu. Wer da einen festen ästhetisch guten Zahnersatz möchte, der muss tief in die Tasche greifen.
100 Prozent der Kosten übernimmt auch eine Zahnzusatzversicherung nicht. Auch für die Zahnzusatzversicherung gilt: Die Leistungen sind sehr unterschiedlich, deshalb sollte man sich vor Abschluss überlegen, welche Versorgung (Implantat, Krone oder Inlay) man überhaupt haben möchte.
Die Kosten für die Versicherungsangebote liegen zwischen 7 bis 40 Euro Monatsbeitrag. Es gibt zwar auch günstige Angebote, die gut sind, aber für 7 Euro sollte man nicht allzu viel erwarten und sich vor allem auf Staffelungen und Wartezeiten in den ersten Jahren gefasst machen.
Für schon bei Vertragsabschluss bekannte Erkrankungen, also "laufende Behandlungen", zahlt die Kasse nicht. "Laufend" heißt hier schon: Sobald der Zahnarzt feststellt, dass eine Behandlung notwendig ist.
Schummeln geht auf keinen Fall, der Patient muss in dem Versicherungsvertrag seinen Zahnarzt von der Schweigepflicht entbinden. Und darüber hinaus: Kommt später raus, dass die Angaben wissentlich falsch sind, nützt die Versicherung nichts mehr. Das ist eine Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht. Unter Umständen muss der Patient schon erhaltene Leistungen zurückzahlen.
Die Versicherung übernimmt die Zahlung nach einer Wartezeit von 8 Monaten und darüber hinaus eingeschränkte Leistungen in den ersten Jahren.
Wer sich das leisten kann und will, kann auch noch mit Mitte 50 einen Vertrag abschließen. Aber in dem Fall sollte man ganz genau auf die Gesundheitsfragen achten oder einen Anbieter wählen, der keine Gesundheitsfragen stellt – auch wenn dann der Preis höher ist.
Pflegezusatzversicherungen
Mehr als 100.000 Rheinland-Pfälzer sind pflegebedürftig. Die Kosten für Betroffene und ihre Familien sind enorm, denn die Pflegeversicherung übernimmt nicht alles.
Bei Pflegestufe III und einem Platz im Altersheim fallen schnell 3000 Euro an. Die Pflegekasse gibt zwar 1510 Euro dazu, doch auf fast der Hälfte bleibt der Pflegebedürftige sitzen.
Zusatzversicherer versprechen hier ein finanzielles Desaster zu vermeiden. Da wäre zunächst die Pflegerentenversicherung:
Sie zahlt bei Pflegebedürftigkeit eine zusätzliche Rente.
Zum Beispiel bei einem Mann um die 50; er will die Kostenlücke von maximal 1500 Euro decken. Für eine ausreichende Versorgung müsste er einhundert Euro im Monat zahlen. Nicht billig. Dafür wird der Vertrag aber beitragsfrei, sobald er pflegebedürftig würde. Und: Die Pflegerentenversicherung zahlt auch bei Demenz, selbst wenn der Versicherte körperlich fit ist.
Etwas günstiger sind die sogenannten Pflegetagegeldversicherungen. Auch hier richtet sich die Höhe des Beitrages nach der zu versichernden Kostenlücke, berechnet wird das ganze aber auf Basis eines Tagessatzes.
Aber Achtung: Einige Anbieter von Pflegetagegeldversicherungen verlangen, dass der Beitrag ein Leben lang gezahlt wird, auch wenn der Versicherte arbeitslos wird oder pflegebedürftig.
Es gibt durchaus Pflegetagegeldversicherungen, die viele Vorteile bieten zu einem günstigeren Preis. Für eine wirklich gute Rundum-Versorgung, für alle Pflegstufen und die Wahl, ob zu Hause gepflegt wird oder im Heim, zahlt ein Mann mit 45 Jahren maximal 40 Euro. Eine Pflegerentenversicherung würde da glatt mit dem dreifachen Betrag zuschlagen.
Für alle Pflegezusatzversicherungen gilt: Je jünger bei Vertragsabschluss, umso günstiger. Deshalb sollte keiner warten, bis die Pflegebedürftigkeit vor der Tür steht.
"Dynamische Anpassung"
Hier wäre ein Anpassung im Sinne des Versicherten: Man will ja später möglichst gut versorgt sein. Nicht jede Versicherung aber, bietet die Möglichkeit, den Vertrag zu ändern an. Wo es möglich ist, können Sie nach einigen Jahren die Leistungen aufstocken, aber dann wird der Beitrag höher. Daher ist es wichtig, früh, also ab Anfang 40, den Vertrag abzuschließen und sich die jetzt bekannte maximale Lücke versichern zu lassen.
Für Frauen ist es immer teurer
Es ist deshalb teurer, weil Frauen länger leben und - wie Statistiken zeigen - in der Regel auch früher pflegebedürftig werden als Männer gleichen Alters. Eine gute Rundumversorgung sozusagen gibt es aber für rund 60 Euro. Von Billigangeboten, wie 21 Euro rate ich ab. Denn hier wird oft nur die höchste Pflegestufe versichert, dabei haben mehr als 85 Prozent aller Pflegebedürftigen die Pflegestufe I oder II.
Risikoversicherung
Wenn der Versicherte vor dem Eintritt des Pflegefalls stirbt, ist das eingezahlte Geld weg.
Beitragszahlungen aussetzen
Auch das kann vorher vereinbart werden. Bei den Pflegerentenversicherungen gibt es Klauseln, z.B. eine sogenannte Arbeitslosigkeitsklausel, die müssen Sie dann zusätzlich abschließen und das kostet natürlich extra. Es gibt mittlerweile auch Pflegetagegeldangebote, bei denen Sie die Zahlung aussetzen können. Hierauf sollte man ausdrücklich achten.
Letzte Änderung am: 12.08.2011, 23.15 Uhr