aus der Sendung vom Mittwoch, 6.7.2011 | 18.55 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Wer hätte das gedacht? Ein Getränk, für das man eigentlich nur den Hahn aufdrehen braucht, boomt: Wasser! Ob günstig in der Plastik-Flasche oder hochpreisig aus der Quelle, ob natriumarm, enteisent, mit Sauerstoff angereichert oder bei Vollmond gezapft - die Marketingabteilungen lassen sich alles Mögliche einfallen, damit wir den Durstlöscher kaufen.
Aber ist das aus gesundheitlichen Aspekten überhaupt notwendig? Hat Mineralwasser tatsächlich mehr von den Spurenelemente, die wir tagtäglich brauchen? Oder reicht auch Leitungswasser? Und kann man das überhaupt und überall bedenkenlos trinken?
Gemeinsam mit der Wöllsteiner Ernährungswissenschaftlerin Dr. Petra Renner-Weber vergleichen wir den guten Geist aus der Flasche mit dem aus der Leitung.
Informationen zu unserer Sendung:
Wasser - ein unschlagbares Element
Da unser Körper H2O nicht selbst herstellen kann, müssen wir es ihm regelmäßig zuführen. "Zwei Liter am Tag" lautet die grobe Empfehlung – wobei es entscheidend ist, wie viel wir uns bewegen, wie warm und trocken die Luft ist, welche Nahrungsmittel wir konsumieren.
Um unseren Durst zu stillen, können wir entweder zu Wasser aus dem Hahn greifen oder zur Flasche. Angeboten werden Tafel-, Mineral oder Heilwasser, die ungefähr folgendermaßen definiert sind:
Tafelwasser
Tafelwasser muss kein Naturprodukt, sondern kann eine Mischung verschiedener Wasserarten sein. Es darf überall dem Trinkwassernetz entnommen werden – nur hygienische Anforderungen sind einzuhalten. Zusatzstoffe dürfen beigemischt werden. (nach der Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTV) vom 1.8.1984, in der Fassung vom 1.9.2005. §2)
Mineralwasser
Mineralwasser ist Wasser, das u.a. folgende Anforderungen erfüllt:
Es hat seinen Ursprung in unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen und wird aus einer oder mehreren natürlichen oder künstlich erschlossenen Quellen gewonnen.
Es ist von ursprünglicher Reinheit und gekennzeichnet durch seinen Gehalt an Mineralien, Spurenelementen oder sonstigen Bestandteilen.
(nach der Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTV) vom 1.8.1984, in der Fassung vom 1.9.2005. §2)
Heilwasser
Heilwasser ist ein natürliches Grundwasser, das aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung, z.B. bestimmter Spurenstoffe, geeignet ist, therapeutischen Zwecken zu dienen. Heilwässer müssen dabei einen Gehalt an gelösten festen Mineralstoffen von mindestens 1000 mg/kg haben.(nach dem Lexikon der Geowissenschaften 2005)
Heilwasser ist damit ein frei verkäufliches Arzneimittel und muss als solches zugelassen werden. Die therapeutischen Eigenschaften müssen wissenschaftlich nachgewiesen sein.
Bei allen Flaschenwassern gilt:
Am besten zur guten alten Glasflasche greifen, denn die gibt garantiert keine Stoffe ans Wasser ab, die Geruch, Geschmack und Reinheit beeinflussen könnten.
Die Plastikflasche kam in den letzten Jahren immer mal wieder in die Schlagzeilen wegen einer möglichen Belastung mit den chemischen Elementen Antimon und Acetaldehyd. Noch ist nicht genau erforscht, was sie ab welchem Grenzwert im menschlichen Körper bewirken. Fakt ist aber, dass dünnwandige Einwegflaschen mehr dieser Stoffe ans Wasser abgeben als dickwandige Pfandflaschen.
Eine Empfehlung der Ernährungswissenschaftlerin Dr. Petra Renner-Weber: Plastikflaschen nie über einen längeren Zeitraum in der Sonne z.B. im Auto liegen lassen, sondern lieber bald nach Anbruch verzehren – auch das verhindert einen größeren Eintrag der Stoffe ins Wasser.
Leitungswasser
Früher kam kein sauberes Wasser aus dem Hahn - oft war es Schwermetall - und keimbelastet und dieser schlechte Ruf geistert noch immer in vielen Köpfen herum.
Mittlerweile aber hat aber fast jeder von uns eine sehr gesunde und äußerst preiswerte Quelle in der Küche, denn Leitungswasser ist eines der am besten kontrollierten Lebensmittel überhaupt. Ab dem 1. November 2011 wird die Trinkwasserverordnung weiter verschärft - die Grenzwerte für Uran, Cadmium und Blei noch einmal nach unten gesetzt. Deutschland hat dann weltweit eine der strengsten Leitungswasserkontrollen.
Überprüfen lassen sollten Sie allerdings das Rohrsystem ihres Hauses. Bei alten Blei- und auch Kupferrohren wäre es ratsam, vorher eine Wasseranalyse durchführen zu lassen. Sie kostet zwischen 20 und 40 Euro - fragen Sie am besten bei Ihren Wasserwerken oder der Verbraucherzentrale nach.
Hahnwasser lässt sich also eigentlich überall bedenkenlos trinken. Eigentlich, denn nach wie vor greifen viele Menschen zur Flasche.
Vielleicht liegt das auch daran, dass immer wieder behauptet wird, aus dem Wasserhahn kämen nicht genügend Mineralstoffe.
Ernährungswissenschaftler wie Dr. Petra Renner-Weber betonen jedoch, dass ein Mensch, der sich normal ernährt, keine zusätzlichen Stoffe aus dem Wasser braucht. Im Vergleich zu dem, was wir über unsere Nahrungsmittel aufnehmen, sind die Inhaltsstoffe im Wasser auch verschwindend gering.
Nur wer einen echten Mangel hat, weil er zum Beispiel gar keine Milchprodukte isst, braucht Elemente wie das Calcium auch aus dem Trinkwasser. In diesem Fall sollte ein Mineralwasser oder gar Heilwasser mit deutlich erhöhten Calciumwerten verwendet werden.
Eines der wichtigsten Argumente gegen Leitungswasser ist der Geschmack - dabei vor allem der Wunsch nach Sprudel. Aber auch, wer lieber mit "Zisch" trinkt, kann zu Leitungswasser greifen - Sprudler gibt es von verschiedenen Herstellern und mittlerweile auch in Glas-, statt Plastikflaschen. Die sind gesundheitlich unbedenklich und besser zu reinigen und machen sich edel auf der Tafel.
Fakt ist, dass Wasser aus der Leitung im Vergleich zu dem aus der Flasche erheblich günstiger (es kostet weniger als 1 Cent pro Liter), ökologischer (für Flaschenwasser verbraucht man bis zu 1000mal mehr Energie) und rückenschonender ist.
Letzte Änderung am: 29.06.2011, 00.40 Uhr