Ein Film von Markus Bundt
aus der Sendung vom Sonntag, 1.4. | 18.05 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Niemand in St. Goarshausen sagt zur Burgstraße Burgstraße. Für die Einwohner der Altstadt ist es die "Gääsegass". Der Name kommt von den Ziegen, die einzigen Tiere, die die Menschen in den beengten Verhältnissen halten konnten. Die Gääsegass ist die Hauptader der Altstadt. Zu Füßen der Burg Katz erstreckt sie sich eingezwängt zwischen der Bahnlinie und dem Rhein. Das bringt natürlich viele Probleme mit sich. Manch einer kann vom Küchenfenster aus dem Lokführer die Hand geben – und die Kellerräume werden schon gar nicht mehr genutzt, weil alle zwei Jahre das Wasser drin steht. Dazu kommt die Enge. Vom "Plan", dem ehemaligen Marktplatz aus, wird die Straße immer enger, weiter hinten stoßen die Häuser mit den Dächern fast zusammen.
Entsprechend eng geht es zu in der St. Goarshäuser Altstadt. Und viele Jahre über sah es schlecht aus für die Bewohner. Niemand kümmerte sich, die Gebäude verfielen, junge Leute zogen weg. Doch dann gründete sich die Altstadtinitiative und nahm die Sache in die Hand. Fördergelder beantragen, Vorschläge im Stadtrat machen und vor allem selbst mit anpacken war das Motto. Seitdem wurde viel bewegt: Das alte Rathaus ist saniert – hier sind heute ein Bürgerhaus und ein Trauzimmer untergebracht. Das Straßenpflaster wurde erneuert, Reben gepflanzt - und eine Bronze-Ziege in Auftrag gegeben, die seither frech um eine Häuserecke guckt.
Gegen den Bahnlärm und das Hochwasser, das erst vor kurzem wieder das Leben in der Gääsegass erschwert hat, konnte natürlich keiner was tun. Aber ansonsten hat sich das Leben in der Straße sehr verändert. Stühle und Bänke stehen draußen, Feste werden gefeiert und es herrscht wieder Leben in der Gääsegass. Eine feste Bank im Leben der Altstädter ist das Cafè Loreley. Jetzt im Winter ist es die einzige Kneipe in der Straße. Die Wirte sind guten Mutes. Die St. Goarshäuser Altstadt und die Gääsegass haben die schwierigsten Jahre hinter sich. Die, Menschen, die heute hier leben fühlen sich hier wieder daheim.

Letzte Änderung am: 23.03.2011, 18.12 Uhr