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Gesundheit Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie)

aus der Sendung vom Mittwoch, 3.12.2008 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden daran: Glutenintoleranz oder Zöliakie, was bedeutet, dass sie kein Gluten vertragen. Oft wird das Leiden erst spät erkannt, denn viele Ärzte kennen das Krankheitsbild nicht oder nur unzureichend.

Das Problem: Die Intoleranz gegen das Klebereiweiß aus unseren gängigen Brotgetreiden kann vielfältige Beschwerden auslösen. Am häufigsten sind Darmbeschwerden oder allgemeine Verdauungsprobleme, auch Blähungen.

Doch Glutenintoleranz macht den ganzen Organismus krank, auch Migräne, Depression, Rheuma, Magenprobleme und Psoriasis können damit zusammenhängen und sich durch eine glutenfreie Diät entscheidend verbessern. Der Grund: Die durch Gluten irritierte Darmschleimhaut kann Nährstoffe nicht mehr aufnehmen, eine Unterversorgung mit wichtigen Vitalstoffen ist die Folge. Und die wirkt sich auf den ganzen Menschen aus.

Doch während in Skandinavien, England, Irland oder Island glutenfreie Restaurants längst zum Standard gehören, ist es in Deutschland noch schwierig, mit der Krankheit zurecht zu kommen. Die glutenfreie Diät muss lebenslang eingehalten werden und erfordert ein weitreichendes Umdenken in der täglichen Ernährung. Die Belohnung ist eine weitreichende Verbesserung des Gesundheitszustands der Patienten.

Dr. Axel Bolland aus Bad Sobernheim ist ein ausgewiesener Kenner der Problematik und gibt Tipps zum Erkennen und zur Bekämpfung der Glutenintoleranz.

Gluten und Zöliakie



Gluten ist das Klebereiweiß in Weizen, Roggen und Dinkelmehlen, durch das sich die Teigwaren geschmeidig und zäh-elastisch verbacken lassen. Das Gluten im Weizen ist durch Züchtung in den letzen Jahrzehnten den Bedürfnissen der Backindustrie angepasst worden - gleichmäßig schöne Backwaren sind wichtiger als die Gesundheit der Menschen. Durch Nitratdüngung ist vermehrt Gluten im Weizen, Roggen und Dinkel. Es ist für „Brotweizen“ eine bestimmte Menge an Eiweiß im Getreide vorgeschrieben, sonst wird das Getreide nur als Futter oder als Brennstoff verwendet.
Glutenintoleranz bedeutet, dass sehr individuell gewisse Mengen an Gluten vertragen werden. Jeder hat seine eigene Toleranzgrenze. Zöliakie ist die schlimmste Form der Glutenintoleranz, bei der gar keine Teigwaren mehr vertragen werden.
Es gibt nicht nur die Glutenintoleranz, sondern auch eine Weizen-, Dinkel- oder Roggenintoleranz. Man kann auf das Kornprodukt genauso reagieren wie auf den Inhaltsstoff Gluten. Eine unerkannte Glutenintoleranz kann die Lebensqualität beeinträchtigen und verkürzen. Wer eine Glutenintoleranz vermutet oder hat, muss Milchprodukte und glutenhaltige Waren durch glutenfreie ersetzen.
Für die glutenfreie Ernährung gibt es speziell hergestellte Lebensmittel, bei denen statt der glutenhaltigen Getreidesorten glutenfreie Rohstoffe verwendet wurden. So müssen Betroffene nicht auf fertiges Brot, Nudeln, Kuchen, Süßigkeiten usw. verzichten. Die Auswahl an diesen speziell für die glutenfreie Ernährung geeigneten Lebensmitteln ist in den letzten Jahren wesentlich größer geworden. Es gibt z.B. Vollkornbrot, Weißbrot, Toast, Knäckebrot, Zwieback, spezielle Mehlmischungen für verschiedene Brotarten, Kuchen, Kekse, Pizzaböden, Spaghetti, Suppennudeln, Lasagneblätter u.a.m.
Erhältlich sind diese Produkte direkt bei den Herstellern oder vor Ort am häufigsten in Reformhäusern. Manchmal führen auch größere Naturkostläden ein kleines Angebot an glutenfreien Produkten. Immer mehr ist in größeren Supermärkten eine Auswahl glutenfreier Produkte zu finden, teilweise auch Tiefkühlkost wie Pizza oder Lasagne.

Buchtipps:

Dr. Axel Bolland : Pro Gesundheit - Contra Gluten. CO'MED Verlagsgesellschaft mbh, Hochheim 2006

Andrea Hiller: Zöliakie - Mehr wissen - besser verstehen. Trias Medizinverlag Stuttgart 2006

Andrea Hiller: Köstlich essen bei Zöliakie. Trias Medizinverlag Stuttgart 2005

Letzte Änderung am: 21.11.2008, 23.25 Uhr

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