aus der Sendung vom Montag, 3.11.2008 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Es gibt sie mittlerweile in fast jedem Haushalt, in vielen Praxisräumen und Geschäften – die Duftlampen. Besonders im Winter sollen sie Räume aromatisieren und zum Wohlbefinden beitragen. Tatsächlich wirken die Düfte aus ätherischen Ölen direkt auf die Psyche, sie können anregend oder beruhigend wirken oder harmonisierend. Doch die Aromatherapie kann noch viel mehr als nur Wohlgeruch verbreiten. Denn natürlich gewonnene ätherische Öle enthalten die geballte Kraft der Natur und sind seit Jahrtausenden auf ihre Wirkung hin erprobt
Wer hätte nicht schon mal bei einer Erkältung mit Eukalyptusöl inhaliert oder eine Verstauchung mit einer Arnika-Kompresse gelindert? Viele traditionelle Arzneimittel enthalten die wirksamen Pflanzenstoffe und neuerdings können gezielt hergestellte Rezepturen sogar statt Antibiotika bakterielle Infekte behandeln. Doch wo sind die Grenzen und Risiken der Aromatherapie? Hildegard Dressino vom Apothekerverband Rheinland-Pfalz ist auf naturheilkundliche Therapieformen spezialisiert und erklärt uns im Studio, wo die Möglichkeiten und Grenzen der Aromatherapie liegen. Wie werden ätherische Pflanzenöle gewonnen? Welche Öle sollte man kaufen? Wie lange kann man sie aufbewahren? Viel Interessantes rund um die Aromatherapie.
„Aromatherapie“ ist die gezielte Behandlung von Krankheiten mit ätherischen Ölen. Sie ist ein fester Bestandteil der Phytotherapie, also der Therapie mit natürlichen Pflanzenstoffen und ist eher im Bereich der komplementärmedizinischen Methoden angesiedelt – das heißt sie wird neben der Schulmedizin eingesetzt oder unterstützend zu dieser. „Aromatherapeut“ ist in Deutschland kein geschützter Begriff, dieser Beruf kann als berufsergänzende Ausbildung gelernt und nur von Ärzten oder Heilpraktikern praktiziert werden. Der Umgang mit diesen hochkonzentrierten Pflanzenwirkstoffen sollte auch mit Vorsicht und Verantwortungsbewusstsein geschehen und nicht in Selbstmedikation geschehen.
Dass Gerüche auf unsere Psyche wirken, ist eine alte Erkenntnis, jeder kennt das: Ein Duft erinnert einen plötzlich an früher – das kann Kaffeeduft sein, ein Blütenduft wie z.B. Flieder oder auch ein Parfum. Der wissenschaftliche Hintergrund ist der, dass die Düfte über die Riechschleimhaut ganz oben in der Nasenhöhle aufgenommen werden, die Riechzellen leiten einen elektrischen Impuls direkt an das Gehirn und zwar in das sogenannte limbische System, dort wo unsere Gefühle und Erinnerungen gespeichert sind. Das ist der Grund, warum bestimmte Gerüche durchaus auf unsere Psyche wirken und man weiß, dass z.B. Lavendel beruhigend wirkt, Orangen- und Zitronenöl stimmungsaufhellend, etc. Das kann man auch gezielt einsetzen.
Die Aromatherapie besteht vor allem aus Massagen, Kompressen, Inhalationen und Bädern. Dabei wirken die ätherischen Öle, die mit anderen Pflanzenölen gemischt oder in Wasser verdünnt werden, direkt auf die Haut und kommen auch in den Organismus hinein. Diese Anwendungen sind auch z.T. sehr alt – so wie Arnikakompressen bei Verstauchungen oder Eukalyptus-Inhalationen bei Erkältungen. Es gibt viele Medikamente, die mit ätherischen Ölen arbeiten. Bei Massagen wirken die Stoffe besonders intensiv, weil sie in die Haut einmassiert werden. Man kann die Inhaltsstoffe ätherischer Öle bereits eine Viertelstunde nach der Massage im Körper (Urin) nachweisen – so dass die Pflanzenstoffe direkt im Organismus wirken können.
Die ätherischen Öle enthalten Stoffe, die der Pflanze dazu dienen können, Insekten zur Bestäubung anzulocken, Schädlinge fernzuhalten und sich gegen Krankheiten zu schützen, die z.B. durch Bakterien oder Pilze hervorgerufen werden. Ein naturbelassenes ätherisches Öl kann bis zu 150 Inhaltsstoffe enthalten, ist also ein komplexer Pflanzenstoff. In dem Bereich ist noch wenig erforscht, aber wir wissen aus Erfahrung, wie die Öle bestimmter Pflanzen wirken. Was man sich dabei aber immer vor Augen halten sollte, ist, dass ein ätherisches Öl ein hochkonzentrierter Pflanzenwirkstoff ist und man mit ihm vorsichtig umgehen sollte.
Ätherische Düfte können allerdings auch Allergien auslösen. Das gilt zum einen für Duftlampen, deren Gerüche gerade Allergiker auch sehr stark reizen können. Hier sollte man die Dosierung nicht übertreiben: wenige Tropfen reichen, und die Lampe sollte auch nur eine bis drei Stunden am Tag angezündet werden. Bei der Anwendung auf der Haut gilt: Nur verdünnte Öle nehmen und vielleicht auch erst mal an einer Stelle probieren, ob man gegen das Öl allergisch ist, z.B. in der Armbeuge.
Letzte Änderung am: 17.10.2008, 23.34 Uhr