aus der Sendung vom Dienstag, 13.1.2009 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Neues Jahr - neues Haustier? Für viele erfüllt sich in diesen Wochen der lange gehegte Wunsch nach einem tierischen Mitbewohner - ob als Geschenk unter dem Christbaum oder als gemeinsam geplante Anschaffung im neuen Jahr.
Damit der Start mit dem neuen Hund, der Katze oder dem Meerschweinchen gelingt, kann der Mensch einiges tun: Das fängt bei der Auswahl des Tieres an, geht über die richtige Haltung und Pflege bis hin zur Erziehung.
Wie Tier und Mensch sich gut und schnell aneinander gewöhnen, weiß die Tierärztin Dr. Gabriele von Gaertner. Sie ist überzeugt, dass viele Probleme auf falschen Erwartungen und Missverständnissen beruhen und sich von Anfang an vermeiden ließen.
Informationen von Dr. Gabriele von Gaertner
Die ersten Tage
Die Ansprüche, die ein neues Tier an seinen Besitzer stellt, sind ganz unterschiedlich; ein junger Hund benötigt andere Zuwendung und Pflege als ein Zwergkaninchen oder eine Katze.
Grundsätzlich aber gilt, dass Stress und Reizüberflutung für das junge Tier vermieden werden sollte. Wenn ständig andere Besucher im Haus sind, die das neue Tier "besichtigen" und streicheln wollen, dann ist das für das Tier Stress pur und erschwert das Eingewöhnen. Besser ist es, erst mal nur einen Raum für das Tier zu öffnen; mit wenig Spielzeug, zum Beispiel einem Kratzbaum und einem Klo für die Katze beziehungsweise einem Schlafplatz für den Hund. Und erst nach und nach das ganze Haus öffnen.
Junger Hund
Kommt ein junger Hund ins Haus braucht man viel Zeit und Geduld. Junge Hunde sind ein bisschen wie kleine Kinder, sehr verspielt, nicht stubenrein; sie hören nicht auf Zuruf und benötigen viel Zeit und Zuwendung. Das sollte man nicht unterschätzen. Die erste Zeit ist anstrengend und chaotisch. Wer das gut übersteht und sich Zeit für das Tier nimmt, der kann großen Einfluss auf seine Entwicklung nehmen, es prägen und eine enge Bindung aufbauen, die ein Hundeleben lang hält.
Diese Anfangsphase übersteht man am besten, wenn man sich vorher sehr gut informiert, zum Beispiel bei anderen Hundebesitzern, die das schon erlebt haben oder in Fachbüchern.
Gut für Hund und Herrchen in der Anfangszeit ist der Besuch einer Welpenschule. Dort können sich die kleinen Hunde zusammen mit Artgenossen austoben, bekommen erste Grundlagen der Erziehung beigebracht und als Tierhalter kommt man mit Gleichgesinnten zusammen und kann sich austauschen.
Mit der Erziehung sollte man gleich anfangen; nichts durchgehen lassen, auch wenn der kleine Hund noch so niedlich mit seinen großen Augen schaut. Hunde sind Rudeltiere und müssen wissen, wo sie in der Familien-Hierarchie stehen, ansonsten versuchen sie, in dieser Hierarchie nach oben zu kommen und werden dominant. Da hilft nur konsequentes Verhalten von Anfang an.
Junge Katze
Auch gegenüber jungen Katzen sollte man sich von Anfang an liebevoll, aber konsequent verhalten. Katzen sind in freier Natur eher Einzelgänger, also keine Rudeltiere. Das macht sie unabhängiger und schwerer erziehbar. Sie lernen meistens nur das, was sie selbst wollen.
Stubenrein zu werden, lernen junge Katzen am besten von ihrer Mutter. Das geschieht so etwa im Alter von 4 Wochen. Deshalb sollte man die Jungtiere nicht zu früh von ihrer Mutter trennen. Ist das nicht der Fall, muss der Mensch die Erziehungsarbeit übernehmen und das Kätzchen immer wieder aufs Katzenklo setzen. Wichtig dabei, Geduld haben. Das Katzenklo muss groß genug und sauber sein, sonst akzeptieren die Tiere es nicht.
Ausgewachsene Tiere als neue Hausgenossen
Ausgewachsene Hunde sind viel gelassener als Welpen. Sie sollten stubenrein sein und die wichtigsten Benimmregeln gelernt haben. Man sollte allerdings gut über die bisherige Lebensgeschichte des Tieres Bescheid wissen, sonst kann es böse Überraschungen geben. Bei Katzen ist es nicht ganz so wichtig, ob sie als Jungtier oder erst später zu einem kommen, sie sind weniger auf einen Menschen als Bezugsperson geprägt und lassen sich ohnehin weniger erziehen wie ein Hund. Eine Katze, die als Jungtier eine vertrauensvolle Beziehung zu Menschen entwickeln konnte, gewöhnt sich meistens auch im Erwachsenenalter gut in ein neues Zuhause ein.
Gesundheit des Tieres
Ob ein Tier gesund ist, erkennt man daran, dass sie aufmerksam und lebhaft sind. Sie schauen mit wachen, klaren Augen in die Welt, die nicht tränen oder klebrig sind. Die Nase ist trocken und ohne Ausfluss. Die Ohren sauber, nicht entzündet oder verkrustet. Die Tiere bewegen sich unauffällig, d.h. sie lahmen nicht. Und ihr Fell ist glänzend und hat keine kahlen Stellen. Wenn sich Tiere übermäßig kratzen, deutet das auf Befall durch Parasiten hin. Wichtig ist auch, dass die Tiere gut genährt, aber nicht übergewichtig sind. Und geimpft und entwurmt sollten sie auch sein. Im Zweifel einen Gesundheits-Check beim Tierarzt machen lassen.
Tierkauf
Anbieter gibt es viele und nicht alle sind vertrauenswürdig. Am besten man kennt den Vorbesitzer. Auch bei einem Tier aus dem Tierheim bekommt man umfassende Infos, auf die man sich verlassen kann. Bei Züchtern sollte man sich schlau machen, vor Ort fahren, sich Jungtier und Mutter anschauen, wie sind sie sozialisiert, wie werden sie gehalten. Das kann böse Überraschungen verhindern.
Aktuell: Haustiere im Winter
Eine Herausforderung für alle neuen Tierbesitzer, aber auch für die die schon lange Erfahrung mit Tieren haben, ist der Winter. Auch wenn die Kältewelle allmählich abebbt.
Wichtig ist die Pfotenpflege bei Hunden. Eigentlich ist die Hundepfote für jedes Wetter und jeden Untergrund geschaffen. Splitt kann zu kleinen Rissen oder sogar tieferen Verletzungen führen. Streusalz brennt darin fürchterlich. Deshalb, Ballen mit Vaseline oder spezieller Pfotencreme einreiben, das macht ihn glatt und schützt. Nach dem Spaziergang von Schneekrusten befreien, auf Verletzungen hin untersuchen, vor allem zwischen den Zehen. Es gibt auch Pfotenschuhe, die schützen.
Pfotenschuhe sind durchaus sinnvoll. Hundemäntel sind nur etwas für Tiere mit sehr dünnem Fell oder die bereits gesundheitlich angeschlagen sind. Ansonsten wärmt das Fell genügend.
Hunde kann man bedenkenlos im Schnee toben lassen, allerdings sollte man sie keinen Schnee fressen lassen. Das kann zu ernsthaften Magenverstimmungen führen.
Ansonsten sind Schnee und Kälte und selbst das angekündigte nass-kalte Schmuddelwetter kein Problem. Spaziergänge härten ab. Aber darauf achten, dass das Tier nicht dauerhaft friert. Anschließend zuhause gut trocken rubbeln und einen warmen, zugfreien Ruheplatz anbieten.
Letzte Änderung am: 19.12.2008, 23.38 Uhr