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Essen & Trinken Naturkorken - nein Danke?

aus der Sendung vom Freitag, 6.2.2009 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Die Rinde der Korkeiche war über Jahrhunderte selbstverständlicher Bestandteil der Weinkultur. Schließlich galt Kork als einzig denkbarer Verschluss für Wein. Ein Bedarf andere Möglichkeiten Flaschen zu verschließen existierte nicht.

Inzwischen diskutieren Weinkenner und Winzer, Weinhändler und Kellerei-Geschäftsführer über ein Für und Wider des Naturkorkens: der Streit begann, als die ersten Spitzenweine mit Alternativen auf den Markt kamen. Denn mittlerweile gibt es Alternativen: Schraubverschlüsse, Kronkorken, Kunststoffstöpsel oder ein Verschluss aus Glas, sie alle werden eingesetzt.

Immerhin verwenden geschätzte 80 Prozent aller Weingüter zumindest für einen Teil ihrer Abfüllung Schraubverschluss oder Kunststoffkork. "Nostalgischer Plopp" oder "reintöniger" Wein oder doch beides? Werner Eckert weiß Rat.

Informationen von Werner Eckert:

Korkgeschmack – und wie damit umgehen?

Es ist eine unendliche Geschichte: Der Korkgeschmack im Wein. Jahrzehnte, ja Jahrhunderte haben die Weinfreunde mit dem Korken aus der Rinde der Korkeiche gelebt. Und nach wie vor gilt, das ist ein guter Verschluss. Ein Naturprodukt, das auch auf Dauer dicht ist.
Sein Nachteil, er ist nicht völlig geschmacksneutral. Er kann dazu beitragen, dass sich im Wein Trichloranisol bildet. Das ist der Stoff, der den charakteristischen Korkton verursacht. Der ist manchmal stärker zu riechen, manchmal stärker zu schmecken. Meist beides. Der Geruch ist eben der von nassem, muffigem Kork, im Mund kommt ein bitterer, astringierender Ton dazu, der die anderen Aromen überlagert. Jedenfalls hat die Frucht des Weins keine Chance dagegen.

TIPP 1:

Der Weinfreund übrigens kann "echte" Korkschmecker recht einfach von Fehltönen im Wein selbst unterscheiden. Dazu gießt man Wasser in den Wein. Das lässt den Korkton – wenn es denn einer ist – deutlicher hervortreten. Am Kork selbst zu riechen ist übrigens nur bedingt sinnvoll. Meine Erfahrung, wenn schon der Kork stinkt, dann tut es der Wein bestimmt. Das Problem sind die subtileren Fehler, die man am Kork selbst nicht riechen kann.

TIPP 2:

Den Korken nie in eine geöffnete Flasche stecken. Beobachten Sie sich selbst. Sie werden – weil das leichter geht – immer die alte Oberseite des Korken nach unten tun. Damit aber kommt der Wein in Kontakt mit der "schmutzigen" oberen Seite, die nicht selten Schimmelpilze trägt.
Die Quote der "Korkschmecker" wird zwischen 3 und 10 Prozent beziffert. Und wahrscheinlich hat sie in den vergangenen Jahren gar nicht zugenommen. Aber die Empfindlichkeit, nicht nur die der Weintrinker, sondern vor allem die der Winzer. Bei denen ist eine Schmerzschwelle erreicht. Vor allem, weil sie sich mit Reklamationen schwer tun.
Wenn sie die Weine (auch in Streitfällen, über die man diskutieren kann) nicht zurücknehmen, dann verlieren sie Kunden und haben schnell einen schlechten Ruf. Tun sie es aber, dann kann das ein herber wirtschaftlicher Verlust sein. Deshalb setzen sie zunehmend Alternativ-Verschlüsse ein.

Verschiedene Verschlüsse

Der Drehverschluss wie wir ihn von Saftflaschen kennen, ist eigentlich ideal – sagen Wissenschaftler. Dicht (höchstens ein bisschen zu dicht, wenn es um Weine geht, die sich entwickeln müssen), einfach zu handhaben, wiederverschließend.
Der Kronkorken ist auch nicht schlecht.
Kunststoff-Pfropfen, die Korken nachahmen, sind schon ziemlich verbreitet. Oft werden sie gar nicht als solche erkannt. Sie sind in der Farbe auf das Naturmaterial abgestimmt und man kann ihnen auch mit dem Korkenzieher zu Leibe rücken. Für frische, junge und ohnehin nicht zur Lagerung bestimmte Weine sind sie gut geeignet. Sie sind allerdings nicht auf lange Zeit wirklich dicht. Da fehlen noch Langzeit-Erfahrungen aber sie lassen wohl nach zwei, drei Jahren deutlich mehr Luft durch als Korken.
Neu ist ein System, bei dem ein Glasstöpsel in die Flasche gesteckt wird. Die Idee hat Tradition. In früheren Jahrhunderten gab es durchaus Stöpsel, die entweder an der Flasche festgebunden wurden oder aber so genau eingeschliffen waren, dass sie dicht wurden. Dieses Prinzip kennen wir aus Labors und dem Parfüm-Bereich. Auch manche Karaffen bieten solche Verschlüsse. Sie sind allerdings sehr aufwändig, passen nur wenn auch die Flaschen exakt ausgeschliffen sind und das ganze ist für die Massen-Anwendung im Grunde nicht geeignet.
Die moderne Variante ist der Vino-Lok-Verschluss. Dabei wird ein Glasstöpsel durch einen PVC-Ring gedichtet in die Flasche gedrückt und mit einem zusätzlichen Aluminium-Überzug festgehalten. Dieser Verschluss hat vor allem bei hochwertigeren Weinen starke Verbreitung gefunden. Allerdings fehlen auch hier noch wirkliche Langzeit-Erfahrungen.
Wer Spaß am experimentieren hat, der kann auch zuhause dem Korkgeschmack zu Leibe rücken. Da ist zum einen die alte Weisheit, dass man mit Milch manches retten kann; ein paar Tropfen mildern den Korkton deutlich. Nur, wer mag Wein mit Milch?
Sehr viel verblüffender ein Dreh, der neuerdings in manchen Wein-Fachblättern empfohlen wird; eine handelsübliche Abdeckfolie für Lebensmittel für ein paar Minuten ins Glas geknäult. Tatsächlich ist der Korkton weg. Allerdings verändert sich der Wein auch auf eine nicht genau zu beschreibende Weise.
Im Internet wird auch immer wieder von einem Ausgießer berichtet, der angeblich den Korkton herausfiltern soll. Das amerikanische System wird schon seit geraumer Zeit angekündigt, war aber bislang nicht wirklich zu kaufen (auch nicht in den USA). Nach der Beschreibung handelt es sich letztlich um einen Filter auf Aktivkohle-Basis. Der wirkt ganz sicher, nur lässt er vom Wein nicht mehr viel übrig.

Letzte Änderung am: 28.01.2009, 02.15 Uhr

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