aus der Sendung vom Montag, 11.8.2008 | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Für Heil- und Wildkräuter bricht nun die wichtigste Erntezeit im Jahr an, denn jetzt ist die Konzentration der Wirkstoffe in den Pflanzen am höchsten. Das wussten auch schon unsere Ahnen – seit keltischer Zeit rankt sich in dieser Zeit allerlei Brauchtum um die Kräuterernte
In Rheinhessen und anderen katholischen Regionen von Rheinland-Pfalz hat sich der Brauch der Kräuterweih bis heute erhalten. In diesen Tagen schneiden die Frauen in der Natur den "Werzwisch" – einen Kräuterstrauß mit einer bestimmten Anzahl und bestimmten Sorten von Kräutern. Vom Priester geweiht sollte er Mensch und Tier früher nicht nur vor Krankheiten, sondern auch vor anderen Gefahren wie Blitzschlag schützen.
Noch heute wird die Kräuterweih an Mariä Himmelfahrt vielerorts gefeiert. Christine Moebus, eine der "Siefersheimer Kräuterhexen", erzählt Ihnen, was es mit dem alten Brauch auf sich hat. Wie Sie die Kräuter richtig ernten und konservieren und was Sie daraus alles machen können, zeigt die Kräuterexpertin aus Rheinhessen.
Hinter diesem seltsam klingenden Wort verbirgt sich also ein Kräuter- oder Würzstrauß. „Wisch“ bedeutet mundartlich Wedel – also ein Kräuterbündel, das in diesen Tagen geschnitten wird – in der Eifel heißt es „Krautwisch“, in Rheinhessen Werzwisch. Das Schneiden dieser Sträuße ist ein alter Brauch noch aus keltischer Zeit. Damals wussten die Menschen noch um die Heilkraft der Wildkräuter, zumal viele gar keine andere Medizin zur Verfügung hatten. Der „Werzwisch“ hatte neben seiner medizinischen Bedeutung aber auch eine spirituelle: er sollte zum Beispiel auch vor Blitzeinschlag schützen.
Wichtige Pflanzen für den Kräuterstrauß, die jetzt geerntet werden, sind der Rheinfarn, die wilde Möhre, die Pastinake oder der Beifuß, eine uralte Heilpflanze. Außerdem ein Muss: Die Königskerze, die im Zentrum jedes „Werzwisches“ steht. Dazu kommen Schafgarbe, und eventuell blauer Natternkopf und Seifenkraut – und fertig ist der Kräuterstrauß.
Jedes Kraut hat seinen eigenen Erntezeitpunkt. Heilpflanzen werden in der Regel jetzt, im August, geerntet. Es gibt aber auch Pflanzen, die man vor der Blüte ernten muss: Im Frühjahr sind das vor allem Pflanzen, die man eher für die Küche nutzt, wie Löwenzahn oder Brennnessel. Es ist oft hilfreich, in Apothekerbücher und Kräuterenzyklopädien nachzuschauen, wann der richtige Erntezeitpunkt ist. Bei Heil- wie bei Küchenkräutern kann man aber generell sagen, dass man sie am besten frühmorgens erntet, wenn der Morgentau schon getrocknet ist – denn die Kräuter sollen bei der Ernte frisch, aber trocken sein.
Die meisten Kräuter eignen sich gut zum Trocknen. Man hängt sie gebündelt mit dem Stil nach oben auf, am besten in einem zugigen, dunklen Raum. Wer dazu keine Möglichkeit hat, kann die Kräuter auch im Umluftherd trocknen, bei ganz niedrigen Temperaturen – 30 bis 50 Grad Celsius maximal. Wenn die Kräuter trocken sind, kann man die Pflanzenteile, die man braucht, klein schneiden und in dunklem Glas oder Porzellan aufbewahren, so dass kein direktes Licht herankommt. So werden sie ein Jahr lang aufbewahrt – im nächsten Jahr kann man die Kräuter wieder frisch und mit höchstem Wirkstoffgehalt ernten.
Auch das Einfrieren ist eine Möglichkeit, Kräuter zu konservieren. Man kann frische Kräuter hacken und einfrieren, allerdings werden sie dann manchmal auch matschig. Ein guter Trick ist es, sie in Eiswürfelformen zusammen mit Wasser einzufrieren – dann bleiben die Kräuter knackiger und verlieren weniger an Aroma. Später tut man dann den ganzen Kräutereiswürfel ins Essen, zum Beispiel in eine Suppe..
Letzte Änderung am: 25.07.2008, 11.22 Uhr