aus der Sendung vom Mittwoch, 26.11.2008 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
In diesem Jahr hat die Deutsche Herzstiftung den November dem Thema "Herzklappenerkrankungen" gewidmet. Die Diagnose "Herzklappenfehler" hören in Deutschland immer mehr Menschen, vor allem ältere. Denn meist sind es altersbedingte Kalkablagerungen, die das Ventil des Herzens verschleißen und damit die lebenswichtige Pumpfunktion beeinträchtigen.
Vielen Patienten mit Herzklappenerkrankungen kann eine Operation helfen, etwa 300 000 Menschen leben bei uns schon mit einer neuen biologischen oder mechanischen Herzklappe. Wir informieren Sie heute über die richtige Diagnosestellung, die modernen Operationsverfahren und die Nachsorge der Patienten. Der Herzspezialist Professor Thomas Münzel von der Universitätsklinik in Mainz beantwortet auch Ihre persönlichen Fragen. Zudem stellen wir ein spezielles Reha-Programm für Patienten mit Herzklappen-Operationen in Bad Dürkheim vor.
Unser Herz besitzt 4 Herzklappen, zwei in der linken und zwei in der rechten Herzkammer. Die bekanntesten und auch klinisch wichtigsten - weil am häufigsten durch Herzklappenfehler betroffen - sind die Aortenklappe und die Mitralklappe.
Prinzipiell gibt es Verschlussschwächen der Klappen (Insuffizienzen), die zu einer Volumenbelastung des Herzens führen und Einengungen der Klappen, sogenannte Stenosen, die zu einer Druckbelastung führen.
Häufige Ursache ist die Verkalkung der Aortenklappe und damit eine degenerative Erkrankung der Herzklappe, die die lebenswichtige Pumpfunktion beeinträchtigen Diese Form des Klappenfehlers tritt besonders häufig bei älteren Patienten auf.
Die Mitralinsuffizienz aufgrund einer Herzschwäche ist der zweithäufigste Herzfehler. Ursache ist hierbei eine Vergrößerung der Herzkammer aufgrund einer Herzinsuffizienz, der Klappenring wird dabei überdehnt und damit die Verschlussschwäche herbeigeführt. Weitere wichtige Herzklappenfehler werden sind auch angeboren. Herzklappenfehler bei jungen Patienten sind häufig auf Drogenmissbrauch zurückzuführen.
Die wichtigste Untersuchungsmethode ist das Abhören des Patienten mit Hilfe eines Stethoskops. Oftmals ist ein Herzklappenfehler ein Zufallsbefund, ohne dass der Patient schon Probleme hatte. Sollte hierbei der Verdacht auf einen Herzklappenfehler gestellt werden, würde als nächste Untersuchung ein Herzultraschall folgen.
Ob operiert werden muss, hängt von der Schwere des Fehlers ab. Wenn ein Patient beschwerdefrei ist, kann man auch noch zuwarten - obwohl der Trend dahin geht, heute früher zu operieren, bevor der Herzmuskel dadurch einen Schaden nimmt. Teilweise ist dann auch eine Rekonstruktion der vorhanden Klappen mögliche, z.B. indem man Teile entnimmt oder einen Ring herum legt. Dann ist in Folge auch keine Blutverdünnung nötig.
Man unterscheidet zwischen künstlichen und biologischen Klappenprothesen. Die biologischen Klappen (menschliches Gewebe, Material vom Rind oder auch Herzklappen vom Schwein) erlauben im Nachhinein eine maximale körperliche Belastung und man muss keine blutverdünnenden Medikamente nehmen. Daher setzt man sie vor allem bei jüngeren Patienten ein, damit diese uneingeschränkt danach leben könne. Sie halten allerdings nur etwa 10 Jahre, d.h. danach ist eine erneute OP notwendig.
Die künstlichen Klappen halten lebenslang, haben aber den Nachteil, dass man lebenslang blutverdünnende Maßnahmen einnehmen muss.
Letzte Änderung am: 14.11.2008, 23.24 Uhr