aus der Sendung vom Mittwoch, 17.9.2008 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Salz- und Pellkartoffeln, Kartoffelpuffer und -gratin, Pommes frites, Kartoffelchips, Püree – die gelbe Knolle ist äußerst vielseitig. Kartoffeln liefern Vitamine, Mineralstoffe und wertvolle Proteine. Und die These, dass Kartoffeln dick machen, ist längst überholt. Zumindest gilt das für die klassische, gesunde Form: der Pellkartoffel.
Doch trotz der guten Eigenschaften: der Pro-Kopf-Verzehr ist in den vergangenen zehn Jahren um fast sieben Prozent zurückgegangen. Allerdings braucht die Nahrungsmittelindustrie immer mehr Kartoffeln zur Verarbeitung für Chips und Pommes.
Wie wertvoll ist nun die Kartoffel? Und in welcher Form ist sie ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen, gesunden Ernährung? Welche wertvollen Inhaltstoffe liefert uns die Kartoffel? Und welche Sorten bewähren sich bei der Zubereitung am besten? Wir sprechen mit der Biologin Dr. Brigitte Klemme. Sie wird Ihre Fragen live im Studio beantworten.
Die Kartoffel gelangte im 16. Jahrhundert durch die spanischen Eroberer nach Europa. Sie erwies sich als widerstandsfähige, anpassungsfähige Pflanze und preiswerte Alternative zum Grundnahrungsmittel Getreide bzw. Brot. Allerdings mussten die Bauern in Deutschland erst per königlichem Dekret Friedrichs des Großen davon überzeugt werden. Seitdem hat die Kartoffel mit ihren etwa 3.000 verschiedenen Sorten einen echten Siegeszug angetreten und gehört zu den Grundnahrungsmitteln in Europa.
Kartoffeln sind in Deutschland das beliebteste Grundnahrungsmittel. Die Knolle besteht zu 75 Prozent aus Wasser, enthält kaum Fett, dafür aber jede Menge wichtige Inhaltsstoffe: Kohlenhydrate, Eiweiße, Mineralstoffe, Ballaststoffe und Vitamine. Besonders wichtig sind Kartoffeln, um den Bedarf an Vitamin B6 zu decken, das den Eiweißstoffwechsel im Körper steuert. Außerdem decken drei bis vier Kartoffeln (etwa 250 g) die Hälfte des Vitamin C-Bedarfes pro Tag.
Da Kartoffeln Kalium enthalten, entwässern sie den Körper. Außerdem kann der Darm mit Kartoffeln "entschlackt" werden.
Übrigens: Kartoffeln in bearbeiteter Form sind eher schädlich, z.B. durch das in Kartoffelchips enthaltende Krebs erregende Glycidamid, das viel schädlicher ist als Acrylamid.
Tipp: Die besten Schlankmacher sind kleine Pellkartoffeln. Denn durch die Schale bleiben nicht nur die Vitamine und Mineralstoffe in der Kartoffel enthalten, sondern auch die feste Konsistenz der kleinen Knolle. Dadurch braucht der Körper besonders lange, um die Kartoffel zu verdauen und es muss nur wenig Insulin produziert werden.
Um von den Inhaltsstoffen zu profitieren, sollte man folgende Zubereitungstipps beachten:
Kartoffeln nicht in viel Wasser kochen. Dabei laugen sie aus und verlieren an Mineralstoffen. Besser ist es, sie zu dämpfen oder als Folienkartoffel zuzubereiten. Um von den Inhaltsstoffen zu profitieren, sollte man beim Garen von Salzkartoffeln die
Kartoffeln nur zu 2/3 mit Wasser bedecken.
Pellkartoffeln behalten alle wertvollen Inhaltsstoffe, besonders wenn man sie in wenig Wasser gart und nicht in Wasser „ertränkt“.
Pellkartoffeln lassen sich leichter schälen, wenn sie nach dem Garen mit kaltem Wasser abgeschreckt werden.
Sollen Kartoffeln nach dem Garen warm gehalten werden, ein trockenes Tuch zwischen Topf und Deckel legen.
Frisch geschälte Kartoffeln verfärben sich an der Luft braun. Zusatz von etwas Essig oder Zitronensaft oder in Wasser legen verhindert das.
Kartoffeln erst kurz vor der Zubereitung schälen und nicht zu lange in Wasser liegen lassen (sonst gehen wertvolle Inhaltsstoffe verloren).
Ungeschälte Kartoffeln sollten nur ungewaschen, kühl, dunkel und trocken gelagert werden.
Dazu eignet sich am besten die kühle dunkle Speisekammer oder der Keller. Zu viel Licht verändert nämlich den Geschmack und zerstört wertvolle Inhaltsstoffe, wie z. B. Vitamin C. Das Gemüsefach im Kühlschrank ist dagegen zu kalt. Zu viel Kälte verwandelt die Stärke in den Kartoffeln nämlich in Zucker und lässt sie süßlich schmecken.
3-5 weichgekochte, noch heiße Kartoffeln zerdrücken oder durch die Kartoffelpresse drücken. Den Brei in eine Mullwindel oder dünnes Tuch einschlagen. Den Umschlag um den Hals wickeln und mit einem Wollschal abdecken. Der Umschlag wird erneuert, wenn er nicht mehr warm ist.
Letzte Änderung am: 10.09.2008, 00.47 Uhr