Ein Ortsporträt von Gudrun Fünter

Der Ton gibt den Ton an im 750 Einwohner Dorf Moschheim. Hierzuland liegt die zweitgrößte Tongrube des Westerwaldes. Die Moschheimer wohnen im Herzen des "Kannenbäckerlandes". Schon vor 140 Jahren wurde hier Ton gestochen und zu Kannen und Krügen weiterverarbeitet. Früher wurde überwiegend Mineralwasser abgefüllt, erst später setzten sich die Tonkrüge für Westerwälder Kümmel oder Korn durch. Bis heute gibt es in Moschheim "Kannenbäcker", die allerdings schon lange nicht mehr in Handarbeit töpfern. Bei Max Krüger wird Steinzeug industriell hergestellt.

Der größte Teil der Produktion geht allerdings ins Ausland: Senftöpfe nach Frankreich, Jeneverkrüge in die Niederlande, Bierkrüge nach Rußland. Die Auftragsbücher sind voll: Das Erfolgsgeheimnis der Moschheimer ist ihre maßgenaue Produktion. Ton - wo man hinschaut im Dorf: Im Kindergarten töpfern die Kleinsten. Im Antiquitätengeschäft stehen Tonkrüge aus dem 17. Jahrhundert zum Kauf und der Angel-Sport-Verein Moschheim hat seine Teichanlagen in einer ehemaligen Tongrube.

Tongruben im Tagebau und der hochaufragende Malberg prägen das Ortsbild. Der Berg ist so etwas wie das Wahrzeichen Moschheims. Früher galt er vermutlich als heiliger Berg. Kelten und Germanen sollen hier Richtstätten betrieben haben. Im bizarren vulkanischen Felsgestein sind Reste eines Ringwalls zu erkennen. Heute ist der Malberg Naherholungsgebiet, aber noch immer auch ein Ort der christlichen Besinnung für die Menschen an den Tongruben.
Moschheim
Bahnhofstraße 10
56422 Wirges
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Letzte Änderung am: 10.02.2005, 00.00 Uhr