Ein Ortsporträt von Wolfgang Bartels

Afrika, Nord- und Südamerika - in einem kleinen Dorf in der Südeifel treffen sich Spuren und Träume all dieser Kontinente: in Kruchten, mit 430 Einwohnern im Bitburger Gutland gelegen. "Neu-Afrika" heißt eine Straße im Dorf, denn es gab Ende des 19. Jahrhunderts einen Dorfbewohner, der vom fernen Afrika träumte und auswandern wollte. Als er das Schiff in Bremerhaven erreicht hatte, war ihm das Geld ausgegangen. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als reumütig nach Kruchten heimzukehren. Aber sein Haus nannte er trotzig "Neu-Afrika".

Vom Wilden Westen in Nordamerika träumt Familie Barbara. Sie züchten im Ortsteil Schwarzenbruch Quarter Horses, jene kleinen, wendigen Pferde, mit denen die Cowboys einst das Vieh hüteten. Das Western-Reiten im Schwarzenbruch lässt tatsächlich ein bisschen Wild-Westgefühl aufkommen. Dass dies in der Eifel möglich ist, verdankt man sicher auch dem Einsatz junger amerikanischer Soldaten am Ende des Zweiten Weltkrieges, die nach Kruchten kamen und dort leider ihr Leben ließen. Heimatforscher Viktor Marbach kann sich noch erinnern, wie vier GIs nach einem deutschen Angriff in einem Panzer verbrannten. Die Amerikaner wurden im benachbarten Luxemburg bestattet. An die gefallenen deutschen Soldaten erinnert ein Ehrenfriedhof, der sechs Jahrzehnte später zum Frieden mahnt.

Auf südamerikanische Gefühle freuen sich die Kruchtener, wenn sie ihren Karnevalszug vorbereiten. Der findet nämlich traditionell bei Nacht statt - fast wie in Rio, wenn es nicht so kalt wäre in der winterlichen Eifel. Mögen sie noch so frieren, es ist der Flair fremder Kontinente, der die Kruchtener nun einmal besonders reizt.
Kruchten
Pestalozzistr. 7
54673 Neuerburg
Tel.: 06564/69-0
Fax.: 06564/69260
| Daten & Fakten | |
| Einwohnerzahl: | 430 (Stand Januar 2004) |
| Gemeindeart: | Landwirtschaftlich geprägte Wohngemeinde. Viele Einwohner arbeiten im benachbarten Luxemburg. |
| Tourismus: | Ferien auf dem Bauernhof: Pension Hoffmann, Wanderwege im Deutsch-Luxemburgischen Naturpark, Nachtumzug des Karneval-Vereins |
| Geschichte: | Erste urkundliche Erwähnung unsicher. 853 schenkte König Arnulf der Trierer Abtei St. Maximin seinen Besitz "Crufta", womot wohl das heutige Kruchten gemeint war. Seit 1110 gehörte es zur luxemburger Grafschaft Vianden, seit 1815 zu Preußen. In den Kriegsjahren 1944/45 war Kruchten ein halbes Jahr Niemandsland zwischen den Fronten und wurde weitgehend zerstört. |
| Vereine: | Freiwillige Feuerwehr, Spielmanns- und Fanfarenzug der Freiwilligen Feuerwehr, Sportverein Kruchten 1933 e.V., Kruchtener Karneval-Verein Hunekäp |
Letzte Änderung am: 18.11.2005, 00.00 Uhr