aus der Sendung vom Mittwoch, 1.4.2009 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Erst wenn sie ihn nicht mehr haben, merken die meisten Patienten, wie wichtig er ihnen war: Der Geruchssinn. Jährlich erkranken in Deutschland einige zehntausend Menschen an Riechstörungen.
Wer nichts mehr riechen kann, verliert eine ganze Palette an Sinneserfahrungen: Das Essen schmeckt nicht mehr, weil wir das meiste über die Nase riechen und schmecken, in Folge kommt es zu Mangelernährungserscheinungen und oft auch Depressionen. Die Betroffenen können den eigenen Körpergeruch nicht mehr wahrnehmen, was zu Verunsicherungen führt, und auch nicht mehr den seiner Kinder oder seines Partners, auch Sex macht dann weniger Spaß.
Nicht zuletzt dient uns die Nase auch als Vorwarnsystem: Für verdorbenes Essen genauso wie für Rauch und Feuer - viele Anosmie-Patienten haben deshalb große Angst vor Feuer. Die meisten Riechstörungen sind jedoch vorübergehend, dauern im Anschluss an eine Grippe oder schwere Erkältungserkrankung nur wenige Wochen. Dauert eine Riechstörung länger, sind umfangreiche Untersuchungen nötig, denn im schlimmsten Fall könnte sie auch auf eine neurologische Erkrankung hinweisen, etwa Parkinson oder Alzheimer.
Meist liegt die Ursache jedoch in der Nase selbst: Allergie, chronische Sinusitis oder Polypen können zu Riechstörungen führen, die behebbar sind. Bei einem Schädel-Hirn-Trauma kann der Geruchssinn aber auch für immer verloren gehen. Unser Experte Dr. Boris Haxel von der Universitätsklinik in Mainz stellt Ursachen, Behandlungs- und Untersuchungsmethoden vor.
Eine Riechstörung bedeutet für die Patienten eine erhebliche Einschränkung ihrer Lebensqualität: Denn unser Riechsinn hängt eng mit dem Schmecksinn zusammen – mit der Zunge können wir nur die 5 Grundgeschmacksrichtungen wahrnehmen – süß, sauer, bitter, salzig und umami, letzteren Geschmack würde man als „herzhaft“ bezeichnen – komplexere Geschmacksrichtungen wie z.B. einen Gänsebraten oder Kräuter können Patienten mit komplettem Ausfall des Geruchssinns nicht mehr wahrnehmen, das heißt, die meisten verlieren auch den Spaß am Essen, magern ab, viele leiden an Depressionen. Ernst zu nehmen hat man die Erkrankung in jedem Fall, denn sie kann auch auf eine Erkrankung hinweisen, die Ursache für die Riechstörung ist, dies ist in der überwiegenden Anzahl der Fälle eine chronisch-entzündliche Erkrankung im Bereich der Nasenebenhöhlen, eine Allergie oder ein akuter Virusinfekt. Allerdings können auch Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder eine Mangel- oder Fehlernährung zu einer Beeinträchtigung des Riechvermögens führen, selten kann es auch der Vorbote einer neurologischen Krankheit wie Alzheimer oder Parkinson sein. Es könnte im schlimmsten Fall sogar eine Tumorerkrankung vorliegen, das gilt es also genau abzuklären – eine Riechstörung, die länger als wenige Wochen dauert, sollte man unbedingt Ernst nehmen und damit zum HNO-Arzt oder Neurologen gehen.
Man unterscheidet den völligen Verlust des Riechvermögens, die Anosmie, von dem teilweisen Verlust, der Hyposmie. Bei anderen Störungen werden Gerüche verändert wahrgenommen, da sprechen wir dann von Parosmie, hier werden Gerüche „falsch interpretiert“, meist sind diese Wahrnehmungen dann eher unangenehm, das können auch Gerüche sein, die früher als angenehm wahrgenommen wurden und ist für die Patienten auch sehr belastend
Typische Ursachen sind Virus-Erkrankungen, z.B. Grippe, dann kann die Störung auch mal vorübergehend sein, die Viren können aber auch die Riechschleimhaut dauerhaft schädigen, dann kann eine medikamentöse Therapie z.B. mit Kortison versucht werden, denn die Schleimhaut kann sich auch wieder regenerieren, das kann aber 1-2 Jahre dauern. Eine weitere Ursache können Schädelverletzungen sein, die man sich bei einem Sturz oder durch einen Schlag auf den Kopf zugezogen hat. Da kann das Riechvermögen möglicherweise für immer eingebüßt werden, allerdings gibt es auch in solchen Fällen Spontanheilungen, selbst nach längeren Zeiträumen, denn auch hier können die Riechzellen sich regenerieren. Weitere häufige Ursachen sind Erkrankungen der Nasennebenhöhlen oder Störungen im Hormonhaushalt. Liegen Nasenpolypen, Allergien oder chronische Nasennebenhöhlenentzündungen vor, kann die Behandlung dieser Grunderkrankungen die Riechstörung auch bessern oder sogar beheben.
Lokal wirksame Medikamente können bei chronisch entzündlichen Erkrankungen oder Allergien auf die Nasenschleimhäute aufgebracht werden. Gegebenenfalls können operative Eingriffe helfen, wenn die Ursache Nasenpolypen oder eine Verbiegung der Nasenscheidewand sind. Sind Medikamente die Ursache, kann das Weglassen, der Ersatz oder die Anpassung der Medikamentendosis eine Verbesserung bewirken. Auch das sogenannte „Riechtraining“, bei dem der Betroffene regelmäßig aktiv „schnüffelt“, scheint eine Regeneration der Riechschleimhaut zu fördern.
Letzte Änderung am: 20.03.2009, 23.30 Uhr