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Gesundheit Knackpunkt Knie

aus der Sendung vom Mittwoch, 13.8.2008 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Knieschmerzen - sie kommen oft ganz plötzlich und gehen nicht wieder. Meistens sind Stürze und Unfälle, wo sich das Kniegelenk verdreht, schuld. Dabei werden vor allem die vier Bänder im Gelenk gefährdet. Die Schmerzen können aber auch die Folge einer Fehlbelastung oder einfach von Verschleiß sein.

Trotz Schmerzen ist ausreichend Bewegung die wichtigste Maßnahme bei Knieverschleiß. Mehr Tipps, was Sie tun können, welche die Ursachen der Schmerzen sein könnten und was es für neue Therapieformen gibt, erfahren Sie von unserem Experten Dr. Christian Steingässer.

Kniebeschwerden 

Kein anderes Gelenk ist so anfällig wie das Kniegelenk. Sowohl beim Sport als auch im Alltag ist es stark gefordert - und daher besonders gefährdet. Fehlbelastungen und Verletzungen führen häufig zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen. Manchmal bauen sich Beschwerden aber auch langsam auf, treten anscheinend ohne besonderen Grund auf, die meisten von uns sind irgendwann mal mit Knieproblemen konfrontiert.

Bei Stürzen und Unfällen mit Verdrehungen des Kniegelenkes sind vor allem die vier Bänder im Gelenk gefährdet: Das vordere und das hintere Kreuzband verlaufen im Inneren des Kniegelenkes und geben beim Beugen sicheren Halt. Die seitlichen Bänder, das Innen- und Außenband, verhindern zu starke Aus- und Seitwärtsbewegungen. Reißt eines der Bänder, führt das zu einer Instabilität des Kniegelenkes.

Als Folge schonen die Betroffenen das schmerzende Gelenk, es kommt zur Fehlbelastung mit dem Risiko eines vorzeitigen Verschleißes der Gelenkflächen. Für eine sichere Diagnose steht heute die Magnetresonanz zur Verfügung. Die moderne Methode macht etwa dreißig Prozent der diagnostischen Kniespiegelungen überflüssig.

Auch die Stoßdämpfer im Kniegelenk, die Menisken, sind bei Unfällen gefährdet. Reißen sie ein, hilft häufig nur noch eine Operation. Dabei stehen mehrere, meist arthroskopische Operationsverfahren zur Verfügung. Häufig müssen defekte Teile der Menisken entfernt werden. Manche Risse lassen sich auch reparieren, indem sie genäht oder mit einem Dübel fixiert werden. Instabile Bänder und große Meniskusverletzungen führen zu einem Knorpelschaden, der so genannten Kniegelenksarthrose. Bei Unfällen kann der Knorpel direkt geschädigt werden.

Die wichtigsten Maßnahmen bei Knieverschleiß sind

- ausreichend Bewegung des Kniegelenks trotz Schmerzen

- Knieschule oder am besten jeden Tag eine halbe Stunde Fahrradfahren, schwimmen oder walken

- Übergewicht abbauen

- purinarme Ernährung (z.B. keine Ölsardinen, keine Hülsenfrüchte, kein Fleisch) mit viel Rohkost und fettarmen Milchprodukten

- beim Bergabgehen Füße nach außen stellen

- Knie warm halten

- am Schreibtisch Knie durch Fußstütze entlasten

- bei Fußdeformitäten Einlagen tragen

Arthrose

Ausgangspunkt jeder Arthrose ist ein Schaden im Knorpelüberzug, der sogenannte "Knorpelschaden", oft einfach durch Abnutzung. Arthrose verläuft in verschieden Stadien. Im 

Frühstadium ist der Knorpelschaden zunächst nur auf eine kleine Fläche von vielleicht 2 Quadratzentimetern begrenzt. Außerdem ist er noch oberflächlich. Kurz darauf treten im Röntgenbild erste Verdichtungen des Knochens auf. Es handelt sich hierbei immer um Knochenbezirke, die direkt unter dem erkrankten Knorpel liegen. Diese zusätzlichen Veränderungen am Knochen sind ein wichtiges Zeichen für das Frühstadium der Arthrose. Ohne diese Knochenveränderungen liegt nur ein "Knorpelschaden" vor, nicht aber eine "Arthrose". Arthrose bedeutet deshalb immer Knorpelschaden mit Knochenveränderungen.

Zwischen dem ,,Frühstadium" und dem ,,Spätstadium" können viele Jahre liegen. Viele Arthrosepatienten befinden sich deshalb in einem Zwischenstadium, das zwischen Früh- und Spätstadium liegt. Ihre Veränderungen sind also stärker als im Frühstadium, doch noch geringer als im Spätstadium. Im Spätstadium ist der Gelenkknorpel im erkrankten Bereich nicht nur erkrankt und geschädigt, sondern sogar vollständig abgerieben und verschwunden. Hierdurch reibt der jetzt freiliegende Knochen direkt auf dem Knochen der Gegenseite. Im Röntgenbild sieht man, dass sich die Knochen direkt berühren. Der sogenannte Gelenkspalt ist deshalb verschwunden. Auch der Knochen hat sich gegenüber dem Frühstadium verändert:

Er ist wesentlich dichter und härter und im Röntgenbild deutlicher erkennbar.

An den Rändern der Gelenke sind große knöcherne Zacken entstanden. Diese knöchernen Ausziehungen (,,Osteophyten") führen zu einer Verbreiterung des Gelenkes. Der Betroffene stellt fest, dass seine Gelenke größer und aufgetrieben sind. Diese Knochenzacken können sich bei bestimmten Bewegungen auch berühren und weitere Schmerzen auslösen.  

Die Ursachen der Arthrose führen wie geschildert immer zuerst zu einem Knorpelschaden. Hunderte, wenn nicht tausende verschiedene Faktoren können zu einem Knorpelschaden führen. Unfälle, Überlastungen, angeborene Fehlformen der Gelenke, Stoffwechselstörungen und vermutlich auch Ernährungsfehler sind die wichtigsten Ursachen.

Therapiemöglichkeiten 

Knorpel ist schlecht durchblutet und wird nur über die Gelenkflüssigkeit ernährt. Hyaloronsäure-Spritzen und Dragees mit Glucosaminsulfat können die Knorpelregeneration anregen und vor weiterem Abbau schützen. Kleinere Knorpeldefekte können vor allem bei jungen Patienten mit einer Knorpeltransplantation behandelt werden. Dabei werden Knorpelzellen des Patienten im Labor mit Hilfe von Wachstumsfaktoren vermehrt und auf eine Trägersubstanz gebracht, wo sich ein fast normaler Knorpel entwickelt. Bei der Operation wird der Knorpeldefekt mit dem angezüchteten Knorpel verschlossen. Allerdings sind Knorpelzellzüchtungen noch sehr aufwändig und teuer.

Ist das Kniegelenk zerstört, kommt eine Kniegelenksprothese in Frage. Dabei genügt in den meisten Fällen ein Oberflächenersatz für die Gelenkflächen.

Ist ein Knie bereits vorgeschädigt, sollte die Muskulatur vorsichtig auftrainiert werden: Kräftige Muskeln entlasten die Bänder und geben dem Knie Halt und Stabilität. Dabei sollte das Gelenk belastet, aber nicht überlastet werden.

Letzte Änderung am: 01.08.2008, 23.36 Uhr

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