aus der Sendung vom Donnerstag, 12.2.2009 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Kurz vor dem Jahreswechsel hat die Bahn wieder einmal die Preise erhöht. Im Schnitt ist Bahnfahren seitdem knapp vier Prozent teurer geworden. Begründet hat die Bahn die Erhöhung vor allem mit den gestiegenen Energiepreisen. Kritiker weisen darauf hin, dass die Energiepreise gerade in der Zeit um den Jahreswechsel so niedrig waren wie lange nicht. Und sie befürchten, dass die erneute Preiserhöhung viele Fahrgäste vom Zug- zum Autofahren bewegen wird.
Doch auch, wer gerne Bahn fährt oder einfach auf dieses Transportmittel angewiesen ist, muss keinesfalls tatenlos und zähneknirschend teure Preise hinnehmen. Wer mit der Bahn fährt, hat nämlich viele Möglichkeiten, Ticketkosten zu senken: Man muss sie nur kennen. Aber wie finde ich mich als Kunde zurecht im Tarifdschungel der Bahn? Für wen lohnt sich welche Bahncard? Was sollte ich beim Ticketkauf beachten?
Diese und andere Fragen beantwortet unser Experte Ulrich Vogel vom Fahrgastverband "Pro Bahn". Außerdem zeigt unser Filmbeispiel im direkten Vergleich zwei Möglichkeiten, von A nach B zu reisen: Einmal schnell und relativ teuer, einmal gar nicht viel langsamer und deutlich billiger. Zusammen mit dem Moderator Holger Wienpahl beantwortet unser Experte auch Ihre Fragen - wie immer live in der Sendung.
Informationen von unserem Experten Ulrich Vogel:
Wer schon einmal mit der Bahn gefahren ist, weiß, dass es dort sehr unterschiedliche Tarife gibt. Das Tarifsystem der Bahn ist grundlegend sehr verwirrend; die Regel-Fahrpreise haben ein abschreckend hohes Niveau, zusätzlich wird beim Regelfahrpreis nach Kopfzahl gerechnet. Als Ausgleich gibt es zahlreiche – für Kunden und Verkaufspersonal – unübersichtliche Ermäßigungen und Sonderregelungen. Der Durchschnittserlös je Fahrgast wird so nicht wesentlich höher als bei insgesamt niedrigeren Regel-Fahrpreisen ohne Ausnahmen und Rabattaktionen, dafür wächst der Frust der Kunden, und viele fragen sich, ob sie in dem Preiswirrwarr überhaupt das günstigste Angebot gebucht haben.
Das führt dazu, dass sich die Tickets in diesem Tarifwirrwarr nicht gut eignen, automatisiert verkauft zu werden. Nur einfache Tarife sind gut über Automaten und im Internet verkaufbar. Dennoch zwingt die Bahn den Kunden zunehmend dazu, zum Automaten zu gehen oder im Internet zu buchen.
Günstig unterwegs in Rheinland-Pfalz und Umgebung
Wir empfehlen den Fahrgästen, genau zu beachten, auf welchen Strecken das Rheinland-Pfalz-Ticket gilt, zum Beispiel auf der linken Rheinstrecke bis Bonn Hauptbahnhof, auf der rechten Rheinstrecke zwischen Kaub und Wiesbaden – Mainz und in Baden-Württemberg über Mannheim – Schwetzingen bis Karlsruhe. Alle diese Ziele liegen nicht in Rheinland-Pfalz, trotzdem ... Wer nicht im Bereich des ganzen gesamten Landes unterwegs ist, sollte die Angebote der Verkehrsverbünde beachten, die preiswerte Tages- und Familien-Tageskarten anbieten und oft große Gebiete abdecken (Verkehrsverbund Rhein-Neckar bis Würzburg).
Auch das gute alte Wochenendticket gibt es noch; damit kann man für 37 bzw. 39 Euro mit 5 Personen auch über Rheinland-Pfalz hinaus fahren, aber eben auch nur Nahverkehrszüge nutzen.
Spontan, ohne Vorausbuchung und Vorab-Festlegung auf bestimmte Züge, reisen Fahrgäste ohne BahnCard nur im Regionalverkehr wirklich günstig.
Weitere Strecken
Für weitere Strecken beziehungsweise für die Züge des Fernverkehrs werden Sparpreise (Sparpreis 25 und 50, d.h. die Ermäßigungsstufen) angeboten, neuerdings auch das Angebot "Dauer-Spezial", das günstige Festpreise bietet. Das Problem ist, dass man sich auf einen Zug festlegen muss und dass diese Tickets Wochen, manchmal Monate voraus ausgebucht sind, besonders auf den "Rennstrecken" der Wochenendpendler.
Die Sparpreise sind mit der BahnCard 25 kombinierbar, da spart man dann noch einmal. Den Mitfahrer-Rabatt von 50 Prozent ab der 2. Person gibt es nur noch bei den Sparpreisen, bei den Normalpreisen und "Dauer-Spezial" richtet sich der Fahrpreis stattdessen allein nach der Kopfzahl. Diese Preisgestaltung kann natürlich nicht gegen den Pkw konkurrieren.
Für wen lohnt sich die BahnCard?
Es gibt die BahnCard 50 für 225 Euro und die BahnCard 25 für 57 Euro – mit der einen kostet die Fahrt die Hälfte mit der anderen ein Viertel.
Für Wenigfahrer passt die BahnCard 25, ebenso wer überwiegend im Regionalverkehr innerhalb der Verkehrsverbünde ohne Zeitkarte unterwegs ist. Die BahnCard 25 ist mit den Sparpreisen und – befristet – mit dem "Dauer-Spezial" kombinierbar (Achtung: Zugbindung). Für Vielfahrer ist die BahnCard 50 die erste Wahl, ebenso für Kurzentschlossene: Ab Fahrtkosten von etwa 450 Euro kann man damit sparen. Nicht zu vergessen die BahnCard 100 (Jahresnetzkarte) für Power-Nutzer und Fernpendler. Zwar erscheint der Preis von 3.650 € im Jahr (2. Klasse) zunächst abschreckend hoch, dafür gilt sie auch im Nahverkehr der meisten Großstädte, so dass sie z.B. für einen Fernpendler von Koblenz oder Ludwigshafen nach Frankfurt, der auch U-Bahn oder Stadtbus benutzen muss, ein günstiges Angebot ist.
Jugendliche, Senioren und Lebenspartner von BahnCard-Besitzern bekommen Rabatte auf den Anschaffungspreis der BahnCard. Kinder unter 15 Jahren fahren in Begleitung von Eltern oder Großeltern kostenlos, aber Vorsicht, das gilt nicht beim "Dauer-Spezial", hier gibt es keinerlei Kinder-Ermäßigung. Wenn Kinder unter 15 Jahren alleine unterwegs sind, gibt es 50 Prozent Rabatt.
Weitere Tipps
Nehmen Sie eher mal IC statt den ICE, das ist fast genauso schnell, aber oft deutlich billiger. Es gibt häufig Preisvorteile, wenn Sie Ihre Tickets am Automaten oder im Internet kaufen, statt am Schalter. Aber das hat auch wieder Nachteile, weil so die Schalter weiter abgebaut werden: So kostet das RLP-Ticket am Schalter 2 Euro mehr als am Automaten. Das ist gerade da ärgerlich, weil es den Schalterbetrieb zusätzlich schädigt, da das RLP-Ticket sehr einfach zu verkaufen (nämlich nicht besonders beratungsintensiv) ist. Das gräbt den Schaltern "das Wasser ab".
Achten Sie auf Angebote von Reiseveranstaltern und Hotelketten, die oft zu Übernachtungen an Wochenenden sehr günstige Bahn-Pauschaltickets anbieten. Solche Angebote finden Sie im Internet und an großen Bahnhöfen.
Letzte Änderung am: 30.01.2009, 23.37 Uhr