aus der Sendung vom Dienstag, 28.6.2011 | 18.55 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Endlich wieder Urlaub! Während für die einen "der Berg ruft" sind die anderen "reif für die Insel". Ob Wandern in den Bergen oder Sonnenbaden am Strand, für beide Urlaubsort gilt: den Sonnenschutz nicht vergessen. Irreparable Hautschäden verursachen vor allem die UV-A und UV-B Strahlung der Sonne. Das Tückische daran: viele dieser Schäden wie vorzeitige Hautalterung und Hautkrebs werden erst nach Jahren erkennbar und dann ist meist nichts mehr zu ändern. Vor solchen Folgen kann man seine Haut mit einer Reihe einfacher Schutzmaßnahmen bewahren.
Neben Schatten und geeigneter Kleidung, gehören zu den Schutzmaßnahmen auch wirksame Sonnenschutzmittel. Wichtig sind die Auswahl des Produktes und die richtige Anwendung. Das heißt, großzügig und mit hohem Lichtschutzfaktor, am besten 50+, eincremen. Das Sonnenschutzmittel sollte mindestens 30 Minuten vor dem Sonnenbad aufgetragen werden, damit es die richtige Wirkung entwickeln kann. Wie lange man ungeschützt in der Sonne liegen kann, hängt von dem Hauttyp ab. Vor allem Kinder sollten prinzipiell mit wasserfestem Lichtschutzmittel eingecremt werden. Wie sind Haare, Augen, Kopf vor der Sonne zu schützen? Ist Vorbräunen sinnvoll? Wie hilfreich ist Sonnenschutz per Tabletten?
Der richtige Umgang mit der Sonne ist heute unser Thema. Tipps gibt es von unserer Expertin Dorothee Köllner, Ärztin für Dermatologie und Ästhetische Medizin aus Mainz.
Informationen zu unserer Sendung:
Der richtige Umgang mit Sonnenlicht
Wenn die Sonne scheint ist unser Leben unbeschwerter. Der Körper schüttet das Glückshormon Serotonin aus und wir fühlen uns wohl. Wenn da nicht die UV-Strahlen wären. Denn unsere Haut reagiert auf sie hoch empfindlich. Zu viel Sonne macht die Haut krank und lässt sie altern.
Dagegen hilft eine Sonnencreme mit dem richtigen Lichtschutzfaktor und der hängt vom Hauttyp ab: Ein sehr hellhäutiger, rothaariger Typ kann die Sonne nur 5 Minuten ertragen, der blonde Typ 10 Minuten, der Mischtyp 30 und der dunkle Typ 40 Minuten. Was zeitlich darüber hinausgeht bedeutet Sonnenbrand.
Der richtige Lichtschutzfaktor muss her. Der zeigt an, wie lange der einzelne Hauttyp in der Sonne baden kann: Bei Lichtschutzfaktor 10 kann der sehr Hellhäutige und Rothaarige 10 Mal so lange in der Sonne liegen. Also statt nur 5 Minuten, 50. Danach raus aus der Sonne.
Wer lange draußen bleiben möchte, muss sich schon früh morgens für einen hohen Lichtschutzfaktor entscheiden. Ein Problem, die meisten Sonnenanbeter nehmen viel zu wenig Sonnenmilch. Die richtige Dosis für einen Erwachsenen ist: Vier bis zum Rand gefüllte Kronkorken für beide Beine; jeweils zwei für den Rücken und die Arme und einen halben fürs Gesicht. Insgesamt sind das 40 Milliliter Sonnencreme.
Im Kampf gegen die UV-Strahlen heißt das: Viel hilft viel.
Lichtschutzfaktor
Es gibt einen mittlerem Schutz, einen hohen und sehr hohen Schutz, d.h. Lichtschutzfaktor 15, 20, 30 und 50+. Der höchste Schutz ist jetzt 50+ und damit ist die Haut fast 98 Prozent vor Sonnenstrahlen geschützt. Mit dem Lichtschutzfaktor 50+ geht das Bräunen viel langsamer, dafür aber auch schonender. Das heißt aber nicht, dass man sich unendlich lange in die Sonne gehen soll; man sollte nur solange in die Sonne gehen, wie es zum Hauttyp passt.
Sonnenbrand schädigt die Haut
Ein Sonnenbrand ist eine akute Entzündung der Haut, ein "Hilfeschrei" sozusagen, denn es gehen Zellen kaputt und es bilden sich Blasen. Viele Sonnenbrände können später zu Hautkrebs führen.
Schutzfunktionen des Körpers
Durch die Bräunung der Haut entsteht - sofern die Bräune langsam erzielt wurde - die Bildung des Hautpigmentes Melanin, das die UV-Strahlen abblockt.
Die sogenannte "Lichtschwiele" ist ein weiterer natürlicher Schutzfaktor; sie entspricht der Verdickung der obersten Hornschicht unserer Haut. Sie kann sich um das 10 fache verstärken und verhindert so, dass die Strahlen ungehindert in tiefere Hautschichten vordringen. Allerdings braucht die Haut zum Aufbau dieser Schwiele 3-4 Wochen, also deutlich länger als unsere 14-tägigen Strandurlaube, in dem die oft noch blasse Haut im Schnellkurs zur Superbräunung gebracht werden soll.
Welche Körperteile sind unbedingt zu schützen?
Der Kopf: Ein Hut schützt vor einem Hitzeschlag. Man sollte darauf achten, dass der Hut oder die Kappe einen breiten Rand hat; ein Strohhut beispielsweise ist völlig unsinnig, da dieser die UV-Strahlen durchlässt.
Die Augen: Man sollte darauf achten, dass die Sonnenbrille eine UV-Schutztauglichkeit hat. Es besteht immer noch die irrige Meinung, dass dunkle Brillen besonders gut schützen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Bei Verdunkelung vergrößern sich die Pupillen, so dass mehr UV-Strahlung ins Auge gelangt.
Die Haare: Auch die Haare sollte man schützen; es gibt dafür bestimmte Shampoos mit UV-Schutz.
UV-A und UV-B Strahlen
Das UV-A Licht hat die Eigenschaft, tief in die Haut bis ins Bindegewebe einzudringen und zerstört so die Elastin- und Kollagenfasern. Dadurch kommt es zur vorzeitigen Hautalterung mit Faltenbildung und Elastizitätsverlust.
Das UV-B Licht wirkt dagegen an der Hautoberfläche und führt schnell zu einem Sonnenbrand und schädigt den Zellkern. Bei zu viel UV-B Strahlen wird man durch die Erwärmung der Haut gewarnt. Diese Warnmeldung des Körpers entfällt bei Wind und Kälte oder beim Aufenthalt im Wasser. Deshalb hat man beim Schwimmen oft Sonnenbrand am Rücken oder den Schultern.
Für eine Sonnencreme ist eine Kombination aus UV-A und UV-B Schutz das beste.
Vorbräunen per Solarium?
Das Vorbräunen per Solarium nützt wenig, es beschleunigt nur noch die Hautalterung. Ebenso wenig schützen die Selbstbräunungscremes. Auch ein Sonnenschutz durch Tabletten ist derzeit noch Utopie. Besser ist es, die Haut langsam an die Sonne zu gewöhnen.
Kleidung, die vor UV-Strahlen schützt
Das sind Kleidungsstücke, die aus Polyester, Lycra oder Dacron gewebt und mit Titan- bzw. Zinkoxyd beschichtet sind; diese Partikel reflektieren oder absorbieren die Strahlen. Die Kleidungstücke gibt es in Outdoor- bzw. Trekkingläden zu kaufen. Sie sind für Kinder geeignet oder Menschen, die im Freien arbeiten.
Es genügt auch normale Kleidung, wenn sie weit ist, von dunkler Farbe und dicht gewebt ist. Am wenigsten Licht durchlässig sind Polyester, Nylon, Wolle und Seide. Die höchste Lichtdurchlässigkeit besitzt Baumwolle, Viskose und Leinen. Die gleiche Textilie besitzt im nassen Zustand eine noch höhere UV-Durchlässigkeit. Das trifft z. B. beim Sport zu, wenn das T-Shirt vom Schweiß nass ist. Die UV-Durchlässigkeit ist dann um ca. 50 Prozent höher.
Schutz vor gefährlichen UV-Strahlen?
Der beste Schutz ist, man hält sich im Schatten auf, insbesondere in der Mittagszeit zwischen 12.00 Uhr und 15.00 Uhr. Auch im Schatten wird man braun. Denn der Sonnenschirm am Strand reduziert das UV-Licht um die Hälfte. Die andere Hälfte wird vom hellen Sand reflektiert. Außerdem gilt: 30 Minuten vor dem Sonnenbaden eincremen, damit die Creme ihre Wirkung richtig entfalten kann.
Letzte Änderung am: 20.05.2011, 23.32 Uhr