Ein Ortsporträt von Wolfgang Bartels

Das kleine Eifeldorf Oberpierscheid liegt am Südrand der Islek-Hochfläche. Die 400 Einwohner leben weit verstreut in sieben Ortsteilen. Einige davon bestehen nur aus einem einzigen Haus. Und weil immer der Wind über die Höhen pfeift, haben sich die Oberpierscheider etwas Besonderes einfallen lassen: Hecken, die den Wind bremsen.
Viele Häuser und Grundstücke sind von Buchenhecken umgeben, die sorgfältig gepflegt wurden. Und so sind die Oberpierscheider nicht böse, sondern sogar ein wenig stolz, wenn man sie "die Heckendörfler" nennt.

Mit Holz kennen sich die Oberpierscheider aus. Sie wissen sogar noch, wie man mit Holz Autos antreiben kann. Ein alter Schuppen im Prümtal bei Schloss Merkeshausen wird noch immer "Tankstelle" genannt.
Denn in der Kriegszeit mussten die Jugendlichen hier Holz hacken, mit dem die Holzvergaser-Lkws der Bitburger Brauerei angetrieben wurden. Der ehemalige Waldarbeiter Alois Schwarz erinnert sich noch an diese Zeit.

Das alte Brauchtum ist noch immer lebendig. Zum Beispiel wenn ein ortsfremder Jüngling häufiger als dreimal im Haus seiner Verehrten gesehen wird. Dann versammeln sich die Junggesellen des Dorfes zum "Schleifen": Der Ortsfremde muss einen Obolus entrichten, dann wird gemeinsam im Dorfgasthaus gefeiert - und der Freier ist in die Dorfgemeinschaft aufgenommen. Seit Jahrzehnten spielt bei diesen Festen Tom Pint mit seinem Akkordeon auf - ein musikalischer Dorfchronist.
Und noch etwas Ungewöhnliches gibt es in Oberpierscheid: Die Fußballmannschaften der Ortsteile haben witzige Namen. Wenn Staubwolke Philippsweiler gegen Torpedo Röllersdorf antritt, fliegen die Fetzen.
Oberpierscheid
Luxemburger Straße 6
54687 Arzfeld
Tel.: 06550/974100
Fax: 06550/974163
Letzte Änderung am: 29.10.2002, 00.00 Uhr