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Gesundheit Stummer Infarkt

aus der Sendung vom Mittwoch, 4.3.2009 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Ein brennender, drückender Schmerz zieht durch den vorderen linken Brustbereich, strahlt aus in den linken Arm. Der Patient fühlt massive Beklemmung, Enge, Todesangst, er gerät in Atemnot. So sieht die Lehrbuchversion des Herzinfarkts aus. Sie trifft allerdings nur für höchstens zwei Drittel der Betroffenen zu.

Die anderen spüren Unwohlsein, Übelkeit, ein Ziehen im Rücken. Oder nichts. Ihr Infarkt verläuft "stumm". Ohne Herzschmerz aber ist der Infarkt noch tückischer als ohnehin, denn die Behandlung setzt viel zu spät ein - manchmal auch gar nicht. Mit dem vernarbten Herzmuskel aber verkürzt sich die Lebenserwartung dramatisch.

Wer ist besonders gefährdet? Was kann man tun, wenn man einen stummen Infarkt erlitten hat? Wie kann man sich schützen? Darüber sprechen wir mit dem Kardiologen Prof. Thomas Münzel, der ihre Fragen beantworten wird.

Stummer Infarkt

Gefährdet sind vor allem Diabetiker - und das gleich doppelt: Diabetiker haben ein vier- bis sechsmal höheres Risiko als andere, einen Herzinfarkt zu erleiden. Die hohen Blutzucker- und Insulinspiegel schädigen die Blutgefäße.

Noch schlimmer wird es durch die Nervenschäden, die circa 50 Prozent der Zuckerkranken entwickeln. Schmerzreize werden nicht mehr ans Rückenmark weitergeleitet, die schmerzleitenden Bahnen zum Gehirn sind für das periphere Nervensystem gekappt. Bekannt ist dies vom "diabetischen Fuß". Ähnlich sieht es bei diabetischen Herzpatienten aus. Bei ihnen versagt häufig das Frühwarnsystem für einen Infarkt. Schmerzhafte Angina-Pectoris-Attacken, die einem Infarkt oft vorausgehen und die viele Patienten frühzeitig zum Arzt treiben, verspürt der Diabetiker dann genauso wenig wie den Infarkt selbst. Er hat in der Regel nur unspezifische Symptome wie Luftnot oder auch einen Leistungsknick (komplett beschwerdefrei sind sie nicht) Man muss Diabetiker zusätzlich untersuchen, um rauszubekommen, ob ihr Herz durch einen Infarkt geschädigt ist.

Ähnlich bedroht, einen stummen Infarkt zu erleiden, sind Frauen. Frauen haben oft nicht die typischen Beschwerden eines Herzinfarktes. Sie leiden eher unter Übelkeit, Erbrechen oder Verspannungen, die leicht Magen-Darm-Problemen beziehungsweise orthopädischen Verschleißerscheinungen zugeordnet werden, als den typischen Infarkt-Symptomen.

Weil die in diesen unbemerkten Fällen notwendigen ärztlichen Maßnahmen ausbleiben und Risikofaktoren nicht nachhaltig ausgeschaltet werden, steigt die Gefahr, einen zweiten Infarkt zu erleiden, der um so gefährlicher ist und schnell in einen akuten Verlauf münden kann. 

Letzte Änderung am: 20.02.2009, 23.26 Uhr

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