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SENDETERMIN So, 19.10.2008 | 18:05 Uhr | SWR Fernsehen RP

Michelbach

Ein Ortsporträt von Markus Bundt

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Wer nach Michelbach kommt, dem fallen zuerst zwei Dinge auf: Die neue Dorfstraße und die Windräder direkt hinter dem Ort. 2003 wurde die Ortsdurchfahrt neu angelegt – nach zähem Ringen. Denn bevor endlich Gelder für neue Bürgersteige und Blumenbeete bewilligt wurden, mussten die Michelbacher zum Äußersten greifen. Sie organisierten einen Wahlboykott der Landtagswahl 2001. Nur fünf Michelbacher gingen damals zur Wahl. Ein Signal nach Mainz und prompt kamen wenig später die Bagger. Weniger Glück hatten die Michelbacher mit den Windrädern. Was woanders als wichtiger Beitrag zur natürlichen Energiegewinnung gesehen wird, beeinträchtigt das Leben im Dorf erheblich. Nur 600 Meter von den ersten Häusern entfernt stehen vier Windmühlen, demnächst kommen zwei weitere hinzu. Das Problem: Immer wenn die Sonne hinter den Propellern unter geht, werden die Häuser in Sekundenwechsel in Licht und Schatten getaucht. Dann wandern alle Rollläden nach unten, Zeitung lesen auf der Terrasse oder ein gemütlicher Grillabend sind dann passé. Die Windräder stehen auf Grundstücken der Nachbargemeinde, es gibt also keinerlei Handhabe gegen die Störung.

Schiefer war bis vor wenigen Jahren das Gold des Hunsrücks. Heute wird der Schiefer zwar nicht mehr abgebaut, das Dachdeckerhandwerk hat hier aber immer noch Tradition. Heinz Brück ist Dachdeckermeister, zur Zeit deckt er sein eigenes Haus aus dem Jahr 1900 in der altdeutschen Deckung ein. Das bedeutet viel Kleinarbeit, denn alle Schiefertafeln haben unterschiedliche Dicken und Größen. Trotzdem lohnt sich die Arbeit, denn das Muster schmückt jedes Haus, bei dem sich einer die Mühe gemacht hat. Auch Erich Ludwig war viele Jahre lang als Dachdeckergehilfe unterwegs. Heute hat er wichtigere Aufgaben. Für das Landesamt für Gewässeraufsicht betreut er eine von über 500 Quell–Messstellen. Ein Mal in der Woche steigt er mit Eimer und Stoppuhr hinunter in einen engen Schacht und misst die Sekunden, die die Quelle braucht, um den Eimer zu füllen. Seine Aufzeichnungen schickt er dann nach Mainz, für statistische Zwecke. Früher war er als Rohrmeister für die gesamte Wasserversorgung der Gemeinde zuständig.


Wer meint, die Michelbacher Jugendlichen würden in ihren „Bud“ nur trinken, rauchen und rumknutschen, der irrt sich gewaltig. Hier wird gekocht. „Finsel“ hießt ein typisches Gericht der Region. Kartoffelwurst gebraten und dann auf Brot geschmiert.
Wenns nach Finsel riecht, dann verirrt sich sogar der Gemeinderat nach der Sitzung zum Jugendraum, in der Hoffnung noch was abzukriegen.

Michelbach

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