aus der Sendung vom Montag, 1.12.2008 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Vorsicht Scheckkarten-Betrug! 21 Millionen Euro Schaden sind allein 2007 den deutschen Kreditinstituten durch das Kopieren von Magnetstreifen und das Ausspionieren von Geheimnummern entstanden.
Auch die Zahl der Betrugsfälle in Rheinland-Pfalz ist gestiegen, obwohl die Verbraucher in den ländlichen Gebieten noch relativ sicher sind im Vergleich zu den Einwohnern in Ballungsräumen.
Trotzdem: Jeder Schaden ist ärgerlich und in den meisten Fällen zu vermeiden – durch simplen Schutz der Geheimnummer zum Beispiel.
Worauf Verbraucher beim Zahlen mit EC- und Kreditkarte achten sollten, darüber klärt Dirk Hartenberger von der Polizei Mainz auf.
Skimming ist englisch und heißt wörtlich: “abschöpfen“; im übertragenen Sinn im Zusammenhang mit Datenklau heißt es, dass der Magnetstreifen auf der Karte kopiert wird.
Skimming als Betrugsmethode umfasst a) Kopieren des Magnetstreifens, b) Ausspähen der PIN- Nummer durch Kameras und c) das Duplizieren der Karte.
Laut der Gesellschaft für Eurokartensysteme sind 2007 allein in Deutschland durch Missbrauch an Geldautomaten 21 Millionen Euro Schaden entstanden, dieses Jahr sollte die Summe im ersten Halbjahr um 50% gestiegen sein. Die Kripo schätzt mittlerweile doppelt so viel wie letztes Jahr. Die Zahl der manipulierten Automaten ist in Deutschland ebenfalls um 50% , in Rheinland-Pfalz um 40% gestiegen. Da Rheinland-Pfalz ein kleines, „ballungsraumarmes“ Land ist, sind die Fallzahlen niedrig.
Typisches Vorgehen der Betrüger: Sie spähen mit Hilfe von speziellen Geräten an den Geldautomaten den Magnetstreifeninhalt der Kredit- oder EC-Karte zusammen mit der PIN aus. Die Daten der Karte bringen sie dann auf einen leeren Kartenrohling auf („White-Plastic“) – den können sie benutzen, um illegal Bargeld an den Automaten abzuheben. Das merkt der Kontoinhaber nicht immer gleich – oft erst beim Kontrollieren der Kontoauszüge.
Je kleiner die Lesegeräte an den Automaten werden, desto leichter wird eine Manipulation. Entwerder bringen die Betrüger auf dem Einschiebeschacht direkt am Geldautomaten ein Lesegerät in Form eines kleinen Kunststoffrahmens an, oder sie installieren ein zusätzliches Lesegerät im Türöffner der Filiale (nach Schluss der Öffnungszeiten muss man die Karte benutzen muss, um überhaupt Zutritt zum Automaten zu bekommen).
Die PIN-Eingabe wird oft mit einer kleinen Funk-Kamera gefilmt, die oft oberhalb der Tastatur in einer angeklebten Kunststoffleiste versteckt ist. Als Kunde kann man sie kaum erkennen. Außerdem gibt es ganze Tastenfeld-Attrappen, die über das eigentliche Feld geklebt werden und die Tastendrücke aufzeichnen. Bei Kreditkarten gilt Ähnliches: Hier wird die Karte des Opfers beim Bezahlen z.B. in einem Restaurant noch durch ein zweites Lesegerät neben dem regulären gezogen.
Der sicherste Schutz gegen Skimming ist zunächst das vollflächige, komplette Abdecken der Tastatur beim Eingeben der Geheimzahl.
Auch wenn die Kameras in Rauchmeldern oder in Prospektständern oft nicht leicht zu erkennen sind und die Aufsätzen an den Kartenschächten den normalen sehr ähneln, so passiert den Kunden immer noch nichts, solange die Betrüger „nur“ die EC-Karten-Daten herausfinden. Wenn man die Eingabe der PIN mit Hand oder Portemonnaie vollständig abdeckt, fehlt den Dieben die Geheimnummer – ohne die können sie kein Geld abheben.
Wenn die Betrüger allerdings das Tastenfeld manipuliert haben, hilft auch das Abdecken nicht. Diese Methode kommt allerdings nicht so häufig vor, da sie sehr zeitaufwendig ist. Außerdem fallen die Auflagen eher auf: Wenn sie etwas identifizieren, was nicht nach normalem Tastenfeld aussieht, melden Sie das sofort in ihrer Bank!
Vorsicht auch beim Bezahlen mit der Kreditkarte: sobald Sie die Karte aus der Hand geben, können theoretisch alle darauf gespeicherten Daten, mit denen man ja international überall bezahlen kann, gelesen werden. Einige Verbraucher wissen nicht, dass manche Kreditkartenunternehmen sinngemäß in ihren Geschäftsbedingungen stehen haben, dass der Inhaber haftet, wenn er die Karte aus der Hand gegeben hat und geschädigt wird.
Weitere Informationen erhalten Sie auf der homepage der Polizei-Beratung - hier können Sie auch ein Informationsblatt zum Thema beziehen.
Den durch Skimming entstandenen Schaden zahlen bis jetzt in der Regel nicht die Kunden selbst, sondern die Banken bzw. deren Versicherungen. Darauf sollte man sich allerdings nicht mehr unbedingt verlassen: wenn jemand eine hohe Abbuchung z.B. im Ausland hat, dann muss er erstmal beweisen, dass er dort nicht gewesen ist und wodurch der Schaden entstanden ist. Bis jetzt haben die Versicherungen sehr kulant reagiert, weil sich oft auch durch eine Vielzahl an gleichen Fällen herausgestellt hat, dass ein bestimmter Automat manipuliert worden ist. Das muss aber in Zukunft nicht so bleiben, denn die Diebe könnten in Zukunft schneller reagieren und die Technik wieder abbauen, und die Versicherungen könnten irgendwann Druck machen und die Banken bzw. ihre Kunden stärker in die Pflicht nehmen.
Letzte Änderung am: 21.11.2008, 23.24 Uhr