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Geld & Arbeit Mobbing

aus der Sendung vom Montag, 16.2.2009 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Stellen Sie sich vor, Ihre Kollegen grüßen Sie nicht, nehmen Sie nicht mehr mit in die Kantine und stecken die Köpfe zusammen, sowie Sie auftauchen. Normales Kollegengezicke oder schon Mobbing?

Die Grenzen können fließend sein, doch wenn über einen längeren Zeitraum eine Person systematisch ausgegrenzt wird, Gerüchte über sie in Umlauf kommen und ein ganzer Kollegenkreis anfängt, sie zu schikanieren, kann man getrost von Mobbing sprechen.

Bossing nennt man es, wenn das Mobbing vom Chef ausgeht: Er kann seinen Mitarbeiter schikanös unter- oder überfordern, ihn von der Kommunikation abschneiden und systematisch aus dem Job drängen, indem er ihm beispielsweise gar keine Arbeit zuteilt.

Mobbing nimmt in Zeiten wirtschaftlichen Drucks zu, es soll sogar Firmen geben, die über Mobbing Arbeitsplatzabbau betreiben: Eine Kündigung oder ein Auflösungsvertrag können am Ende eines monate- oder jahrelangen Leidensweges stehen. Die Ursachen von Mobbing sind genauso vielfältig wie seine Formen. Zugrunde liegt oft ein ungeklärter Konflikt, der eskaliert.

Offen über Konflikte kommunizieren und diese klären, kann also Mobbing entgegen wirken. Christiane Gerhardt vom Mainzer Verein "Hilfe bei Mobbing" gibt Tipps, wie sich ein Mobbing-Opfer sinnvoll zur Wehr setzen und wo es Hilfe bekommen kann. Diese kann von einer unterstützenden Selbsthilfegruppe über eine therapeutische Beratung bis hin zum rechtsanwaltlichen Beistand in Arbeitsprozessen gehen.

Denn es gibt auch eine gute Nachricht: Niemand muss Mobbing hilflos ausgeliefert sein. Der Arbeitgeber hat seinen Angestellten gegenüber sogar eine Fürsorgepflicht, die im schlimmsten Fall einklagbar ist. Wer sich Mobbing ausgesetzt fühlt, sollte in jedem Fall Hilfe suchen und in einem Tagebuch dokumentieren, was im Einzelnen vorgefallen ist, rät unsere Expertin. Live in der Sendung kümmert sie sich auch um Ihre Fragen.


Informationen von Christiane Gerhardt:

Erklärung von Mobbing

Man spricht von Mobbing, wenn das ganze über einen längeren Zeitraum geht und auch mit System passiert. Also wenn Konflikte länger als ein halbes Jahr anhalten und auch keine Lösung in Sicht kommt. Meistens geht es beim systematischen Schikanieren darum, dass mehrere Kollegen einen fertig machen oder auch der Vorgesetzte sich einen Kollegen rauspickt, den er systematisch drangsaliert. Mobbing überschreitet einen normalen Konflikt, weil es nicht um Meinungs- oder Interessenskonflikte geht, sondern um Meinungs- und Stimmungsmanipulation konkret gegen eine Person. Das Ziel dabei ist, das soziale Ansehen des Mitarbeiters zu demontieren, seine kommunikativen Möglichkeiten zu beschränken, ihn in der Bewältigung seiner Arbeitsaufgaben zu behindern bis hin zu seiner Entfernung vom Arbeitsplatz.

Wie kann man sich zur Wehr setzen?

Als erstes muss man erst mal erkennen, hier ist ein Mobbing gegen mich am Laufen. Dieser Schritt ist oft für Mobbing-Opfer schon sehr hilfreich, denn die meisten schlagen sich erst mal mit Schuldgefühlen rum, nach dem Motto, was mache ich falsch? Arbeite ich nicht gut genug? Bin ich nicht leistungsfähig genug u.sw. Das ist ja das Perfide am Mobbing, dass das Opfer das Gefühl vermittelt bekommt, mit dir stimmt was nicht. Erst wenn es einem gelingt, zu erkennen, dass man gemobbt wird, kann man auch etwas dagegen tun.
Das erste wozu wir in unserer alltäglichen Praxis raten, ist, ein Mobbing-Tagebuch zu führen, um konkret etwas in der Hand zu haben. Darin sollten durchaus auch persönliche Gefühle notiert werden, denn es ist auch wichtig, wie geht es mir in diesen Situationen? Dann sollten Betroffene natürlich den Betriebsrat einschalten, wenn es einen gibt, oder den Vorgesetzten informieren. Ist der Vorgesetzte selbst der Mobber, wendet man sich an den höher gestellten Vorgesetzten. Das ist aber für viele Betroffene auch schon eine ziemliche Hürde, bei der sie möglicherweise Unterstützung brauchen.

Kann Mobbing in die Arbeitslosigkeit führen?

Es kann passieren, dass am Ende eines Mobbing-Prozesses eine Kündigung steht. Es gibt sogar Firmen, die bewusst mit Mobbing Arbeitsplätze abbauen – entweder das Mobbing-Opfer kündigt irgendwann entnervt von selber oder es wird unter absurden Vorwänden ein Grund gefunden, mit dem das Mobbing-Opfer dann aus seinem Job gedrängt wird. Es gibt sogar Chefs, die Privatdetektive auf ihre Opfer ansetzen, um dann dort einen Grund für eine Kündigung zu finden.

Ist eine Klage zu empfehlen?

Man kann und sollte in so einem Fall klagen, es kann ohnehin sein, dass ein Mobbingfall ohne rechtsanwaltlichen Beistand nicht zu klären ist, gerade wenn ungerechtfertigte Kündigungen ausgesprochen werden. Die Frage ist im Einzelfall jedoch oft, halte ich das aus? So ein Arbeitsprozess kann sich über Monate hinziehen und natürlich ist die Situation am Arbeitsplatz dann oft unerträglich. Damit will ich niemanden abschrecken zu klagen, im Gegenteil, man soll sein Recht durchsetzen. Allerdings sind Mobbing-Opfer oft schon psychisch so angeschlagen, dass ein Arbeitsprozess sehr belastend wirkt.
Das Mobbing ist sehr belastend für die Opfer, viele werden krank, verlieren völlig ihre Motivation und sind dann auch tatsächlich nicht mehr belastbar, weil sie durch das Mobbing ihr Selbstvertrauen verlieren. Die psychische Belastung ist enorm hoch und natürlich spielen Psyche und Körper da zusammen.

Adressen:

Selbsthilfekontaktstellen:

KISS Mainz

Kontakt- und Informationsstelle Selbsthilfe
Eine Einrichtung des PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverbandes –
Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland e.V.
Rathaus, Zimmer 108
Am Rathaus 1
55116 Mainz
Telefon: 06131 – 210 772 und 06131 – 210 774
Telefax: 06131 – 210 773
E-mail: Christiane.Gerhardt@kiss-mainz.de
Internet: www.kiss-mainz.de

Büro Region Bad Kreuznach KISS Mainz / Region Bad Kreuznach
"Die Mühle"
Mühlenstraße 23
55543 Bad Kreuznach
Telefon: 0671 – 9200416
Telefax: 0671 – 9200422
E-mail: kiss-badkreuznach@die-muehle.net

KISS Pfalz, Selbsthilfetreff Pfalz e.V.

Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe
Speyerer Straße 10
67483 Edesheim
Telefon: 06323 - 989924
Telefax: 06323 - 7040750
E-Mail: selbsthilfetreff.pfalz@t-online.de
Internet:
www.kiss-pfalz.de
www.selbsthilfetreff-pfalz.de

SEKIS Trier

Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle e.V. Trier
Franz-Georg-Str. 36
54292 Trier
Telefon: 0651 - 141180
Telefax: 0651 - 9917688
E-Mail: Kontakt@sekis-trier.de
Internet: www.sekis-trier.de

WeKISS Westerwälder Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe

Eine Einrichtung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes – Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland e.V.
Paritätisches Zentrum
Neustrasse 34
56457 Westerburg
Telefon: 02663 - 2540 und 2530
Telefax: 02663 - 2667
E-Mail: wekiss@gmx.de
Internet: www.wekiss.de

NEKIS, Neuwied

Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe
Heddesdorfer Str. 5
56564 Neuwied
Telefon: 02631 - 803 797
Telefax: 02631 - 987 575
E-Mail: nekis.caritas@kreis-neuwied.de
Internet: www.nekis.de

Letzte Änderung am: 10.02.2009, 18.16 Uhr