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Garten Unkrautbekämpfung

Wie man Wildkräuter erfolgreich beseitigt

aus der Sendung vom Dienstag, 28.4.2009 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Ende April - alles wächst und gedeiht im Garten. Die Blumen im Staudenbeet genauso wie der Rasen... und leider auch das Unkraut. Brennessel, Löwenzahn und Quecke schießen zu dieser Jahreszeit geradezu aus der Erde - so vital und durchsetzungsfähig sind diese und andere Wildkräuter, dass man als Hobbygärtner kaum mit dem Beseitigen nachkommt.

Damit das Unkraut nicht ganze Gartenecken zuwuchert, sollte man ihm rechtzeitig Einhalt gebieten. Wie das erfolgreich, umwelt- und rückenschonend geht, weiß Heike Boomgaarden.

Die SWR-Gartenexpertin und Pflanzendoktorin aus Rheinböllen im Hunsrück bringt viele praktische Tipps mit ins Studio.

Informationen von Heike Boomgaarden:

Unkräuter sind Wildkräuter, d.h. sie sind Wildformen von krautigen Pflanzen, züchterisch nicht verändert, sehr robust und vital. Sie setzen sich an Standorten durch, die ihnen ideale Bedingungen bieten. Im Vergleich dazu haben es Zierpflanzen oft schwer, sich zu behaupten: Manche sind anfällig, weil überzüchtet; andere stehen am falschen Standorten. Und sie sind in der Regel nicht so auf das "sich Vermehren" über Samen oder Wurzelausläufer eingestellt wie die wilde Konkurrenz.

Unkräuter oder Wildkräuter haben ganz viele positive Eigenschaften, die man sich im Garten zu nutze machen kann. Sie sind z. B. Zeigerpflanzen, die uns Auskunft über den Zustand des Bodens und der Standortbedingungen geben.

Wildkräuter als kulinarischer Genuss
Einfach drauf los sammeln und essen sollte man sie nicht. Es gibt zwar sehr viele roh genießbare Wildkräuter, die köstlich schmecken. Aber man muss genau wissen, welche das sind. Brennnessel, Löwenzahn, Bärlauch oder Gänseblümchen sind die bekanntesten – da kann man nichts falsch machen. Aber es gibt auch Giftpflanzen. Deshalb: Nur sammeln, was man kennt. In bebilderten Pflanzenführern nachlesen oder einen Wildkräuter-Kurs besuchen.

Viele Wildkräuter haben erstaunlich nützliche Eigenschaften – sie sind Bodendecker, Bienenweide oder Unterschlupf für Nützlinge. Und dennoch: Es gibt Stellen im Garten, da möchte man das Kraut einfach nicht haben. Im Staudenbeet oder im Rasen steht Unkraut einfach am falschen Platz. Dort sollte man ihm möglichst früh zu Leibe rücken, bevor das Unkraut Samen bildet und verbreitet. Denn allein ein Löwenzahn hat bis zu 3.000 Samen, das Franzosenkraut bis zu 300.000. Und sind die Samen erst mal im Garten, können sie dort viele Jahre überdauern, bis sie aufgehen. Die Samen der Vogelmiere halten es am längsten aus - mit bis zu 60 Jahren.

Samen bilden alle Unkräuter aus. Ganz schlimm sind die, die sich auch zusätzlich über unterirdische Wurzelausläufer ausbreiten. Die bekanntesten Wurzel-Unkräuter sind Giersch, Quecke, Disteln, Große Brennnessel, Löwenzahn und Ackerschachtelhalm. Sie sind besonders schwierig zu vertreiben, weil sie mit Stumpf und Stiel, sprich mit der ganzen Wurzel entfernt werden müssen. Bleibt nur ein kleines Wurzelstück in der Erde, entwickeln sich daraus wieder neue Pflanzen.

Wurzelunkräuter im Garten
Es ist mühselig gegen sie vorzugehen; aber in Beeten gelingt das am besten mit Handarbeit: Den Boden schon im März bei den ersten Anzeichen für Unkräuter lockern und dabei die kleinen Unkräuter samt Wurzeln aus der Erde ziehen. Das geht im zeitigen Frühjahr relativ einfach, wenn die Wurzeln noch klein sind. Das Ganze im Mai wiederholen. Dann mit der Hacke abstechen und samt Wurzeln entfernen.
Im Rasen: Wurzelunkräuter vor jeder Blüte mähen. Dann verbreiten sie sich zumindest nicht noch über die Samen.

Stark verunkrautete Fläche
Die Fläche erst einmal ein Jahr lang brach liegen lassen, also nicht bepflanzen. Den Boden mit einer schwarzen, lichtdichten PE-Folie abdecken. Wo kein Licht ist, da wachsen auch die Unkräuter nicht. Im folgenden Jahr den Boden stark mit der Hacke bearbeiten und die abgestorbenen Unkräuter gründlich entfernen. Erst danach die Erde tiefer auflockern und neu bepflanzen.

Vorbeugende Maßnahmen
Ganz unterdrücken lässt sich Unkraut nicht. Aber Mulch- oder bodendeckende Pflanzen sind eine gute Vorbeugung, die den Unkrautbewuchs deutlich mindert.
Für Bäume gibt es extra Mulchscheiben aus Kokos- oder Holzfaser bzw. Press-Span, die man auf die Erde rund um den Stamm gelegt. Bei trockenen Freiflächen, wie z. B. einem Steingarten, kann man auch mineralische Abdeckungen nehmen – also Lava-, Splitt- oder Blähschiefer. 3-5 cm Schichtstärke sind nötig, um Unkraut erfolgreich zu unterdrücken.

Technische Hilfsmittel
Mulch hilft allerdings nicht, wenn das Unkraut aus den Fugen von Terrassen- oder Wegen wächst. Und dort stört es meistens ganz besonders. Praktisch ist hier eine Drahtfugenbürste; einfach auf einen normalen Besenstil aufsetzten, so dass man sich nicht bücken muss. Mit relativ geringem Kraftaufwand bürstet man Moos und Wildkräuter damit weg; die ist vor allem für kleinere Flächen geeignet.
Das kostet ca. 10-20 Euro im Gartenfachhandel. Wem das zu anstrengend ist, das gibt es auch mit Elektromotor. Die Kosten dafür ca. 50-60 Euro.

Wenn die Fläche größer ist, z. B. bei einer Terrasse oder einem gepflasterter Hof, arbeitet man besser mit heißem Wasserdampf. Der wird auf die unerwünschte Pflanze gesprüht. Der Wasserdampf zerstört die Pflanzenzellen und den Vegetationspunkt, an dem die Pflanze sonst immer wieder neu austreibt und wächst. Die Wirkung kann man schon nach ein paar Minuten sehen; das Pflanzengewebe färbt sich dunkel, vertrocknet später und zerfällt und lässt sich dann einfach entfernen. Ein weiterer Vorteil: Ein Großteil der Samen, die sich auf dem Boden befinden sind nach der Behandlung nicht mehr keimfähig. Die Prozedur muss allerdings mehrmals in der Gartensaison wiederholt werden. Die Handgeräte kosten im Gartenfachhandel ca. 50-100 Euro.

Abflammgeräte eignen sich zur Unkrautbekämpfung auf kleineren Flächen, z.B. an Wegkanten, aber auch in Staudenbeeten. Die Flamme zerstört ähnlich wie der heiße Dampfstrahl das Gewebe der Pflanze. Das Unkraut welkt schnell, wird braun und lässt sich leicht entfernen – auch hier werden die Flugsamen durch die Hitze zerstört. Wem die offene Flamme nicht ganz geheuer ist: Es gibt inzwischen neue Geräte mit Infrarot-Wärme-Strahlung, die einen ähnlichen Effekt haben. Ihr Vorteil: Sie treffen die Pflanzen gezielter und verbrauchen deshalb weniger Gas. Anderen Pflanzen schadet das nicht, solange sie nicht direkt von der Energie getroffen werden. Auch die Bodenlebewesen werden nicht beeinträchtigt, da die Wärmeenergie nicht tief genug in die Erde eindringt. Die Kosten für dieses Infrarotgerät ca. 150 Euro plus Gaskartuschen.

Und ansonsten hilft bei aller Technik nur, aus dem Boden stechen und entfernen oder aber mit dem Unkraut leben, mit einem Teil zumindest.

Letzte Änderung am: 20.03.2009, 23.59 Uhr

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